Bad Brückenau

Außergewöhnliche kirchenmusikalische Klänge

Das Weihnachtsoratorium von Fidelis Müller begeisterte am 4. Adventssonntag die Zuhörer in der Stadtpfarrkirche Sankt Bartholomäus in Bad Brückenau. Kantor Markus Wollmann zeigte erneut seinen Mut zu Besonderem.
Chor, Musikerinnen und Solisten erhielten nach dem Konzert einen überwältigenden Applaus. Foto: Bianca Volkert       -  Chor, Musikerinnen und Solisten erhielten nach dem Konzert einen überwältigenden Applaus. Foto: Bianca Volkert
Chor, Musikerinnen und Solisten erhielten nach dem Konzert einen überwältigenden Applaus. Foto: Bianca Volkert

Ein musikalisches Weihnachtsgeschenk aus dem Jahre 1879 erwartete die Konzertbesucher am 4. Advent in der Bad Brückenauer Stadtpfarrkirche Sankt Bartholomäus mit dem Weihnachtsoratorium op, 5, nach Worten der Heiligen Schrift.

Der Komponist Heinrich Fidelis Müller (1837-1905) war Domdekan in Fulda und reformierte die dortige Dommusik. Im Weihnachtsoratorium spiegelt sich die tiefe Religiosität von Müller wider. Die Inspiration zu diesem "kleinen Weihnachtsspiel", in dem das Weihnachtsgeschehen in sechs Szenen gegliedert ist, erhielt er durch einen Besuch der Oberammergauer Passionsspiele im Jahre 1871. Die Aufführung ist bewusst einfach gehalten, kleines Orchester oder nur Orgel beziehungsweise Klavierbegleitung genügen, um den volkstümlich-gemütvollen Charakter zum Ausdruck zu bringen.

1930 geriet das Oratorium viele Jahrzehnte in Vergessenheit.

Mutige Aufführung

Inzwischen ist man von Bad Brückenaus Kantor Markus Wollmann ja schon so einiges gewohnt. Vor kurzem zeigte er mit der "Jazz Missa Brevis" seinen Mut zu außergewöhnlichen kirchenmusikalischen Klängen. Doch mit dieser Aufführung dokumentierte er erneut seine außergewöhnliche Begabung und Einfühlungsvermögen. Die Tage sind so dunkel, wurde zu Beginn von Markus Wollmann gemeinsam mit sechs weiteren Tenören und Bässen als Einzug durch die voll besetzte Kirche auf dem Weg zum Altar gesungen. Dort hatten sich zwischenzeitlich der Kirchenchor, Kammerchor, die Musiker und Solisten aufgestellt. Der Hymnus "Conditor alme siderum" wurde von den Sängern in Latein vorgetragen und abwechselnd mit dem vierstimmigen Chor, ohne musikalische Begleitung, vorgetragen. Dieser schwierige Satz gleich zu Beginn forderte von den Sängerinnen und Sängern höchste Konzentration, denn ohne musikalische Begleitung war jeder Ton gut hörbar.

"Maria Wiegenlied" von Max Reger (1873-1916) wurde vom Elisenquartett (Anja Schaller, Violine; Maria Schalk, Violine; Karoline Hoffmann, Viola; Irene von Fritsch, Violoncello) beruhigend, einfach und schön gespielt. Deutlich war die Klasse der Musikerinnen erkennbar.

Die Sehnsucht nach dem Erlöser besang der Chor mit "Oh Heiland, reiß die Himmel auf". Mit klarem und deutlichem Gesang antwortete der Tenor Oliver Kringel, worauf der Chor ein sehnsuchtsvolles "Ach komm ach komm Emanuel" sang. Zart und getragen, erklang das Tenor-Solo "Wo bleibst du Trost, der ganzen Welt", den der Chor sehr gefühlvoll, rufend wiederholte.

Ave Maria

" Es ist ein Ros entsprungen", erzählt die Geschichte von der Jungfrau Maria. Das Rezitativ, " In jener Zeit war der Engel", leitete ein zum "Gegrüßest seist Du, Maria", welches die Sopranistin Mio Nakamune mit ihrer etwas zarten, aber klangfarbigen Stimme darbot. Der Chor beendete den zweiten Teil mit einem kräftigen "Gegrüßet seist Du Maria" .

