Bad Kissingen

Bad Kissingen: Malen mit verbunden Augen

Larissa Zehe zeichnet gern mit Bleistift und Malkreide - besonders gern auf Zeitungspapier. Da werden Bilder und Überschriften ins Kunstwerk integriert. Porträts zeichnet sie auch mal , ohne beim Malen hinzusehen.
Larissa Zehe malt und zeichnet besonders gern auf Zeitungsseiten. Foto: Thomas Ahnert       -  Larissa Zehe malt und zeichnet besonders gern auf Zeitungsseiten. Foto: Thomas Ahnert
| Larissa Zehe malt und zeichnet besonders gern auf Zeitungsseiten. Foto: Thomas Ahnert

Auch wenn sie schon im Kindergarten gerne gezeichnet hat und Abbildungen aus Kunstbänden abgemalt hat, bevor sie überhaupt lesen konnte - so etwas wie freischaffende Künstlerin wollte Larissa Zehe nicht werden. Trotzdem ist die Malerei ein wichtiger Teil ihres Lebens geworden. Als die heute 27-Jährige 2013 in ihrer Heimatstadt Münnerstadt ihr Abitur abgelegt hatte, spielte sie schon mit dem Gedanken, sich bei Akademien und Kunsthochschulen zu bewerben.

Doch dann war sie ein Jahr krank, und wandte sich anschließend - und vorübergehend - der Sozialarbeit zu. Aber dann entschied sie sich anders: Sie absolvierte eine Ausbildung zur Ergotherapeutin . Sie hatte den Beruf schon früh kennen gelernt, weil sie schon in jungen Jahren viel Zeit in Krankenhäusern verbringen musste. Da durfte sie oft ihr Bett nicht verlassen, lag des Öfteren in einem Fixateur: "Ich musste halt aufpassen, dass ich nicht aus dem Bett falle." Aber malen und zeichnen konnte und durfte sie immer. Da hat sie auch von medizinischer Seite immer viel Unterstützung erfahren.

Mehr über sich selbst erfahren

Und so wurde Larissa Zehe auch schnell klar, welche Fachrichtung sie in der Ergotherapie einschlagen wollte: die Kunsttherapie. Sie begann die entsprechende Fortbildung und musste sie auch nicht unterbrechen, wenn sie mal wieder selbst in die Klinik musste. "Das hat mir auch selbst enorm viel gebracht", sagt sie, "weil man, indem man kreativ tätig wird, sehr viel über sich selbst erfährt."

Und sie fand auch schnell ihre Maltechniken . Eine große Staffelei verbot sich natürlich in den Klinikzimmern, aber die großen Ölschinken waren auch nicht das, was sie wollte. Sie zeichnet vor allem, mit Bleistift, mit Malkreide, und sie hat auch schon einige Aquarelle gefertigt. Was sie gerne macht, ist zeichnen mit Bleistift oder Malkreise auf bedrucktem Zeitungspapier - nicht nur weil das ein fast unerschöpfliches und handliches Format ist.

"Ich schaue mir die Seiten an und überlege, ob und wozu sie mich inspirieren." So kann schon mal ein großer Baum zur Haarpracht eines Kopfporträts werden oder eine durchscheinende Überschrift das Gezeichnete kommentieren.

Eine Ausstellung

Und was sie auch gerne macht, ist das Porträtmalen mit verbundenen Augen. Natürlich schaut sie sich die Gesichter genau an. Aber wenn sie die Grundzüge zu Papier bringt, sieht sie dabei nichts, ist ganz auf ihre Erinnerung - und natürlich auch Treffsicherheit - angewiesen. "Die Feinheiten mache ich dann natürlich wieder mit Sichtkontrolle."

Larissa Zehe war schon überrascht, als sie vor Kurzem von Kathrin Baier-Buttler, der Inhaberin der kürzlich neu eröffneten "Weinmanufaktur" an der Balthasar-Neumann-Promenade, angesprochen wurde, ob sie nicht in ihrem Restaurant eine Ausstellung machen wolle. Sie plane eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel "ARTDINNER", einer Kombination von Kunst in der Form von Malerei oder Musik und einem mehrgängigen Gourmet-Menü aus regionalen Quellen und natürlich in Verbindung mit den passenden Weinen. Klar, dass Larissa Zehe zusagte, denn ein Angebot für eine Ausstellung bekommt man nicht alle Tage.

Und so stellte sie für die Präsentation im Gastraum im Obergeschoss der Manufaktur eine Auswahl von 20 Bildern zusammen - von der ersten Zeichnung , die sie in einem Buch wiedergefunden hat, einem Hasen, der das Vorbild Dürers nicht verleugnen kann, über das Aquarell einer bolivianischen Frau mit ihrem Kind und zwei Zeichnungen auf Zeitungen bis hin zu "Verkopft". Das sind sechs im Blindverfahren gezeichnete Selbstporträts im Picasso-Stil, die trotz - oder wegen - der starken Reduzierung der Striche enorm aussagekräftig sind.

Ein besonderes Schmankerl des Dinners: Während die Gäste aßen und tranken, arbeitete Larissa Zehe: Sie malte. Sie hatte sich einen Stapel Zeitungen geben lassen und schaute ihn durch, ob Anregungen dabei waren. Vielleicht war's die Schlagzeile "Bequem sitzen", die ihre Entscheidung beeinflusste. Auf diesem Blatt zeichnete sie mit großer Konzentration, unbeeindruckt von Geschirrklappern und Gläserklirren und Gesprächen, ein großformatiges Porträt.

Versteigert für den guten Zweck

Der Clou an der Sache: Das Bild wurde zum Abschluss des Abends versteigert. Den Erlös wollte Larissa Zehe für einen sozialen Zweck spenden: "Das Geld bekommt die Neuro-Kinderchirurgie der Universitätsklinik Würzburg. Das war die erste Klinik, in der ich operiert wurde.". Die Spannung war groß, das Mindestgebot, weil man vorsichtig sein wollte, mit 50 Euro eher niedrig, ebenso der Erhöhungsschritt von 20 Euro. Aber Kathrin Baier-Buttler brauchte einen langen Atem. Erst nach 62 Überbietungen konnte sie den Hammer dreimal fallen lassen. Für 1310 Euro wechselte das Bild den Besitzer.

Die Ausstellung kann in der "Weinmanufaktur" zu den üblichen Öffnungszeiten (täglich ab 14 Uhr) bis Ende Oktober besichtigt werden.

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