Bad Brückenau

Bad Brückenau: Kehrseite des goldenen Herbstes

Viele Menschen freuen sich über Sonne und mildere Temperaturen. Durch den Klimawandel verlängert sich der Herbst, der Frühling kommt eher. Das aber hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Natur.
Malerisch zeigt sich der Herbst in den Wäldern um Bad Brückenau. Doch die milden Tage haben auch eine Kehrseite. Foto: Thomas Gerhard/www.foto-gerhard.de       -  Malerisch zeigt sich der Herbst in den Wäldern um Bad Brückenau. Doch die milden Tage haben auch eine Kehrseite. Foto: Thomas Gerhard/www.foto-gerhard.de
| Malerisch zeigt sich der Herbst in den Wäldern um Bad Brückenau. Doch die milden Tage haben auch eine Kehrseite. Foto: Thomas Gerhard/www.foto-gerhard.de

Franz Zang hat es keine Ruhe gelassen. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bundes Naturschutz stellte fest, dass die Sinn auf Höhe der Therme Sinnflut und der TV-Halle erschreckend wenig Wasser führt. Auch andere Bad Brückenauer wundern sich darüber. Erst beim Edeka , wo der Leimbach in den Wildbach mündet, fließt es wieder ordentlich.

Deshalb hat sich Zang die Zahlen, die das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen fortlaufend im Internet über den Wasserstand der Sinn veröffentlicht, genauer angeschaut. Sein Ergebnis: Flossen Mitte der 1990er Jahre noch durchschnittlich 55 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr die Sinn hinunter, nähert sich dieser Wert aktuell 40 Millionen Kubikmetern jährlich an (siehe Grafik).

Seit 17 Jahren zu trocken

"Die letzten Jahre waren trocken", bestätigt Mathes Limprecht. Er ist Hydrologe am Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen (WWA). Er sagt aber auch, dass Zangs Berechnungen nicht statistisch signifikant sind. Aus den Zahlen lässt sich nämlich nicht schlussfolgern, dass der Trend weiter nach unten geht, bis irgendwann überhaupt kein Wasser mehr in der Sinn fließt. Sobald es wieder einen feuchten Winter gäbe, würde der Pegel der Sinn wieder steigen, macht Limprecht klar.

Genau darauf hofft Leonhard Rosentritt, Behördenleiter des WWA. "Wir haben seit 17 Jahren ein Niederschlagsdefizit", sagt er. Er nennt drei Gründe für die Entwicklung: Erstens, es fehlt der Regen. Zweitens, die mittlere Jahrestemperatur steigt. Also verdunstet mehr Wasser . Und drittens sorgt der Klimawandel dafür, dass der Frühling eher kommt und der Herbst länger andauert.

Doch es ist der Winter, in dem das Grundwasser gespeist wird, weil die Pflanzen nicht wachsen und nur sehr wenig Wasser verbrauchen. "Normalerweise gibt es sechs bis sieben nasse Jahre und dann wieder trockene Jahre", beschreibt Rosentritt den Wechsel von feuchten und trockenen Perioden. In den vergangenen Jahren aber sei der Grundwasserpegel in der Region stetig gesunken. Aus dem Grundwasser aber speist sich auch die Sinn.

"Wo kommt in Zukunft das Wasser für die Sinn her?", fragt sich Zang. Er fordert, Regenwasser versickern zu lassen, anstatt es in die Kanalisation einzuleiten. Deshalb ermutigt er die Bürger, Zisternen und so genannte Rigolen - Anlagen, mit denen Regenwasser in den Boden geleitet wird -, zu bauen. Doch das ist teuer.

Regen versickern lassen

"Die Leute unterschätzen, was bei ihnen auf dem Dach ankommt", sagt Zang. Rosentritt gibt ihm Recht: "Jeder Tropfen, den man zum Versickern bringt, ist ein guter Tropfen." Deshalb empfehle das WWA den Bau solcher Anlagen in Neubaugebieten. Vereinzelt machen Bad Brückenauer Bürger das schon, gibt Michael Garhamer, Leiter der Stadtwerke, Auskunft. Doch die Regel sei das nicht.

Es gibt bei den Stadtwerken einen gesplitteten Abwassertarif. Wer Regenwasser nicht ins Kanalnetz einleitet, muss weniger bezahlen. Doch im Jahr spare ein Haushalt, der beispielsweise eine Dachfläche von 50 Quadratmetern hat, zwischen 25 und 30 Euro. Damit lässt sich die Investition einer Rigole oder Zisterne nicht refinanzieren.

Diskussion ums Abwasser

"Die Tarife müssten so gestaltet sein, dass es attraktiv ist", verdeutlicht Zang, dass nur eine andere Preispolitik das Problem lösen könne. Vom gesplitteten Abwassertarif profitieren übrigens auch die Unternehmen am Buchrasen und die Märkte in der Kissinger Straße. Sie leiten Regen direkt in den Röthbach oder die Sinn ein und müssen so weniger bezahlen. Dass dieses Wasser allerdings nicht im Boden versickert und ins Grundwasser gelangt, sondern einfach wegfließt, kritisiert Zang deutlich.

Es gibt noch einen lokalen Aspekt: Die Rhönallianz denkt über eine zentrale Behandlung des Abwassers aus dem Sinngrund nach. Wildflecken, Oberbach und Riedenberg bräuchten dann keine eigenen Kläranlagen mehr. Die Sinn bliebe bis Trübenbrunn kurz vor Hessen frei von Einleitungen geklärten Abwassers . Bisher ergaben Berechnungen, dass das Kanalnetz der Stadt Bad Brückenau nicht groß genug ist, um alles Abwasser aus dem Oberen Sinngrund aufnehmen zu können.

Würde allerdings der Regen nicht mehr in großem Stil - von Gewerbeflächen, Straßen oder der Rhön-Kaserne - in der Kanalisation ankommen, sagt Zang, wäre die Situation anders. Momentan wartet die Allianz auf neue Berechnungen. Dann wollen die Kommunalpolitiker eine Entscheidung treffen.

Um das Trinkwasser macht sich der Stadtwerke-Chef indes keine Sorgen: "Wir haben ein super Wasser in Bad Brückenau ." Die Stadtwerke pumpen das Wasser aus drei Brunnen bei Römershag nach oben, die 70 Meter tief sind. Den Verbrauch der Bürger oder auch die Trockenphasen in der Natur spüre er beim Grundwasser überhaupt nicht, sagt Garhamer.

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