Die Geburt: Das Rezitativ, zart und getragen, spielte das Elisenquartett, gemeinsam mit Yu Guo (Oboe) und Gaby Altmann (Querflöte). In dieser Einleitung trat besonders die Oboe mit rührenden Klängen hervor. "Stille Nacht" wurde vom vierstimmigen Chor äußerst gefühlvoll vorgetragen. Gefolgt vom Rezitativ, besangen die Solisten die Hirten, Davids Stern und die Verkündigung der großen Freude. Fulminant intoniert, mal gefühlvoll leise, mal freudig schallend, verzückte der Chor bei "Ehre sei Gott".

Die Hirten bei der Krippe wurde als Pastorale instrumental vom Streichquartett den Zuhörern als Erinnerung an den Freudentag gespielt. Chor und Schola begrüßten das Kindlein "O Jesulein süß". Mit einem Rezitativ und dem Hirtenlied, entsendeten die Solistin, gemeinsam mit der Chorsängerin aus dem Alt, Monika Beck , das Publikum nach Bethlehem. Der Tenor besang den Weg zur Krippe, wo der Chor das Kindlein begrüßte. Die heiligen drei Könige eröffnete der Tenor gemeinsam mit den Musikerinnen und dem freudigen Chorgesang "Zu Betlehem geboren" und dem fragenden Gesang "Wo ist der neugeborene König". Der Tenor trat als Herodes gewaltig und klangstark, zur Entsendung der Hirten, an die Krippe hervor. Zärtlich wurde Jesu begrüßt, gedankt und gepriesen.

Weihnachtsjubel: Der Chor jubelte und brillierte mit lautem Schalle, worauf die Solistin überzeugend die Arie "Sehet, welche Liebe" zum Besten gab, bevor der Chor mit "Menschen, die Ihr wart verloren" das Wunder der Ankunft, reich an Segen für uns Christen, sehr bewegt vortrug. Dies bedeutete auch den Abschluss der Konzertes.

Großartige Leistung beim Zusammenspiel

Allen Teilen dieser Geschichte verliehen Chor, Solisten und Musikerinnen unter der Leitung von Kantor Markus Wollmann einen ganz eigenen Stil. Niemals wurde dieses Oratorium in so einer Besetzung aufgeführt. Die Inszenierung Wollmanns war für alle eine große Überraschung. Akribisch schulte Wollmann Chor, Musiker und Solisten wochenlang, aber niemals trafen diese aufeinander. Erst zwei Stunden vor dem Konzert brachte er alle zusammen. Bemerkenswert an der Orgel präsentierte sich Isabel Starz. Ruhig und besonnenen begleitete sie das komplette Oratorium, immer mit leisen Tönen im Hintergrund, und trug somit ganz unauffällig zu dieser gelungenen Aufführung bei.

Die Zuhörer hatten auch immer einen Blick auf die wunderschöne Krippe und konnten das Geschehen bildlich verinnerlichen. Während des 90-minütigen Konzertes war von den vielen Besuchern kein Laut oder Applaus zu hören. Die Stimmung zeugte von absoluter Harmonie zwischen Zuhörern und allen Mitwirkenden der Aufführung. Der Dank und die Freude drückte sich im überwältigenden Applaus von beiden Seiten aus, und nicht nur die Zuhörer hatten glänzende Augen nach diesem wunderschönen Weihnachtsgeschenk in Form eines Konzertes.

Wollmann drehte sich zum Publikum und dirigierte das gemeinsame Abschlusslied "Freut euch, freut euch, Menschenkinder, freut euch alle Groß und Klein". Die Besucher, noch tief beeindruckt von dem Ereignis, verlangten nach einer Zugabe, welche die Geschichte aber nicht hergab. Geduld, in zwölf Monaten wird sich diese Geschichte wiederholen, und alle erneut in eine zauberhafte Weihnachtsstimmung versetzen.

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