Bad Kissingen

Bad Kissingen: Suche nach der besten Führung für den Landkreis

Mehr als 400 Zuschauer nahmen die drei Kandidaten beim Wahlforum von Main-Post und Saale-Zeitung zur Landratswahl unter die Lupe. Die schlugen sich wacker.
Einmal Daumen hoch, zweimal Daumen runter - in einer Schafkopfrunde beschäftigten sich die Kandidatin und die Kandidaten bei der Landratswahl auch mit politischen Fragen.
Foto: Steffen Standke | Einmal Daumen hoch, zweimal Daumen runter - in einer Schafkopfrunde beschäftigten sich die Kandidatin und die Kandidaten bei der Landratswahl auch mit politischen Fragen.

Was für eine fiese Aufgabe: Da sollten die drei Landrats-Kandidaten (und ein Mitspieler) sich beim Wahlpodium von Main-Post und Saale-Zeitung auf ihre Schafkopfrunde konzentrieren, viele Stiche machen – und dabei knifflige Fragen zur Landkreis-Politik mit Daumen hoch oder Daumen runter beantworten. Das alles unter den Blicken von über 400 Zuschauern. Amtsinhaber Thomas Bold (CSU) und die Herausforderer Manuela Rottmann (Grüne) und Thomas Menz (SPD) meisterten die Aufgabe. Es war nicht die einzige am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle Oberthulba.

Die Moderatoren Benedikt, Susanne Will und Siegfried Farkas hatten viele Fragen zu Landkreis-Themen vorbereitet: zum öffentlichen Nahverkehr, zur E-Mobilität, der digitalen Infrastruktur. Zum Fachkräftemangel, der Kinderbetreuung und Gesundheitsvorsorge, zum Klimawandel und einigem mehr.

Erstmal zur Prüfung in die Schule

Da wie bei jedem Menschen das Leben bei Landrats-Kandidaten mit Lernen beginnt, wurden sie nach einer kurzen Begrüßung erstmal in die Schule geschickt. Die „Prüfer“ Borst und Farkas fragten Daten und Fakten zum Landkreis Bad Kissingen ab; „Protokollantin“ Will notierte die Punktezahl. Die zwölf Fragen waren nicht ohne. Wer weiß schon, welches Gemäuer älter ist: Trimburg oder Schloss Saaleck (mit der Trimburg lagen alle drei falsch)? Ganz sicher waren sie, dass der FC Fuchsstadt der ranghöchste Fußballklub im Landkreis ist. Und dass Münnerstadt 1641 vor den Schweden errettet wurde. Bald stand fest: Amtsinhaber Bold verfügt über das (vermeintlich) breiteste Landkreis-Wissen. Rottmann und Menz folgen gleichauf.

Nach dieser amüsanten Runde ging es an die „harten“ Themen. Manuela Rottmann will den ÖPNV nicht nur über einen niedrigeren Preis, sondern auch über besser abgestimmte Fahrzeiten voranbringen und mit Angeboten der Bahn koppeln. Thomas Menz möchte den ÖPNV attraktiv halten, sonst gehe er ein. Thomas Bold findet ihn schon jetzt nicht so schlecht, wie er oft gemacht werde. Das Angebot müsse mit dem Bedarf zusammenpassen.

Manchmal blitzte es zwischen den Kandidaten

Beim Thema E-Mobilität und wann die alle im Landkreis zur Verfügung haben, „blitzte“ es erstmals zwischen Bold und seiner Herausforderin. Und zwar bei der Frage, wo die Energie herkommen soll. Rottmann möchte den Bedarf vor Ort decken. „Ich will die Verantwortung für das, was wir hier verbrauchen, selbst übernehmen.“ Bold und Menz sahen – wie sie – Elektro nicht als einzige Lösung an. Wasserstoff müsse hinzukommen. Der Landrat verblüffte mit der Idee, über Solarstrom erzeugten Wasserstoff für mit dieser Technologie fahrende Autos aus Afrika einzuführen. Rottmann lehnt das ab.

