Bad Kissingen

Bad Kissingen: Clevere Oma punktet gegen Enkeltrickbetrüger

"Enkel" will nach Unfall 25 000 Euro: So versuchte die Bad Kissingerin (72) dem Kriminellen eine Falle zu stellen
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Die Person hinter der Stimme von Anna O. stellt man sich so vor: Groß, aufrecht, klar, bestimmt, klug, gewitzt und humorvoll. Anna O. ist nicht der richtige Name der 72 Jahre alten Bad Kissingerin, aber die Geschichte, die sie zu erzählen hat, ist zum einen wahr und zum anderen bestätigt sich die Vermutung: Diese frühere Lehrerin ist - Achtung! - nicht auf einen Enkeltrickbetrüger hereingefallen. Im Gegenteil, sie wollte dem Kerl sogar eine Fall stellen.

Anna O. erzählte diese Geschichte am Telefon. Hier ist sie, fast unbearbeitet:

"Wissen Sie, es war am Freitag vergangener Woche. Am Tag danach musste ich meinen Mann beerdigen, der Betrüger kam also wirklich just in time, wenn ich so sarkastisch sein darf. Ich war ein wenig k.o. und hatte mich aufs Sofa gelegt. Kaum war ich eingeschlafen, klingelte das Telefon. Ich war wirklich noch ein wenig schläfrig, als ein junger Mann mich fröhlich mit ,Hallo Oma !' begrüßte.

Und was mache ich, noch nicht ganz wach im Kopf? Ich sage ganz blöd: ,Ach, Nils, du bist es.' Damit wusste er natürlich, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Und tatsächlich hätte der Anrufer von der Stimme und vom Alter her auch als Enkel gepasst. Dann fragte er: , Oma , wie geht es dir?' - und da wusste ich es: Kein Enkel hätte mir diese Frage einen Tag vor der Trauerfeier für den Opa gestellt. Das war ganz klar ein Betrüger .

Er wollte erst 25 000 Euro

Er sprach weiter: ,Stell dir vor, was mir passiert ist: Ich bin an einer Ampel auf einen Wagen aufgefahren. Wenn ich jetzt nicht sofort 25 000 Euro zahle, muss ich ins Gefängnis.' Ja, ich war zunächst ein bisschen irritiert, fing aber dann schnell an, mich ob der Dreistigkeit zu amüsieren. Ich sagte: ,Ach, das ist ja bedauerlich und wirklich schlimm.' Er: ,Kannst du mir helfen?' Klar konnte ich das! Ich sagte ihm, dass ich das Geld hätte. Und zwar hier zuhause, es sei ja immer besser, so viel Geld zuhause zu haben. Die Ironie hat der gar nicht begriffen.

Betrüger wurde dreist

Ja, und dann wollte er natürlich das Geld sofort abholen. Da habe ich geflunkert: Ich hätte Besuch, es sei mir jetzt nicht recht, er solle doch bitte um 19 Uhr kommen. Dann wurde der junge Mann noch dreister: ,Ich höre gar keinen Besuch!' Ich hab dann weiter abgewiegelt und gesagt, der Besuch sei im Untergeschoss - aber ich bin dabei geblieben, dass er das Geld erst abends abholen könne. Schließlich fragte "der Enkel " mich, ob ich ihn verscheißern wolle - das hab ich natürlich vehement abgestritten. Er legte dann mit den Worten auf, er melde sich später erneut.

Dann wollte er 45 000 Euro

Natürlich habe ich sofort die Polizei angerufen - die Nummer des Anrufers wurde leider nicht auf meinem Display angezeigt. Eine Beamtin sagte, die Betrüger hätten wohl Lunte gerochen und würden sich nicht mehr melden. Jedoch - kaum hatte ich das Telefonat mit der Polizei beendet - , rief der junge Mann wieder an! Und diesmal erzählte er mir, dass er eben noch einmal mit der Polizei gesprochen habe - und jetzt bräuchte er 45000 Euro. Es täte mir unendlich leid, habe ich ihm gesagt, da könne ich ihm nun nicht mehr helfen, denn er habe sicherlich Verständnis dafür, dass alte Leute so viel Geld ja wohl nicht haben, und dass ich folglich dabei bliebe: Abends um 19 Uhr könne er 25 000 Euro abholen. Ich hatte gespannt gehofft, dass ich dem Kerl eine Falle stellen könne und die Polizei ihn schnappt.

Er legte auf, ich rief wieder die Polizei an, die dieses Nachkarteln und das hohe Maß an Dreistigkeit dann auch ungewöhnlich fand. Die Beamtin riet mir, damit ich Ruhe hätte, sollte ich ihm bei einem nächsten etwaigen Anruf sagen, dass ich die Polizei informiert hätte.

Und tatsächlich: Er rief wieder an. Ich erzählte, dass ich sein Begehren der Polizei gemeldet hätte - und dieser Betrüger fragt auch noch allen Ernstes: ,Warum das denn'?

Jung, um die 20, sehr gutes Deutsch

Als ich dann auflegte, habe ich versucht, mir seine Stimme einzuprägen. Jung, so um die 20, er sprach ein sehr gutes Deutsch ohne grammatikalische Fehler. Allerdings hatte er lediglich einen leichten Akzent: Er sagte ,Isch' statt ,Ich', das war das einzig Auffällige. Ich habe keine Ahnung, warum er mich ausgewählt hat. Nein, ich habe keine Traueranzeige geschaltet, aus der hervorgeht, dass ich jetzt alleinstehende Witwe bin. Ich vermute eher, dass der Kerl meinen altmodischen Namen im Telefonbuch gesehen und gedacht hat: Bei diesem Vornamen muss die Frau alt, klapprig und nicht mehr ganz auf der Höhe sein. Da hat er sich aber glücklicherweise getäuscht."

Zwei neue Fälle

Aktuell teilt die Polizei mit, dass viele Senioren Opfer dreister Enkeltrickbetrüger werden.

Am Mittwochmorgen, 30. September 2020, erhielt eine Rentnerin aus Thundorf einen Anruf ihrer vermeintlichen Enkelin , die 30 000 Euro von ihr benötigen würde. Nachdem die Rentnerin laut Polizei mitteilte, dass in der Gemeinde die Bank erst am Freitag wieder geöffnet sei, war das Gespräch beendet.

Gegen 15 Uhr erhielt dann eine Seniorin aus dem Stadtteil Arnshausen einen Anruf einer vorgetäuschten Verwandten, die in einer finanziellen Notlage wäre und 15 000 Euro benötigen würde. Das Gespräch war, nachdem die Seniorin mitteilte, dass sie ihrer angeblichen Enkelin kein Geld geben könne, ebenfalls schnell beendet.

Tipps der Polizei

Da es in vergangener Zeit vermehrt zu Enkeltrick-Anrufen kam, bittet die Polizeiinspektion Bad Kissingen bei solchen Anrufen besonnen zu reagieren und nicht auf die Geldforderungen einzugehen. Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, ohne sich mit dem Namen zu melden. Raten Sie nicht, wer am Telefon ist, sondern lassen Sie sich dessen Namen und Vornamen sagen.

Schreiben Sie sich die Telefonnummer auf, die in Ihrem Display angezeigt wird. Gehen Sie bei einem Anruf mit finanziellen Forderungen nicht drauf ein. Legen Sie sofort auf und nehmen Sie anschließend Rücksprache bei Ihren Familienangehörigen . Geben sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Informieren Sie sofort die Polizei , wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt, unter der Notrufnummer 110.

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