Bad Brückenau

Bad Brückenau: Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks verabschiedet sich

Von November 2010 bis April 2020 führte Brigitte Meyerdierks die Stadt Bad Brückenau. Sie war die erste Frau an der Spitze der Verwaltung. Zahlreiche Projekte kamen in Gang, bei manchen Themen aber haperte es auch.
Vom Balkon ihres Hauses aus genießt Brigitte Meyerdierks einen herrlichen Blick über das Sinntal. Foto: Ulrike Müller       -  Vom Balkon ihres Hauses aus genießt Brigitte Meyerdierks einen herrlichen Blick über das Sinntal. Foto: Ulrike Müller
Vom Balkon ihres Hauses aus genießt Brigitte Meyerdierks einen herrlichen Blick über das Sinntal. Foto: Ulrike Müller

Brigitte Meyerdierks ( CSU ) stammt aus Tiefenbach bei Passau. Die Diplom-Verwaltungswirtin lebt seit 1994 in Bad Brückenau . Sie saß seit 2000 im Stadtrat, seit 2002 im Kreistag und war seit 2002 stellvertretende Bürgermeisterin, bevor sie vor zehn Jahren Bürgermeisterin wurde. Die 65-Jährige verkürzte auf eigenen Wunsch ihre Amtszeit um anderthalb Jahre und schied Ende April aus dem Amt aus. Als Kreisrätin ist sie für weitere sechs Jahre wiedergewählt worden.

Frau Meyerdierks, was ist das für ein Gefühl, nicht mehr Bürgermeisterin zu sein?

Brigitte Meyerdierks : Da schwingt schon viel Wehmut mit. Aber ich hatte Glück: Meine Töchter waren beide da, weil sie gerade Homeoffice machen. Da war ich nicht allein. Und die Stadtverwaltung hat mir einen schönen, coronagerechten Abschied bereitet. Ich hätte auch gern mit den Bürgern ein Fest gefeiert, mit Blasmusik, Maibaum und Freibier. Ich hoffe, dass wir das irgendwann nachholen können - nicht nur wegen mir, sondern auch für die scheidenden Stadträte.

Die Corona-Krise stellt alle Verantwortungsträger vor große Herausforderungen. Sind Sie froh, dass Sie diese Aufgabe nicht mehr leisten müssen?

Froh ist der falsche Ausdruck. Ich bin erleichtert darüber, dass ich bei meinem Nachfolger Jochen Vogel alles in guten Händen weiß. Ich hoffe für Bad Brückenau , dass alles gut wird, gerade für den Tourismus.

Wegen der aktuellen Situation haben Sie sich mit einem Video von den Bürgern verabschiedet. Darin zählen Sie die vielen Projekte Ihrer Amtszeit auf. Was sehen Sie als Ihren größten Erfolg an? Der Fahrradweg und die Gründung der Brückenauer Rhönallianz. Das wird zukunftsweisend sein. Von beiden kann ich auch sagen, dass ich maßgeblich daran beteiligt war. Ganz stolz bin ich auch darauf, dass wir mit den Schulen und Kindergärten jetzt auf dem neuesten Stand sind. Und ich sage bewusst "wir": Ein Bürgermeister macht nichts allein. Es ist immer eine Gemeinschaftsarbeit.

Gab es auch Dinge, die Ihnen nicht gelungen sind?

Das ist natürlich das Hotel Post . Da war viel Engagement von mir dabei. Was mich auch total ärgert, ist, dass wir die Wernarzer Brücke nicht auf die Reihe gebracht haben. Und die Innenstadt

wo es seit Jahren ein Gezerre um die Öffnung für Fahrzeuge, eine testweise Öffnung und die Öffnung nur bis 13 Uhr gibt. Ist das unglücklich gelaufen?

Ja. Meiner Meinung nach hätte man sich gleich dafür entscheiden sollen, entweder komplett zuzumachen oder komplett zu öffnen. Aber das lag wirklich an den sehr verschiedenen Einstellungen der Stadträte dazu.

Was waren Ihre dunkelsten Stunden in den vergangenen zehn Jahren?

