Bad Brückenau

Bad Brückenau: "Die Gefahr ist noch nicht gebannt"

Trotz Corona kehrt vielerorts Normalität ein. Doch für Krankenhäuser scheint das nicht zu gelten. Viele Patienten bleiben aus Angst vor einer Ansteckung zuhause. Das hat Auswirkungen.
Das Testzelt für Corona-Verdachtsfälle bleibt mindestens bis Jahresende im Hof der Capio Franz von Prümmer-Klinik stehen. Dr. Hans-Joachim Müller (links), Ärztlicher Direktor, und Verwaltungsdirektor Axel Busch bereitet der leichtfertige Umgang einiger Menschen mit Corona Sorge. Foto: Ulrike Müller       -  Das Testzelt für Corona-Verdachtsfälle bleibt mindestens bis Jahresende im Hof der Capio Franz von Prümmer-Klinik stehen. Dr. Hans-Joachim Müller (links), Ärztlicher Direktor, und Verwaltungsdirektor Axel Busch bereitet der leichtfertige Umgang einiger Menschen mit Corona Sorge. Foto: Ulrike Müller
| Das Testzelt für Corona-Verdachtsfälle bleibt mindestens bis Jahresende im Hof der Capio Franz von Prümmer-Klinik stehen. Dr.

Als Covid-19 in der Öffentlichkeit noch gar nicht richtig ernst genommen wurde, arbeitete die Capio Franz von Prümmer-Klinik Anfang Februar schon an einem Corona-Konzept. Am 12. März gab es den ersten Verdachtsfall. Seitdem übernimmt das Krankenhaus Corona-Tests und die Behandlung von Erkrankten in der Region.

Im Interview sprechen Dr. Hans-Joachim Müller, Ärztlicher Direktor , und Verwaltungsdirektor Axel Busch über die zurückliegenden Monate, die wirtschaftliche Situation und die Zukunft der Klinik nach dem Verkauf des Krankenhauses .

Saale-Zeitung: Seit dem Beginn der Pandemie blieben viele Betten für mögliche Corona-Patienten frei. Behandelt wurden aber nur vereinzelt Menschen. Was bedeutet die geringe Auslastung über Monate für das Krankenhaus wirtschaftlich?

Busch: Der Rettungsschirm für Krankenhäuser wirkt sich sicherlich in unterschiedlichen Krankenhäusern unterschiedlich aus. Für das Bad Brückenauer Krankenhaus war der finanzielle Ausgleich leerstehender Betten auskömmlich. Seit Juli gibt es aber nur noch 460 Euro pro Tag pro frei gehaltenem Bett, vorher waren es 560 Euro. Das ist nicht mehr auskömmlich, das muss man ganz klar sagen. Wir haben aber zur Zeit noch ein ganz anderes Problem.

Welches?

Busch: Wir merken, dass die Patienten nur noch sehr zögerlich ins Krankenhaus kommen. Wir können die Kapazitäten, die wir haben, nicht mehr füllen. Das betrifft alle Abteilungen.

Müller: Ich glaube nicht, dass die Menschen weniger krank sind. Es werden zum Beispiel 30 Prozent weniger Herzkatheter gelegt, heißt es in der Fachpresse. Nun kann man darüber diskutieren, ob jede Operation wirklich nötig ist. Aber viele Menschen sitzen aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, ihre Beschwerden zuhause aus. Das hinterlässt natürlich Schäden an ihrer Gesundheit.

Wie sieht es wirtschaftlich aus: Rechnen Sie mit einem Defizit?

Busch: In diesem Jahr bestimmt. Ich vermute, das geht anderen Krankenhäusern ganz genauso.

Müller: Ich kenne kein Krankenhaus aus meinem Umfeld, das aktuell nicht deutlich defizitär ist. Die kleinen Krankenhäuser hoffen alle, dass die Politik aus dieser Krise gelernt hat. Wir haben in Deutschland noch eine vernünftige Reserve. In Norditalien war das zum Beispiel nicht der Fall. Es gibt Bestrebungen, das Gesundheitssystem in Deutschland noch effektiver zu gestalten. Da geht es vor allem um Kosteneinsparungen. Dagegen sprechen wir uns ganz massiv aus.

Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Busch: Wir haben uns dafür entschieden, nicht Kurzarbeit anzumelden. Außerdem gibt es durchaus eine Diskussion darüber, ob Krankenhäuser , für die es ja schon einen Rettungsschirm gibt, überhaupt Kurzarbeit anmelden dürfen. Aber das macht natürlich etwas mit den Mitarbeitern. Etwa acht Wochen lang wurde nur ungefähr die Hälfte des Personals gebraucht.

War der Lockdown des gesamten Landes aus Ihrer persönlichen Sicht richtig, Dr. Müller?

Müller: Unbedingt. Bei solchen Aktionen muss man den Stecker ziehen und die Sache stoppen, auch wenn es für niemanden angenehm war. Das war die einzige gangbare Diskussion.

Aktuell zieht es die Menschen wieder in die Ferne. Viele sehnen sich nach Normalität. Ist das zu früh?

Müller: Corona ist nicht vorbei. Die Sorglosigkeit, die man bei manchen Menschen sieht, besorgt mich als Mediziner ungemein. Noch ist die Situation übersichtlich. Aber einige wenige so genannte Superspreader (engl. Superverbreiter) reichen. Die Gefahr ist noch nicht gebannt.

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Bad Brückenauer Krankenhaus zusammen mit drei anderen Kliniken der Capio-Gruppe zum 1. Oktober verkauft werden soll. Erst im Jahr 2018 übernahm der französische Krankenhaus-Konzern Ramsay Santé die Capio-Gruppe und damit auch die Prümmer-Klinik. Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Busch: Ich glaube, es wäre von meiner Seite aus vermessen, für alle Mitarbeiter sprechen zu können, was ich auch ausdrücklich nicht tue. Ich persönlich glaube fest daran, dass die Franz von Prümmer-Klinik gestärkt aus dem Prozess hervorgehen wird.

Der neue Eigentümer hat angekündigt, das Krankenhaus neu auszurichten. Nicht kostendeckende Leistungen sollen gestrichen werden. Bedeutet das das Aus für die Notaufnahme?

Busch: Da sich unser neuer Träger hinsichtlich der zukünftigen Klinikangebote mit dem bayerischen Staatsministerium abstimmen muss, können aktuell keine weiteren Aussagen zu einzelnen Leistungsangeboten der Klinik getroffen werden.

Sehen Sie die Zukunft des Klinikstandorts Bad Brückenau als gesichert an?

Busch: Dass der Standort eine Zukunft hat, steht für mich völlig außer Zweifel. Aber die Ausrichtung der Klinik ist offen.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Gesprächspartner

Axel Busch ist seit April Verwaltungsdirektor der Capio Franz von Prümmer-Klinik. Der Diplom-Kaufmann war bis September 2019 für verschiedene Tochter- und Enkelgesellschaften eines Krankenhauses der Schwerpunktversorgung tätig. So arbeitet er in leitender Funktion für eine Reha-Klinik , eine Fachklinik für dermatologische Berufserkrankungen, ein Medizinisches Versorgungszentrum sowie ein ambulantes OP-Zentrum.

Dr. Hans-Joachim Müller ist Ärztlicher Direktor der Capio Franz von Prümmer-Klinik. Im Oktober 2018 übernahm er die Abteilung Innere Medizin . Als Internist bringt er unter anderem Erfahrungen als Nephrologe (Nierenheilkundler) mit - ein Aspekt, der im Nierenheilbad Brückenau von besonderer Bedeutung ist. Von 2002 bis 2016 war Müller leitender Oberarzt der Nephrologie am Klinikum Fulda. Danach arbeitete er im KfH-Nierenzentrum in Heringen bei Bad Hersfeld.

297 Corona-Tests hat das Bad Brückenauer Krankenhaus seit Beginn der Pandemie durchgeführt. Davon fielen 23 positiv aus.

4 Patienten mit Covid-19 sind in der Prümmer-Klinik behandelt worden. Davon wurden drei zügig in andere Häuser verlegt.

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