Bad Kissingen

Übers Sterben und den Tod: Hospiz-Verein bietet "Letzte-Hilfe"-Kurse an

Fragen zur Begleitung eines sterbenden Menschen beantworten Michaela Kaiser und Michaela Maack vom Hospizverein Bad Kissingen. Dort bieten sie auch "Letzte-Hilfe"-Kurse an.
Die Hospizbegleiterinnen Michaela Maack (links) und Karin Kächele begutachten ätherische Öle, die beim Letzte-Hilfe Kurs vorgestellt werden und sich positiv auf Körper und Geist wirken können. Foto: Michaela Kaiser       -  Die Hospizbegleiterinnen Michaela Maack (links) und Karin Kächele begutachten ätherische Öle, die beim Letzte-Hilfe Kurs vorgestellt werden und sich positiv auf Körper und Geist wirken können. Foto: Michaela Kaiser
| Die Hospizbegleiterinnen Michaela Maack (links) und Karin Kächele begutachten ätherische Öle, die beim Letzte-Hilfe Kurs vorgestellt werden und sich positiv auf Körper und Geist wirken können. Foto: Michaela Kaiser

Egal wie kurz oder lang, wie glücklich oder traurig es gewesen sein mag, am Ende jedes Lebens steht der Tod. Vor ihm direkt, sagen viele Menschen, hätten sie keine Angst, wohl aber vor dem Weg zum Tod, dem Sterben.

Wie wird es sein? Voller Schmerzen? Einsam? Oder im Kreis der Familie? Das weiß niemand vorher. Wie geht man mit einem Menschen um, der stirbt? Wie kann man ihm helfen? Was lässt man lieber bleiben? Solche und andere Fragen beantworten seit dem Jahr 2020 in ihren "Letzte-Hilfe"-Kursen Michaela Kaiser, Koordinatorin, und Michaela Maack, Hospizbegleiterin, beim Hospizverein Bad Kissingen e.V. Vorsitzender des 1994 gegründeten Vereins mit derzeit 280 Mitgliedern, darunter 66 aktive Hospizbegleiter, ist Reinhard Höhn .

Mit dem Thema Sterben auseinandersetzen: "Letzte Hilfe"-Kurse in Bad Kissingen

Als Hospizbegleiter kann sich jeder Erwachsene ausbilden lassen, dafür werden Schulungen angeboten. Der Letzte-Hilfe Kurs dient dagegen allen Personen, die sich mit dem Thema Sterben auseinandersetzen wollen. "Es ist wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass der Tod zum Leben dazu gehört", erklärt Maack. Im Lauf der letzten Jahrzehnte sei Sterben und Tod ein Tabuthema geworden, erklären die beiden Referentinnen. Früher erfolgte die Pflege eines Angehörigen meistens daheim, es gab bestimmte Rituale, um Abschied zu nehmen. Sterben und Tod galten als präsent, schon kleine Kinder standen bei der Oma mit in der Stube, um die Hand ein letztes Mal zu halten.

Heute verdrängen viele Menschen das Thema, dabei betrifft es jeden irgendwann. "Wir geben Hilfestellung, Anleitungen und sind auch ein bisschen Seelentröster", beschreibt Maack, die auch als Schulbegleitung tätig ist, ihre Arbeit beim Hospizverein . "Die Linderung und Erhaltung von Lebensqualität und Selbstbestimmung ist unser primäres Ziel beim Letzte-Hilfe Kurs", erklärt Kaiser den Inhalt der Kursabende. Themen, wie reines Überleben oder Verlängerung von Leben ohne Lebensqualität im Sinne der Betroffenen, spielen in den Kursen keine Rolle. "Wenn es auf das Lebensende und Sterben zugeht, macht das viele Familienangehörige hilflos", sagt Kaiser, 58 Jahre alt, 34 davon hat sie in der Pflege gearbeitet.

Angehörige werden in den Kursabenden auf belastende Situationen vorbereitet, die helfen, den schwersten Weg des Lebens liebevoll zu begleiten. "Zuwendung ist das, was alle Menschen am Ende des Lebens am meisten brauchen", hat Kaiser im Lauf der Zeit erfahren.

Sterben und Tod: Viele Menschen verdrängen diese Themen - dabei betrifft es jeden irgendwann

Rund 15 Teilnehmer, meistens Frauen, versammeln sich je Kurs und folgen den Ausführungen der beiden Referentinnen, die nicht nur den sensiblen Umgang mit dem Sterbenden, sondern auch praktische Tipps geben. "Wir ermutigen, den Menschen, der im Sterben liegt, anfassen zu dürfen, vorzulesen, mit ihm eine Klangschalenmeditation zu machen", zählt Kaiser auf. Auch das Benetzen ausgetrockneter Lippen oder eine vorsichtige Hautpflege verschafft Linderung. Ätherische Öle wirken auf Körper und Geist und können - wenn sie als angenehm empfunden werden - hilfreich sein bei Übelkeit , Angst, Unruhe oder Schmerzen. Am meisten zum Einsatz kommen Lavendel- und Zitrusdüfte, die sich auch als Raumspray, für Hand- oder Fußbäder oder zur Mundpflege eignen. Zusammen mit Berührungen beim Baden oder Massieren entsteht so auch ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.

Auch während der Coronazeit kann der Verein einen qualifizierten Hospizbegleiter zur Seite stellen, die Ehrenamtlichen können aber nicht die komplette Versorgung übernehmen und ersetzen nicht den ambulanten Pflegedienst . Vermittelt werden Kontakte zu anderen Versorgern im Palliativ- und Hospiznetzwerk, darunter ein ambulantes Palliativteam, wenn medizinische Hilfe notwendig ist. Auch in der Pflegeberatung und bei bürokratischen Hürden helfen die Koordinatorinnen des Hospizvereins weiter.

Hintergrund: So entstand die Idee der Letzten Hilfe-Kurse

Im Jahr 2008 beschrieb Prof. Dr. Georg Bollig im Rahmen seiner "Master Thesis zum Master of Advanced Studies (MAS) in Palliative Care" die Idee zum Letzte-Hilfe-Kurs. Inzwischen ist daraus ein weltweites Projekt entstanden, mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger haben deutschlandweit an Kursen teilgenommen. Ausgebildete Kursleiter und Kursleiterinnen gibt es derzeit 2500. Einem anderen Menschen in Not beizustehen und eine humane Haltung zu zeigen, gelten als gemeinsame Eigenschaften von Erster- und Letzter-Hilfe, nur eben jeder auf seine Art. Das Verbinden von Wunden hilft einem Verletzten ebenso, wie einem Sterbenden das bloße Dasein einer anderen Person trösten kann. Palliativversorgung, Sterben und Tod gehen nicht nur Erwachsene etwas an, bundesweit gibt es schon Letzte-Hilfe-Kurse für Kinder ab acht Jahren. In Bad Kissingen ist ein solcher Kurs in Planung, derzeit qualifiziert sich ein Mitglied zur Kursleiterin.

Allgemeine Information im Internet , E-Mail: kontakt@letztehilfe.info. Hilfe beim Umgang mit Sterbenden gibt es direkt im Hospizverein Bad Kissingen e.V. unter Telefon: 0971/785 88 56.

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