Bad Kissingen

Bad Kissingen begeistert vom Wortverdreher Willy Astor

Erst mitdenken, dann lachen: Mit seinen Sprachspielereien steht er seit über 30 Jahren auf der Bühne.
Willy Astor auf der Bühne des Kurtheaters. Foto: Klaus Werner
Willy Astor auf der Bühne des Kurtheaters. Foto: Klaus Werner

Klaus Werner

Willy Astor "Jäger des verlorenen Satzes"

"Im-po-sant" oder "Op-ti-mis-mus" - die Silbentrennung des Dudens als Lachnummer, "Profi-Lachse" erkennbar an ihrer Rücknummer, die Kräuterfrage "Ham sie an Dill do" musikalisch aufbereitet - Willy Astors Wortspielereien sind nicht nur im Radio und im TV ein Hit, sondern waren es auch auf der Bühne im ausverkauften Kissinger Kurtheater.

"Humor direkt vom Erzeuger - und das seit über 30 Jahren" - mit diesem Nebensatz blickt Astor fast schon melancholisch auf drei Jahrzehnte generationenübergreifenden Erfolgs zurück und die Grundlagen dieses Erfolgs stecken in zwei Aktenordnern, die zwischen zahlreichen Utensilien auf einem kleinen Tischchen liegen. Sauber in Prospekthüllen eingetütet sind darin die Wortverdrehungen, die Lieder, die Geschichten als Fundus archiviert, aus dem der Münchner Kabarettist und Liedermacher den Abend gestaltet. Das sind mehr als nur die Stücke für sein Programm mit dem Titel "Jäger des verlorenen Satzes", das ist ein Ausschnitt aus seinem Lebenswerk, auf das er in der 30-minütigen Zugabe zugreift, die er liebevoll als "Kür" ankündigt und in der er nochmals in seine amüsante, schelmenhafte, aber auch tiefsinnige Schatzkiste voller Wortakrobatik greift.

"Hallo Bad Kissingen - mein Lieblingsort in Mittelfranken!" - natürlich weiß Willy Astor, wo das Staatsbad liegt, aber aufgrund seiner Auftrittstour durch den "Nahen Osten" - also Sachsen, Sachsen-Anhalt und beim Weimarer Zwiebelfest - kann man schon mal in ein geographisches Dilemma hineinschlittern, aus dem man sich mit einem schmunzelnden "Ich wollt nur mal testen, ob ihr noch wach seid" befreit.

Der Münchner Wortverdreher fühlt sich wohl auf der Kissinger Bühne, lobt das Ambiente des Kurtheaters - und das Publikum gleich mit. Das wiederum erfreut sich nicht nur am "Programm für Wortgeschrittene", sondern auch am sympathischen Auftreten des Kabarettisten. In Jeans, mit T-Shirt und einer authentischen Natürlichkeit hat er das Publikum schnell auf seiner Seite und unterhält es unter anderem mit einer Geschichte, deren gefühlt 500 Wörter alle mit dem Buchstaben "A" beginnen, oder einem Hiphop, der die Vollpension im Hotel Mama im Refrain "Pubatier Inda House" konterkariert.

Zwischen autobiographischen Anekdoten hält er ein "islamisches Handy" hoch, dessen Antenne beschnitten ist, das nach dem Aufladen auf dem Display " Bin Laden " anzeigt und dessen Display verhüllt ist, zeigt auf einem Karton ein gemaltes "blindes Q", erkennbar an der gelben Armmanschette mit drei schwarzen Punkten, oder kombiniert eine Reiseerzählung mit bekannten Whisky-Sorten. Mal erfreut er mit einer Mitmach-Nummer, in die das Publikum Vornamen sinngemäß eingesetzt werden sollen - was meist gelingt -, mal überrascht er mit einer WG-Story, in die er zahlreiche Schauspieler-Namen integriert.

Willy Astor Genre ist weniger das Kabarett , vielmehr ist er ein phantasievoller Geschichtenerzähler und schlitzohriger Wortverdreher. Vieles ist dabei eher sinnfreie Unterhaltung, bei der jedes Wort, jeder Satz verfremdet ist und die sich über das limbische System im Gehirn unmittelbar an das Zwerchfell richtet. Gelegentlich sind Astors Worteskapaden so verzwickt, dass die gedankliche Verarbeitung erst mit zeitlicher Verzögerung zur gewünschten Lach-Reaktion führt.

Mehr Zeit lässt er den aufmerksamen Zuhörern bei seinen Liedern, die er mit brillanter Fingerfertigkeit auf der Gitarre begleitet. Auch hier trifft man auf seine Wortspielereien, wenn er bekannte Lieder mit neuen Texten ausschmückt und aus "Life is Life" der Band Opus die Viagra-Konsequenz "Steif ist steif" wird oder Fischers "Atemlos" auf "Lappenlos durch die Nacht" umgedichtet wird und den Führerscheinentzug karikiert. Natürlich dürfen Evergreens wie "Maschin scho putzt" nicht fehlen. Die begeisterten Gäste bedankten sich mit herzlichem Gelächter, spontanen und fulminanten Schlussapplaus und Astor wünschte ihnen Freud´sche Erkenntnis: "Entdeckt das innere Kind wieder!" - auch mit Hilfe seiner Texte und seiner Musik.

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