Bad Kissingen

Bad Kissingen Gerichtsurteil: Unschuld bekundet, Strafe folgte dennoch

Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls standen Vater und Tochter vor Gericht. Verurteilt wurden sie schließlich zu einer Bewährungsstrafe mit Auflagen.
Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mussten sich ein Mann und seine erwachsene Tochter vor dem Amtsgericht Bad Kissingen verantworten.       -  Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mussten sich ein Mann und seine erwachsene Tochter vor dem Amtsgericht Bad Kissingen verantworten.
Foto: SymbolVolker Hartmann/dpa | Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mussten sich ein Mann und seine erwachsene Tochter vor dem Amtsgericht Bad Kissingen verantworten.

Mit zwei Verteidigern waren ein Vater und seine erwachsene Tochter vor Gericht erschienen, wo sich beide wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu verantworten hatten. Doch trotz ausführlicher Unschuldsbekundung des Vaters und Schweigsamkeit der Tochter wurden beide zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung mit Auflagen verurteilt.

Beiden hatte der Staatsanwalt vorgeworfen, im Herbst vergangenen Jahres nahe ihres Wohnorts aus einer abseitigen Hütte eine Motorsäge sowie ein akkubetriebenes Baustellenradio gestohlen zu haben.

Während die Tochter von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machte, schilderte ihr Vater engagiert und ausführlich den Vorgang aus seiner Sicht. Demnach war sein Untermieter, der immer mal für Tage oder Wochen verschwindet, wieder einmal unterwegs. Am bewussten Abend habe er an der auf Sichtkontakt stehenden Hütte Licht gesehen und dort seinen Bekannten vermutet. "Wir haben uns Sorgen um ihn gemacht." Deshalb seien beide im Auto zur Hütte gefahren.

Säge und Radio ins Auto geladen

In deren offener Tür habe er die Motorsäge und das Radio gefunden, die er als sein Eigentum zu erkennen glaubte in der Annahme, sein Untermieter habe beides aus der eigenen Garage mitgenommen. Deshalb habe er Säge und Radio ins Auto geladen.

Der Hüttenbesitzer, der als Zeuge vor Gericht aussagte, versicherte, am Donnerstag sei die Hütte wie immer verschlossen gewesen, aber am Samstag habe das Vorhängeschloss gefehlt. Da auch Säge und Radio fehlten, habe er sich in der Nachbarschaft umgehört, tatsächlich Beobachter des vermeintlichen Diebstahls gefunden und deshalb am Dienstag Anzeige erstattet, wobei er der Polizei beide entwendeten Gegenstände genau beschrieb.

Nach Befragung der Tatbeobachter konnte die Polizei über das beschriebene Auto schnell dessen Besitzer, den jetzigen Angeklagten , ausmachen. Auf eine Hausdurchsuchung konnte die Polizei verzichten, da der Beschuldigte - so die Aussage eines Polizisten vor Gericht - auf Nachfrage der Beamten ihnen sofort die beiden Gegenstände in der Garage zeigte. Er habe angenommen, es seien die eigenen, da er mehrere Motorsägen und auch ein Baustellenradio habe, dessen Vorhandensein in der Garage der Polizist vor Gericht bestätigte.

"Seltsame und lebensferne Situation"

Nach Anhörung des Untermieters und der Zeugen , die den Wagen des Angeklagten bei Hin- und Rückfahrt beobachtet und das Entladen der Gegenstände durch Vater und Tochter vor dem Haus des Beschuldigten aus der Ferne beobachtet hatten, sah der Staatsanwalt den Sachverhalt des gemeinschaftlichen Diebstahls bestätigt und forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit dreijähriger Bewährungsfrist für beide Angeklagten sowie zusätzlicher Bewährungsauflage von 1000 Euro. Die zweifelhafte Schilderung des Angeklagten , die Gegenstände als eigene erkannt zu haben, nannte er eine "seltsame und lebensferne Situation".

Die Verteidigung

Der Verteidiger des Vaters forderte einen Freispruch, denn "in dubio pro reo" müsse man von der Unschuld des Angeklagten ausgehen. Sein Mandant habe geglaubt, der Untermieter habe auf seiner Tour durch die nahen Wäldern das Radio zur Unterhaltung und die Motorsäge zur Herstellung von Feuerholz aus der eigenen Garage mitgenommen. "Ich habe Zweifel am Diebstahl ", meinte er abschließend, denn der Angeklagte habe Säge und Radio nicht versteckt, sondern den Polizisten sofort in seiner Garage gezeigt.

Auch der Verteidiger der Tochter forderte für seine Mandantin einen Freispruch: "Sie hat nur im Auto gesessen." Hier sei kein strafrechtlicher Tatbestand gegeben.

Freiheitsstrafe mit zweijähriger Bewährungsfrist

Das sah die Richterin allerdings ganz anders. In Abweichung zur Forderung des Staatsanwalts verurteilte sie beide Angeklagten allerdings nur zu vier Monaten Freiheitsstrafe mit zweijähriger Bewährungsfrist, da beide zuvor nie strafrechtlich in Erscheinung getreten sind.

Als Bewährungsauflage erhielt der krankheitsbedingt arbeitslose Vater eine Strafe von 60 Arbeitsstunden, die Tochter mit regelmäßigem Einkommen eine Geldstrafe von 1000 Euro.

Widersprüchliche Aussagen

Die Aussagen sowohl des Angeklagten als auch die Entlastungsaussage seines Untermieters seien widersprüchlich und unglaubwürdig gewesen. "Wenn ich Ruhe im Wald suche, nehme ich keine Motorsäge mit."

Zudem habe eine Zeugin Vater und Tochter beim Ausladen der Gegenstände beobachtet. Spätestens beim Einlagern im häusliche Regal hätte dem Angeklagten auffallen müssen, dass seine Geräte dort noch vorhanden sind, die anderen deshalb nicht seine eigenen sein können. "Ich bin davon überzeugt, dass Sie beide diese Gegenstände entwendet haben."

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