Bad Brückenau

Bad Brückenau: Wie steht es um die Integration?

Immer weniger Asylbewerber kommen in den Landkreis Bad Kissingen. Deshalb fährt die Caritas ihr Beratungsangebot in Bad Brückenau zurück. Doch die Ehrenamtlichen können nicht alles auffangen.
Regassa Shiferaw arbeitete während seiner Ausbildung als Krankenpflegehelfer in der Capio Franz von Prümmer Klinik. Foto: Julia Raab
Regassa Shiferaw arbeitete während seiner Ausbildung als Krankenpflegehelfer in der Capio Franz von Prümmer Klinik. Foto: Julia Raab

Es ist ruhig geworden um die Flüchtlinge in Bad Brückenau . Doch es gibt noch etliche Menschen in der Region, die große Hoffnungen auf eine Zukunft in Deutschland setzen. Regassa Shiferaw beispielsweise arbeitet während seiner Ausbildung zum Krankenpflegehelfer in der Capio Franz von Prümmer Klinik. Vorher hangelte er sich von Praktikum zu Praktikum. Im Jahr 2004 kam er nach Deutschland und wohnt seitdem in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Er wartet noch immer auf den Abschluss seines Asylverfahrens.

Diese Hürde hat Familie Alsuleiman schon geschafft. Die Gemeinschaftsunterkunft hat sie hinter sich gelassen und wohnt nun in der Stadt. Als kürzlich die Gäste aus den beiden Partnerstädten Ancenis und Kirkham Bad Brückenau besuchten, nahmen die Alsuleimans einen Franzosen bei sich auf. "Für mich war das das größte Highlight", erzählt Maja Kirchner. Der Kontakt kam zustande, weil der Vater den Deutschunterricht besucht, den Kirchner einmal pro Woche in der evangelischen Friedenskirche anbietet. Die Alsuleimans sprechen kein Französisch, sagt Kirchner. Verständigt worden sei sich mit Händen und Füßen.

Der Deutschunterricht findet deshalb in der Kirche statt, weil hier seit mehr als einem Jahr ein junger Syrer im Kirchenasyl lebt. "Gemäß des Dublin-Abkommens sollte er nach Bulgarien abgeschoben werden. Dort war er aber im Gefängnis", erklärt Kirchner, warum sich die Gemeinde zu diesem Schritt entschlossen hatte. Wenn er diesen Schutz nicht einbüßen möchte, darf er das Gebäude nicht verlassen. Einkaufen, medizinische Versorgung, Unterstützung bei der Anwältin - das alles leisten sechs bis sieben Ehrenamtliche im Hintergrund.

Seit einigen Wochen aber kommt Kirchner kaum noch zum Unterrichten. Der Grund: Daniela Schad, Flüchtlingsbetreuerin des Caritasverbands für den Landkreis Bad Kissingen, ist gekündigt worden. 35 Stunden pro Woche stand sie den Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers beratend zur Seite. Nun bringen die Menschen amtliche Schreiben zu Kirchner. "Was möglich ist, versuchen wir abzufangen", sagt die junge Frau. Sie erzählt aber auch, dass das "Beamtendeutsch" selbst sie als Lehrerin an ihre Grenzen bringe.

Stundenkontingent gekürzt

Hintergrund für die Kürzung ist das bayerische Integrationsgesetz. Die Zuweisung staatlicher Gelder für die Beratung von Flüchtlingen richtet sich nach der Zuweisung von Menschen. Inzwischen kommen aber deutlich weniger Asylbewerber in den Landkreis Bad Kissingen als noch in den Jahren 2014 und 2015, erklärt Anne Hilpert, Leiterin des Caritasverbands für den Landkreis Bad Kissingen. Zum Jahreswechsel habe die Caritas daher eine Beraterstelle einsparen müssen. Schad war immerhin noch bis Juni vor Ort.

"Wir bedauern sehr, dass wir die Stelle kürzen mussten", sagt Hilpert. "Wir erleben, dass in einem Flächenlandkreis wie Bad Kissingen eine nachhaltige Integration dadurch deutlich erschwert wird." Verschärft sei die Situation dadurch worden, dass eine weitere Kollegin aus persönlichen Gründen ausgeschieden sei. Nun werde nur noch alle zwei Wochen ein Flüchtlingsberater der Caritas nach Volkers kommen, sagt sie.

Es sei aber im Gespräch, über die katholische Pfarrei ehrenamtliche Strukturen aufzubauen, um in Zukunft zumindest einen wöchentlichen Rhythmus anbieten zu können, stellt Hilpert in Aussicht. In Volkers werde es aber keine offene Sprechstunde mehr geben, ergänzt Jessica Müller, Integrationslotsin für den Landkreis Bad Kissingen bei der Caritas . Ein Termin könne telefonisch unter Tel.: 0971/ 7246 9200 vereinbart werden. Auch anerkannte Asylbewerber , die nicht mehr in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen, können das Angebot nutzen.

"Wir sind ja froh, wenn überhaupt jemand kommt", sagt Petra Wissen aus Volkers. Ausreichend sei das aber nicht. Früher, als es noch einen Helferkreis für die Gemeinschaftsunterkunft in Volkers gab, brachte sich Wissen schon für die Flüchtlinge ein. Aktuell gibt sie noch dreimal pro Woche Deutschunterricht. Fünf Frauen aus Somalia, darunter eine Analphabetin, kommen regelmäßig. Im vergangenen Jahr gab es noch zwei Sportangebote, eines für Frauen und eines für Männer. Beide wurden aber inzwischen wegen mangelnder Beteiligung eingestellt, berichten Petra Wissen und Maja Kirchner.

Aktuell sind 65 Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers gemeldet. Von den dezentralen Einrichtungen im Altlandkreis Bad Brückenau ist nur noch ein Haus in Zeitlofs bewohnt. Die Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen in einem Gebäude der Awo im Kalkgrund lief schon im Laufe des vergangenen Jahres aus, berichtet Sabine Preisendörfer, Leiterin des Willy-Brandt-Hauses. Bis Mai 2019 hätten noch deutsche Jugendliche dort gelebt. Nun befindet sich nur noch die Tagespflege im Haus am Ende der Straße.

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