Die gab es nicht. Ich habe in meinem Leben vorher schon so viele dunkle Stunden gehabt, zum Beispiel nach dem Tod meines Mannes. Wenn es mal schwierig war, habe ich immer daran gedacht, was ich schon alles geschafft habe. (Pause) Sehr einschneidend war für mich die Wahl im Jahr 2016. Aber das war nicht dunkel, das war lehrreich.

Inwiefern?

Weil ich erleben musste, dass nicht nur die geleistete Arbeit zählt, sondern auch das Drumherum. Wie sich einer darstellen kann, zum Beispiel.

Damals holte der 23-jährige Claudio Kleinhans auf Anhieb 34,63 Prozent der Stimmen. Sie selbst gewannen die Wahl denkbar knapp. Drei Jahre später fassten Sie den Entschluss, nach eigenen Worten "Platz für frischen Wind" zu machen. Hat Ihnen diese Entscheidung weh getan?

Das hat mir nicht weh getan, das ist ganz normal. Ich habe erkannt, dass ich es der Stadt und mir schuldig bin, Platz zu machen für die nächste Generation. Ich war leidenschaftlich gern Bürgermeisterin von Bad Brückenau .

Ist Ihnen mit der Zeit etwas Herzblut für die Sache verloren gegangen?

Ein Stück weit nach meiner Wiederwahl, ja. Damals habe ich mir vorgenommen, mit Anstand abzutreten.

Viele der Projekte Ihrer Amtszeit widmeten sich der Daseinsvorsorge. Sanierte Straßen und erweiterte Kindergärten geraten aber schnell in Vergessenheit, sobald die Baustellen abgeschlossen sind. Welchen dauerhaften Impuls haben Sie für die Stadt gesetzt?

Wie ich schon sagte, der Fahrradweg und die Gründung der Rhönallianz. Aber auch die Heilquellen! Wir haben dem Stadtrat die Frage vorgelegt: In welche Richtung sollen wir gehen? Daraus sind das Gutachten über unsere Heilquellen und die stärkere Ausrichtung auf Tourismus und Gesundheit entstanden. Das war ein ganz wegweisender Schritt. Es wird aufgrund unserer Topografie immer schwierig sein, große Gewerbebetriebe anzusiedeln.

Was wird Ihnen im Ruhestand am meisten fehlen?

Die Kommunikation. Jeden Tag im Rathaus zu sein, meine Mitarbeiter. Das ganze Berufsleben wird mir fehlen.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Überblick über die Amtszeit von Brigitte Meyerdierks :

Projekte Folgende Baumaßnahmen stemmte die Stadt Bad Brückenau in den zurückliegenden zehn Jahren: Generalsanierung der Grundschule, Generalsanierung der Dreifachturnhalle, Sanierung von Unterhain- und Sinnaustraße, Kauf der Bahntrasse und Bau eines Radwegs, Ausbau der Kissinger Straße (Gehsteige), Neubau Kindergarten Volkers, Erweiterung und Sanierung Kindergarten Stadtmitte, Mehrzweckspielplatz Römershag, Generalsanierung der Mittelschule (läuft noch). Diese Vielzahl an Projekten konnte deshalb verwirklicht werden, weil die Stadt als Empfängerin der bayerischen Stabilisierungshilfe hohe Förderzusagen bekommen hat. Nicht im Auftrag der Stadt entstanden während dieser Zeit das Fachmarktzentrum, das Seniorenzentrum Haus Waldenfels mit Nachbargebäuden sowie der Rewe-Markt.

Stadtumbau West Seit 2008 verfolgt die Stadt ein Sanierungskonzept. Folgende Projekte sind mit Hilfe von Fördergeldern realisiert worden: Sinnauplatz, Sanierung der Gassen in der Altstadt , Parkplatz Obermang, Parkplatz an der Musikschule , Unterstützung privater Fassadensanierungen sowie die Umgestaltung des Bahnhofsareals (Planung angelaufen).

Themen Zahlreiche Diskussionen prägten zudem die Amtszeit von Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks . Darunter fielen die Auseinandersetzung um die Stromtrasse Südlink , eine enge Haushaltsführung in Zeiten der Stabilisierungshilfe, die bessere Vermarktung der Heilquellen sowie das vergebliche Ringen um die Belebung der Innenstadt .

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