Beim Ausbau der digitalen Infrastruktur sehen Bold und Menz das Problem darin, dass bei den Tiefbauunternehmen Kapazitäten für den Netzausbau fehlen. Für Rottmann wurden „in der Zeit vor 2020 Fehler gemacht“. Förderprogramme seien zu kleinteilig gewesen. Die Bündelung der Bemühungen im Landratsamt findet sie gut.

Fachkräfte und günstiger Wohnraum

Nach Pause und Bücherauswahlrunde sprachen die Moderatoren den Fachkräftemangel an. Thomas Bold verwies auf die Bemühungen des Landkreises, ihn „aus der Region heraus“ zu beheben, so über die Akademie für soziale Berufe in Maria Bildhausen und ein Berufsbildungsnetzwerk. Rottmann glaubt, dass nicht wie früher nur Männer, sondern verstärkt Frauen darüber entscheiden, in welche Region man zieht. Sie fordert eine stärkere Profilierung Richtung ökologischen Bauens und Sanierens.

Thomas Menz stellte die Vorteile des Landkreises für Arbeitskräfte heraus: Gesundheitszentren, im Vergleich zu den Ballungszentren günstigen Wohnraum in der Fläche. Während Bold und der SPD-Mann die Standortkampagne des Landkreises verteidigten, kritisierte Rottmann sie.

Neue Aufgabe für die Kommunen

Die Kinderbetreuung sah der Landrat außer in der Kreisstadt und teilweise in Hammelburg als „weitgehend gut“ an. Engpässe bei den Kitas fange der Landkreis auf. Rottmann pflichtete ihm bei. Die Bundestagsabgeordnete sieht aber die „Betreuung für Grundschulkinder als neue Aufgabe für die Kommunen“. Sie forderte eine Professionalisierung. Die Anforderungen an die Träger würden größer; die Grenzen dessen, was Ehrenamtliche leisten könnten, seien erreicht. Menz regte eine zweiwöchige, vom Landkreis getragene Ferienbetreuung an.

Kontrovers ging es wieder zu bei der Gesundheitsversorgung. Während der Landrat die Privatisierung der Kliniken in Hammelburg und Bad Brückenau im Sinne der Standortsicherung verteidigte, kritisierten Menz und Rottmann nun fehlende Einflussmöglichkeiten. Während und nach der Schafkopf-Runde ging es um die Vision einer Bahntrasse von Schweinfurt durch den Landkreis nach Fulda. Während Bold dafür den Daumen hob und eine „hervorragende Erschließung nach Norden“ erwartet, sah Rottmann die Idee kritisch. Falls und ehe die Verbindung in unbestimmter Zeit komme, müsse der ÖPNV besser werden.

Eissporthalle: Landrat gegen Beteiligung

Interessant auch, dass der Landrat den Kreis nicht finanziell am Betrieb der Kissinger Eissporthalle beteiligen will, falls die zurückerworben werde. Die beiden Gegenkandidaten stimmten dafür.

Dissens gab es bei der letzten Frage: „Wird der Landkreis im Jahr 2032 klimaneutral sein.“ Bold hält das für schwierig; aber man könne seinen Beitrag und Anstöße leisten – was schon über den Bau von Windrädern passiere. Menz will die Menschen der Region mitnehmen, weil die Wende sonst nicht funktioniere. Rottmann formulierte es radikal. „Es muss sein; sonst ist es auch egal“ und meinte die drohende Klimakatastrophe.

Bemerkenswert: Die allermeisten Besucher hatten schon zu Beginn einen klaren Favoriten für ihre Wahlentscheidung. Am Ende hatte nur ein Zuschauer seine Entscheidung revidiert; zwei bis drei schwankten. Der Rest sah sich in seinem Votum bekräftigt.

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