Bad Brückenau

Bad Brückenau: Der lange Weg zur Urkunde

Bis die Stadt zum Bad wurde, vergingen viele Jahrzehnte der Bemühungen. Der Meilenstein der Stadtgeschichte am 8. April 1970 erfreute jedoch nicht alle. Das nahe gelegene Staatsbad wollte dies damals verhindern.
Bürgermeister Egid Trost (vorne) und 2. Bürgermeister Konrad Zirkel beim Aufstellen des neuen Ortsschildes im Jahr 1970. Foto: Stadtarchiv Bad Brückenau       -  Bürgermeister Egid Trost (vorne) und 2. Bürgermeister Konrad Zirkel beim Aufstellen des neuen Ortsschildes im Jahr 1970. Foto: Stadtarchiv Bad Brückenau
Bürgermeister Egid Trost (vorne) und 2. Bürgermeister Konrad Zirkel beim Aufstellen des neuen Ortsschildes im Jahr 1970. Foto: Stadtarchiv Bad Brückenau

Was heute eine sehr partnerschaftliche Beziehung ist, war im vergangenen Jahrhundert über mehrere Jahrzehnte schwierig. Denn weder mancher Bürger noch die staatlichen Stellen erfreuten sich an der Verleihung des Bad-Titels an die Stadt Brückenau vor genau 50 Jahren.

"Manch einer warf der Stadt gar vor, den Titel vom Staatsbad geklaut zu haben", so zumindest beschreibt Edgar Rieß die gespaltene Stimmung damals. Der heute 79-jährige Rieß war zu dieser Zeit als Stadtkämmerer und später als Geschäftsleiter im Rathaus tätig. Für die Stadt jedenfalls war es eine folgerichtige Entwicklung, nachdem Anfang des 21. Jahrhunderts die Quellen in Brückenau erschlossen und ein gut funktionierender Kurbetrieb aufgestellt wurde.

Versuche über Jahrzehnte

Es war eine Krux mit dem Bad-Titel für die Stadt. Vermutlich gab es bereits in den 1920er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die ersten Versuche, die Stadt als Bad anerkennen zu lassen. Erste offizielle Dokumente darüber reichen in das Jahr 1939 zurück, bestätigt Roland Heinlein vom Stadtarchiv.

Die Nähe zum Staatsbad, das damals den Titel Staatliches Mineralbad Bad Brückenau trug und Eigentum des Freistaates Bayern ist, habe das Vorhaben lange Zeit nicht einfacher gemacht. "Ich denke, dass das Staatsbad damals zu viel Konkurrenz in der nahegelegenen Kurstadt sah", vermutet der ehemalige Geschäftsleiter. Der Freistaat habe den eigenen Kurbetrieb nicht gefährden wollen.

Urkunde am letzten Arbeitstag

Denn in Folge der Umbenennung musste das Staatsbad sein zweites Bad im Titel hergeben. Es sollte sich fortan Staatsbad Brückenau nennen. "Die unterschiedlichen Bezeichnungen haben lange zu Missverständnissen bei Besuchern geführt", sagt Rieß

Unter Egid Trost , der von 1952 bis 1970 Bürgermeister war, gelang es den Brückenauern nach langen Bemühungen endlich. Quasi an seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand präsentierte Trost die Urkunde im Stadtrat. Der enge Mitarbeiter Rieß musste dafür extra "nach Würzburg rasen, um pünktlich zur Sitzung abends wieder mit der Urkunde in Brückenau zu sein", erinnert er sich an den historischen Tag.

Gute Zusammenarbeit

Noch in den Jahren danach haben Stadt und Staatsbad versucht, Kurbetrieb und Fremdenverkehr unter einen Hut zu bekommen, doch eine Einigung wurde nie erzielt. Die Verhandlungen seien etwa im Jahr 1987 abgebrochen worden, erinnert sich Rieß. In den Folgejahren konnte "eher in kleinen Schritten und punktuell zusammengearbeitet werden." Trotzdem sei die Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung immer gut gewesen.

Als "sehr partnerschaftlich" beschreibt auch Kurdirektorin Andrea Schallenkammer die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Staatsbad. Seit über zehn Jahren liege das Gesamtmarketing in den Händen der Stadt. Dass die Verwaltungsstruktur wegen der zwei unterschiedlichen Stellen kommunal und staatlich schwierig ist, weißt sie nicht von der Hand. "Doch der Gast bekommt davon nichts mit, und das ist die Hauptsache."

Die Nähe zwischen den zwei Bädern Stadt und Staatsbad mit den verschiedenen Quellen sieht Schallenkammer heute als durchweg positiv. "Der Qualitätsanspruch durch beide Stellen bringt den Gesamtort weiter." Ihr Wunsch ist es, dass die regionale Nähe vielmehr als Vorteil denn als Nachteil gesehen wird. "Und wenn es Kritik gibt, dann sollte es konstruktiv gemacht werden," bittet die Kurdirektorin. Auch aus der städtischen Tourist Info heißt es auf Nachfrage, dass die aktuelle Lösung gut funktioniere.

Von der Quelle zum Bad

Die Quell-Bohrungen in der Stadt Brückenau zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Errichtung der Badehäuser waren grundlegende Bausteine auf dem Weg zum Bad.

1906 Erschließung der ersten Quelle "Siebener Sprudel" und Bau eines Badehauses. Zur gleichen Zeit wird erfolgreich die Georgi-Quelle gebohrt.

1910 Bau des zweiten Badehauses im Siebener Park. Danach wirtschaftliche Rückschläge durch den Ersten Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise.

1927 Bau des Freibades und vorläufiger Aufschwung

1932 Der Stadtrat beantragt, dass die Landesregierung der Stadt erlauben möge den Titel Bad (oder Mineralbad) führen zu dürfen. Der damalige Badkommissär Dr. Astel wusste diese Titelverleihung zu verhindern. Die gleiche Einstellung hatten auch seine Nachfolger.

1939 Die Stadt übernimmt den Siebener Sprudel.

1951 Vom Heilbäderverband wurde der Begriff "Heilbad oder Bad" abgelehnt, um Verwechslungen mit dem Staatsbad zu vermeiden.

1961 Gründung einer Interessengemeinschaft Bad Brückenau

1962 Bürger fordern ein gemeinsames Bad Brückenau .

1963 Das bayerische Innenministerium zeigt sich mit der Verleihung des Titels "Bad" an die Stadt einverstanden. Bis zur Verleihung der Urkunde dauert es noch sieben Jahre.

1970 Verleihung der Urkunde Bad Brückenau an die Stadt am 8. April

Quelle: Stadtarchiv Bad Brückenau

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