Bad Kissingen

Bad Kissingen: Die Auflösung des Fördervereins Gesundheitszentrum ist beschlossen

Vorstand und Mitglieder haben einstimmig das Aus des Fördervereins Gesundheitszentrum besiegelt. Die meisten Angebote sind aber gerettet.
Projektleiterin Elisabeth A. Dichtl (rechts) organisiert auch in Zukunft die Bad Kissinger Gesundheitstage, allerdings nicht mehr für den Förderverein Gesundheitszentrum, sondern unter dem Dach von Laboklin. Hier sprach sie mit Yong-Chul Singer Bayrle vom Paracelsus-Krankenhaus Bad Liebenzell. Ralf Ruppert/Archiv
Projektleiterin Elisabeth A. Dichtl (rechts) organisiert auch in Zukunft die Bad Kissinger Gesundheitstage, allerdings nicht mehr für den Förderverein Gesundheitszentrum, sondern unter dem Dach von Laboklin. Hier sprach sie mit Yong-Chul Singer Bayrle vom Paracelsus-Krankenhaus Bad Liebenzell. Ralf Ruppert/Archiv

Kaum war Sabine Hein im April Vorsitzende des Fördervereins Gesundheitszentrum, hat sie schon an dessen Auflösung arbeiten müssen: Bereits im Juli holte sie sich auf Grund der finanziellen Schieflage das Einverständnis des Vorstandes ein, den Verein abzuwickeln, Ende August wurden vier der fünf Mitarbeiter entlassen und Ende September die Geschäftsstelle geschlossen. Nun haben zunächst der Vorstand und dann die 49 Mitglieder in nichtöffentlichen Sitzungen jeweils einstimmig die Auflösung des Vereins zum Jahresende beschlossen. "Ich freue mich, dass wir da noch mit erhobenem Kopf und vor allem ohne Insolvenz rausgekommen sind", zieht Hein Bilanz.

Nachforderungen noch möglich

"Wir können alle Gläubiger ordentlich bezahlen", betont Sabine Hein, die seit fünf Jahren Verwaltungsleiterin der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau ist und erst vor gut zwei Jahren in den Vorstand des Fördervereins gewählt wurde. Ihr sei besonders wichtig gewesen, dass keine Schulden und Enttäuschungen bleiben. Deshalb freue sie sich auch, dass die Mitarbeiter gleich wieder einen neuen Job gefunden haben.

Der Auflösungsbeschluss geht nun laut Hein über einen Notar ans Vereinsregister. Trotz der Auflösung zum Jahresende sei noch für ein Jahr ein Liquidator bestellt, bei dem Gläubiger offene Forderungen anmelden könnten. Allerdings habe sie versucht, alle bekannten Schulden zu bezahlen. "Das war mir besonders wichtig." Zudem verfüge der Verein noch über einen kleineren Betrag, um anstehende Kosten, etwa für den Steuerberater oder das Vereinsregister, zahlen zu können. "Wenn dann in einem Jahr noch etwas übrig ist, geht es laut Satzung an den Hospizverein", berichtet Hein.

Zu den Gläubigern gehörte auch Markus Staubach, der 18 Jahre lang für den Förderverein Gesundheitszentrum Pflege-Kurse leitete. "Ich bin froh, dass diese Fach-Kompetenz erhalten bleibt", freut er sich, dass der Bereich Gesundheitsakademie am Rhön-Saale-Gründerzentrum weitergeführt wird. Der Landrat habe den Kontakt vermittelt, Staubach spricht von "guten Verhandlungen", die bereits Früchte getragen haben: Im Oktober fand das erste "Refresher-Seminar für Praxisanleiter" statt, vor kurzem hat ein neuer Kurs "Praxisanleiter in der Pflege" begonnen. "Es ist zum Glück keiner abgesprungen", freut sich Staubach, dass die 14 bereits angemeldeten Bewerber den Wechsel vom Förderverein ans Gründerzentrum mitmachten. Das bewährte Referententeam vermittelt in sieben Block-Wochen und einer Praxisphase mit insgesamt 320 Unterrichtsstunden bis Juli 2020 das notwendige Wissen. Für kommenden November sei bereits der nächste Kurs geplant. "Uns ist wichtig, dass die Angebote hier am Standort erhalten bleiben", begründete Geschäftsführer Matthias Wagner die Übernahme des bereits fest etablierten Angebots.

Erst vor kurzem sei auch eine endgültige Lösung für die Hygieneakademie gefunden worden: Der Hygiene-Experte Prof. Dr. Gerhard Hücker von "Admanum" in Kelkheim habe unter anderem die Domain www.hygieneakademie.de übernommen und plane Angebote für Bad Kissingen . Sabine Hein versuchte nach eigenen Worten in zahlreichen Verhandlungen, aus den Marken noch Erlöse für den Förderverein herauszuholen.

Wichtigstes Aushängeschild des Vereins waren jedoch die jährlichen Gesundheitstage mit rund 20 000 Besuchern. Dass die 23. Auflage im kommenden Jahr stattfinden kann, liegt vor allem am Engagement von Laboklin-Inhaberin Elisabeth Müller : Sie übernahm kurzerhand Projektleiterin Elisabeth A. Dichtl. Für 24. bis 26. April 2020 sind nun die Gesundheitstage in der bisherigen Form geplant. Für die Gesundheitstage ab dem Jahr 2021 will Elisabeth Müller ein neues Konzept erarbeiten und mit Partnern und Ausstellern besprechen.

Die einzige Säule des Fördervereins Gesundheitszentrum, die wegfällt, ist die Kinder- und Jugendakademie Saaletal, die bereits Ende 2018 aufgelöst worden war, weil die Nachfrage stetig zurückging. Dagegen sollen die Kinder-Schwimmkurse im Hallenbad weiter stattfinden. Im Familienprogramm bot der Verein außerdem zum Teil von Krankenkassen geförderte Kurse für Familien mit Kindern und Menschen jeden Alters an. Viele dieser Kurse übernahm die Volkshochschule.

Defizit zu groß für Verein

Laut Sabine Hein haben vor allem schärfere gesetzliche Vorgaben und mehr Konkurrenz zum Aus des Fördervereins beigetragen: Der Rhön-Campus in Bad Neustadt oder das Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt bieten zum Beispiel verstärkt Kurse an. Und: Ein gemeinnütziger Verein dürfe keine Rücklagen bilden und sei deshalb nicht in der Lage, finanzielle Probleme wie bei den diesjährigen Gesundheitstagen auszugleichen.

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