Hammelburg

Ausstellung im Winzerkeller: Die Frau im Fokus

Volker Glatz präsentiert seine Werke "Ewig lockt das Weib" im Winzerkeller. Mit seinen Zeichnungen sorgt der pensionierte Frauenarzt für Gesprächsstoff.
Die Acryl-Exponate des "malenden Doktors" bieten Diskussionsstoff für die Besucher.Winfried Ehling
Die Acryl-Exponate des "malenden Doktors" bieten Diskussionsstoff für die Besucher.Winfried Ehling

Diesmal war es nicht der Frankenwein, sondern die Vernissage des Malers Volker Glatz, der mit anderen Genüssen in den "Winzerkeller" lockte. Die edlen Tropfen fanden dennoch ihre Liebhaber, sie rundeten die Gemäldepräsentation "Ewig lockt das Weib" ab. Wein und Weib liegen ja nicht nur phonetisch nahe beieinander.

Ein Dutzend großformatiger Acryl-Werke versüßten den Freitagabend im Fasskeller, extra gefertigt für diese Ausstellung, wie Glatz betont. Die schwarz-weißen Unikate zeigen nackte Frauen, die sich offensichtlich erfreuen, dass ihre Weiblichkeit portraitiert wird - verführerisch, anmutig tanzend, anbetungswürdig, lustvoll und manchmal auch - zum Weine passend - bacchantisch. Die Gruppe "kunstvereint" hatte die Idee und organisierte diese Präsentation.

Nun gut, das Alter spielt bei einem Künstler und der Auswahl seiner Objekte keine Rolle. Doch wie kommt ein 76-Jähriger auf die Idee einer solch geballte Studie des femininen Körpers? Hat ihn sein Beruf als Frauenarzt, den er 30 Jahre ausübte, auf diese Schiene gebracht? Mitnichten, die Medizin war es, die den Anstoß gab.

Als Gynäkologe den weiblichen Körper kennend, nahm sich Glatz dieses Themas an, in Erinnerung an ein Buch aus dem Jahr 1913, das den Titel der Ausstellung trug. Eine weitere Begründung sind die denkwürdigen Worte: "Alle großen Künstler waren an Frauen interessiert. Ein Mann ohne Frau ist nichts." Ein Glück, dass die vier Damen der Singgruppe "Sweet Inspirations" mit einem ihrer Songs einräumten, dass - vor allem malende - Männer durchaus gern gesehen sind und eine Berechtigung auf dieser Welt haben. Balsam für die maskuline Seele.

Weibliche Reize allgegenwärtig

"Die Ausstellung sollte an der Zeit sein. Frauen sind mehr als nur eine Arbeitskraft", ist der Maler überzeugt, als er aus besagtem Buche zitiert. Vor mehr als 100 Jahren ging es auch schon ganz schön zur Sache. Und wer da alles mitmischte, lässt die Ohren klingeln - Nietzsche, Tolstoi, Gottfried Benn . Schon damals waren Künstler, Politiker und Weltenführer gegen weibliche Reize offensichtlich nicht immun. "Me too" kam den Damen seinerzeit nicht in den Sinn. Versprach doch eher die "femme fatale", die Rolle der verhängnisvollen Frau, ein sorgenfreies Leben.

Frauen sind beileibe nicht das einzige Thema des malenden Doktors. Er zeichnet zu vielen Dingen: das Tagesgeschehen im Fernsehen, Landschaften, den Wald. Sogar die Predigten seiner Gattin, eine Pfarrerin, skizziert er mit. Malen war von Kindesbeinen an seine Passion. Deswegen wollte er Zeichenlehrer werden, wovon ihm der Vater abriet. Über Theologie und Geschichte kam er zum Medizinstudium an die Uni Heidelberg. Trotz Doktortitel blieb ihm die Malerei wichtig. So wichtig, dass er nach seiner Pensionierung diese Kunst an mehreren Akademien vertiefte.

Mit Schülern zum Mal-Unterricht

Heute besitzt der Kunst-Doc eine eigene Mal-Schule. Mit seinen Schülern bereist er Spanien, um Mal-Unterricht zu geben. Von dort stammt auch das einzige bunte Bild der Vernissage - wild tanzendes Weibsvolk. Der Begriff Weib war für Glatz eigentlich negativ belegt. "Erst mein Zwillingsbruder, der in Bayreuth beheimatet ist, sagte mir, dass dieser Ausdruck in Franken normal ist", verrät er.

Der Geschäftsführer des Winzerkellers, Stefan Merz, zeigte sich bei seiner Begrüßung von der Präsentation höchst angetan und schwärmte: "Diese Bilder machen den Raum viel heller. Es müsste sie auf Krankenschein geben", meinte er.

Maria Heckmann von den "süßen Eingebungen" erkannte, dass der Kunst-Doktor auch auf Liebe eingestellt ist - auf Liebe zur Kunst. Und die Damen trällerten "Bei mir bist du scheen". Laut Gesang sind die Ladies ebenfalls "von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, denn das ist meine Welt - und sonst gar nichts". Die Ausstellung ist bis April zu den Öffnungszeiten des Winzerkellers zu besichtigen.

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