Bad Brückenau

Bad Brückenau: Zu wenig Pflegeplätze im Kurstift?

Bewohner sollen keinen Platz auf der hauseigenen Pflegestation bekommen haben. Tatsächlich sind nur 25 der 43 Pflegebetten belegt. Doch dahinter steckt mehr als nur der Fachkräftemangel.
Das Bild zeigt den Innenhof der neuen Pflegestation des Kurstifts. Der Anbau wurde im Juli 2016 eingeweiht. Aktuell sind alle der 16 Einzelzimmer belegt. Foto: Archiv/Ulrike Müller       -  Das Bild zeigt den Innenhof der neuen Pflegestation des Kurstifts. Der Anbau wurde im Juli 2016 eingeweiht. Aktuell sind alle der 16 Einzelzimmer belegt. Foto: Archiv/Ulrike Müller
Das Bild zeigt den Innenhof der neuen Pflegestation des Kurstifts. Der Anbau wurde im Juli 2016 eingeweiht. Aktuell sind alle der 16 Einzelzimmer belegt. Foto: Archiv/Ulrike Müller

Es sind oftmals Gerüchte, die eine Stadt aufwühlen können. Das Kurstift - die Wohnanlage für Senioren mit 17 Etagen ist in der Stadt weithin sichtbar - soll für Bewohner im Pflegefall keinen Platz auf der Pflegestation bereitstellen. Dabei wurde erst im Juli 2016 eine neue Station mit 16 modern eingerichteten Einzelzimmern eingeweiht. Zusammen mit den alten Zimmern gibt es seither 43 Pflegeplätze im Haus - theoretisch. Denn nur 25 davon sind aktuell belegt.

In einem Leserbrief wandte sich Sieglinde Leiding unlängst an die Öffentlichkeit. Seit 26 Jahren lebt sie im Kurstift, war zwischenzeitlich Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt . "Unsere Pflege-Abteilung kann mich bei einem Akut-Fall nicht aufnehmen", schreibt sie darin. Die Angst der Bewohner klingt durch: Sollte der Pflegebedarf eines Tages stark zunehmen, müssten sie am Ende ihrer Lebenszeit womöglich andernorts einen Pflegeplatz suchen und ihr vertrautes Zuhause verlassen.

Ehrenbürger ist enttäuscht

Darüber hinaus ist in der Stadt zu hören, dass schon einzelne Bewohner in größere Städte gezogen seien, weil im Kurstift kein Platz mehr auf der Pflegestation gewesen sei. Auch Ehrenbürger Walter Schöpfner ist enttäuscht : Bereits 2011 hatten seine Frau und er sich um ein Zimmer gekümmert, schildert der 87-Jährige. Als es nun aber soweit war, kam die bittere Erkenntnis: "Meine Frau hätte nicht auf der Pflegeabteilung aufgenommen werden können", sagt er.

"Das Kurstift ist für mich das Beste gewesen, das es in ganz Deutschland gibt", erzählt er. Als Taxi-Fahrer habe er das Hochhaus immer verteidigt, wenn sich Gäste verwundert über den ungewöhnlichen Anblick im Sinntal geäußert hätten. "Das Kurstift ist kein Kurstift mehr", sagt er jetzt. "Es ist ein Altenheim ."

Mobiler Pflegedienst im Haus

Hans-Karl Diederich, übergangsweise Geschäftsführer des Kurstifts, kennt die Kritik. "Wir wollen natürlich im Hinblick auf die Zukunft unseren Bewohnern die Möglichkeit geben, hier im Haus gepflegt zu werden", betont er. Er bestätigt Erzählungen, nach denen zwei Bewohner nach Berlin beziehungsweise Würzburg gezogen seien. Dies sei aber der Wunsch der Angehörigen gewesen, sagt er. So könnten diese ihre Eltern häufiger besuchen.

Was Walter Schöpfner angeht, so stellt der Geschäftsführer klar: "Auf die spätere Frage hin, ob denn für seine Ehefrau ein Pflegeplatz zur Verfügung stünde, haben wir ihm mitgeteilt, dass der nächst freiwerdende Pflegeplatz seiner Frau zur Verfügung gestellt werden kann." Im Kurstift gibt es darüber hinaus einen mobilen Pflegedienst . Selbst Bewohner mit Pflegegrad vier würden im eigenen Apartment versorgt. Das ist die zweithöchste der insgesamt fünf Stufen, in denen der Pflegebedarf seit 2017 eingeteilt wird.

Im Herbst klagte Diederich gemeinsam mit anderen Heimleitern über den Mangel an Pflegepersonal. Damals waren immerhin noch 28 von 43 Pflegeplätzen belegt. Doch die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt sei nicht der einzige Grund für leerstehende Pflegebetten im Haus. Neben der neuen Pflegestation, die voll ausgelastet ist, gibt es nämlich noch einen alten Pflegebereich. Dort stehen insgesamt 27 Betten in Einzel- und Mehrbettzimmern zur Verfügung, von denen nur neun belegt sind. 13 bis 14 dieser Apartments sollen demnächst saniert werden, kündigt der Geschäftsführer an.

Zimmer sollen saniert werden

Die Pläne liegen schon auf seinem Schreibtisch, sagt er. Auch umfangreiche Arbeiten im Bereich Brandschutz stünden an. Es mache keinen Sinn, alle Pflegebetten zu belegen, wenn klar sei, dass die Menschen nach kurzer Zeit wieder umziehen müssten. Auch deshalb würden - neben der schwierigen Suche nach Fachkräften - Pflegeplätze frei bleiben, macht er deutlich.

Diese Pläne sind nicht neu. Schon bei der Präsentation der neuen Pflegestation im Januar 2016 war in einem Artikel dieser Zeitung die Rede davon, den alten Pflegebereich umzubauen und 22 weitere moderne Pflegeplätze zu schaffen. Warum sich das Ganze verzögert hat, kann Diederich nicht beantworten. Eine Umsetzung der aktuellen Bauvorhaben noch in diesem Jahr erscheint seinen Worten zufolge auch eher unwahrscheinlich zu sein.

Wie viele Pflegeplätze weniger es nach dem Umbau genau sein werden, ist ebenfalls noch unklar. Und da schließt sich der Kreis wieder: Denn was nützen viele Pflegeplätze, wenn es an Fachkräften fehlt, die sich um die Menschen kümmern?

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