Hammelburg

Ausbildung in Corona-Zeiten

Die Kommandeure der Ausbildungseinrichtungen des Heeres trafen sich zu einer Besprechung am Ausbildungszentrum Infanterie.
Die Weiterbildung 'MELLS' führte Stabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke (3. von rechts) durch, der bei dieser Gelegenheit zum Oberstabsfeldwebel befördert wurde.  Foto: Bundeswehr/Benjamin Bendig       -  Die Weiterbildung 'MELLS' führte Stabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke (3. von rechts) durch, der bei dieser Gelegenheit zum Oberstabsfeldwebel befördert wurde.  Foto: Bundeswehr/Benjamin Bendig
| Die Weiterbildung "MELLS" führte Stabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke (3. von rechts) durch, der bei dieser Gelegenheit zum Oberstabsfeldwebel befördert wurde. Foto: Bundeswehr/Benjamin Bendig

Über Ausbildung bei der Bundeswehr in Zeiten der Corona-Pandemie, neue Prüfungsmodelle und E-Learning tauschten sich die Kommandeure der Ausbildungseinrichtungen des Heeres in Hammelburg aus.

Brigadegeneral Ullrich Spannuth vom Ausbildungszentrum Munster erläuterte sein neues Prüfungsmodell: "Wo immer möglich, lasse ich Prüfungen durch lehrgangsbegleitende Bewertung in Form von Beobachtungsbögen ersetzen." Ziel müsse es sein, in die Zukunft zu blicken, Potenziale der Lehrgangsteilnehmer zu erkennen und diese dann zu erschließen. "Letztlich ist das Problem an einer Prüfung, dass die Note lediglich zurückblickt. Sie sagt aus, wie gut jemand etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt gemacht hat. Für die Zukunft will ich aber wissen, wie gut er voraussichtlich etwas machen wird", so Spannuth. Deshalb gebe es in Munster nun ein Zwei-Säulen-Modell aus schriftlichen Leistungsnachweisen und Erfolgskontrollen sowie praktischen Beobachtungsbögen. "Wann immer jemand auf der Kippe steht, entscheidet die Praxis, also was der Soldat ,auf dem Acker' kann."

Der Tagungs-Gastgeber, Brigadegeneral Michael Matz , berichtete aus dem Hammelburger Ausbildungszentrum Infanterie: "Wir haben die neue Ausbildungsnormalität erreicht." Inzwischen liefen die Lehrgänge wieder annähernd so, wie vor der Corona-Zwangspause. Die Teilnehmerzahlen seien dennoch geringer, da alle Soldaten in Einzelunterkünften untergebracht werden müssten. Auch gebe es weiterhin die Blockausbildung: "Dabei behalten wir die Lehrgangsteilnehmer zehn Tage am Stück am Standort, um sie dann für eine Woche nach Hause zu schicken", erläuterte Matz. Die Pandemie habe neue Erkenntnisse im E-Learning gebracht: "Nichts ist wichtiger als eine regelmäßige Verbindung zwischen Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer. Dieses digitale Führen ist aber derzeit noch nicht ohne den Einsatz privater Geräte möglich. Deswegen haben wir eine Verbesserung der IT-Ausstattung angestoßen", bilanzierte der General der Infanterie die Ausbildung unter Corona-Bedingungen.

Digitalisierung

Diesem Digitalisierungsgedanken schlossen sich auch die Kommandeure des Ausbildungszentrums Technik Landsysteme in Aachen, Brigadegeneral Klaus-Dieter Cohrs, sowie des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in Bückeburg, Brigadegeneral Ulrich Ott, an. General Ott erklärte: " E-Learning gelingt am besten mit einem starken Challenge-Gedanken. Wir haben dies mit Hilfe von Apps erreicht, wo sich unsere Lehrgangsteilnehmer gegenseitig überprüfen und abfragen können. Man kann quasi entspannt in der Sonne oder am Strand liegen und dabei nochmal Lehrgangsinhalte wiederholen, so dass sich diese weiter festsetzen." General Cohrs gab für sein Ausbildungszentrum in Aachen das ambitionierte Ziel aus, den Anteil der Fernausbildung von derzeit etwa drei Prozent in den nächsten Jahren in Richtung 20 Prozent zu erhöhen, ohne dabei die weiterhin unverzichtbaren praktischen Ausbildungsanteile zu schwächen.

Weiterbildung zum Abschluss

Der Kommandeur des Ausbildungskommandos des Heeres , Generalmajor Norbert Wagner, betonte gegenüber den Kommandeuren die Bedeutung einer guten Führung und Erziehung seiner Soldaten : "Es gibt No-Go's bei der Bundeswehr . Dazu gehören Betäubungsmittel genauso wie Extremismus." Es sei Aufgabe eines jeden militärischen Führers, dies selbst vorzuleben und gegenüber seinen nachgeordneten Soldaten aufmerksam zu sein. Und weiter: "Bei Extremismus gibt es kein ,Pardon'. Wer hier auffällt, wird umgehend aus dem Dienstverhältnis entfernt."

Den Abschluss der Besprechung bildete eine Weiterbildung der Kommandeure. Zunächst stand Taktik auf dem Programm. Unter Leitung von General Wagner planten die Kommandeure Anteile der Operationsart "Verzögerung" in einer fiktiven Lage aus. Dabei gilt es, unter Aufgabe von Gelände Zeit zu gewinnen und den Feind während eines geplanten Rückzuges immer wieder anzuschießen, so dass dieser empfindliche Verluste erleidet. Nach dieser Planübung ging es nach draußen, um dort in das "Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörpersystem", kurz MELLS, sowie in die Ausrüstung des Systems "Infanterist der Zukunft - Erweitertes System" eingewiesen zu werden.

Zur Verabschiedung bedankte sich General Wagner bei allen beteiligten Organisatoren und richtete das Wort an seine Kommandeure: "Lassen Sie uns weiterhin mit Leidenschaft ausbilden und unseren Nachwuchs voranbringen."Jan Volkmann

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