Bad Kissingen

Bad Kissinger Arzt sagt: "Eine Minute Lachen ersetzt zehn Minuten Joggen"

Lachen ist gesund, heißt es immer. Doch was passiert beim Lachen im Körper? Ein Bad Kissinger Chefarzt gibt Antworten.
Dr. Hans-Peter Selmaier, Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld, lacht selbst gern und häufig. Petra Balling
Dr. Hans-Peter Selmaier, Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld, lacht selbst gern und häufig. Petra Balling

Einige sagen, die Faschingszeit sei die tollste im Jahr. Und andere meinen dazu, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Egal wie: Lachen gehört zum Leben, nicht nur an Fasching, und wer deshalb in den Keller geht, ist bei den meisten Menschen nicht wohl gelitten. Nur: Was macht das Lachen eigentlich mit dem Körper ? Das erklärt Dr. Hans-Peter Selmaier. Er ist Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld.

Was passiert im Körper , wenn wir lachen?

Dr. Hans-Peter Selmaier: Dadurch werden Glücksbotenstoffe im Gehirn aktiviert. Zu ihnen gehört vor allem das Dopamin, daneben noch das Serotonin. Beide Stoffe sind hilfreich gegen Angst und Depressionen.

Aber das ist doch die Krux: Wer Angst oder Depressionen hat, der lacht ja auch seltener.

Vollkommen richtig. Es ist auch eine Aufgabe des Therapeuten, den Patienten sanft in Richtung Humor zuführen. Das kann man natürlich nicht erzwingen, aber wenn man einen Patienten kennt, darf man ruhig Humor haben und ihn auch zeigen, um den Patienten etwas aus der Reserve zu locken. Das nennt sich provokativer Therapiestil. Der sollte allerdings nicht zu heftig sein. Er sollte dem Wohl des Patienten dienen und nicht dem Sadismus des Therapeuten.

Sie scheinen Humor zu haben.

Aber ja doch! Dabei werden Stresshormone abgebaut, zu denen gehören Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol.

Und diese Griesgrame machen uns das Leben schwer?

Ja, das tun sie - aber wir brauchen sie auch. Wenn diese drei Stoffe allerdings ständig ausgeschüttet werden weil wir zu viel Stress haben oder uns keine Pausen leisten, dann führt das ins Burnout. Das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung muss passen.

Und dagegen hilft auch Lachen?

Ja. Lachen hat den selben Bewegungseffekt wie Sport. Eine Minute Lachen ersetzt zehn Minuten Joggen.

Sie veräppeln mich!

Wirklich, ich konnte es selbst kaum glauben, aber das kommt mir sehr entgegen, ich bin nämlich kein Jogger. Und eine Minute Lachen wirkt wie 45 Minuten Entspannung.

Woran liegt das? Was passiert da im Körper ?

Das vegetative Nervensystem hat zwei Zügel: Sympathikus und Parasympathikus. Der Sympathikus ist für den Antrieb da, der Parasympathikus dämpft her. Wenn wir lachen, schaltet das vegetative Nervensystem um, der Mensch entkommt dem Stresskreislauf, da der unterbrochen wird, wenn der Parasympathikus einsetzt.

Hilft es da auch, das Gesicht lediglich zu einem Lachen zu verziehen?

Nein, so eine chinesische Maske nutzt da gar nicht. Ein Pseudolachen wirkt da eher negativ.

Dann schicken Sie Ihre Patienten doch ins Kabarett!

Tatsächlich war Therapie früher eine ganz, ganz ernste Sache, da war Lachen verpönt. Jetzt hilft Humor unseren Therapeuten in der Arbeit. Allerdings wird der Patient dabei nicht verlacht und es werden auch keine Witze gemacht, die abwertend gedeutet werden könnten. Dass Humor erhebend wirkt, wusste auch schon Sigmund Freud .

Wie lässt sich denn die wohltuende Wirkung des Lachens messen?

Wir, beziehungsweise die Lachforschung...

...die gibt es?

Ja, die Gelotologie, wir wissen, dass sich der Blutdruck senkt, wenn Menschen oft lachen.

Aber das geht ja nur durch äußere Reize - oder warum kann man sich selbst nicht kitzeln

Neurologen glauben, herausgefunden zu haben, warum: Wenn uns die eigene Hand berührt, berechnet das Hirn den Zeitpunkt des Kontakts mit der Haut und dämpft die Nervensignale, die vom berührten Körperteil ausgesendet werden.

Hat sich eigentlich schon mal jemand totgelacht?

Auch wenn der Blutdruck zunächst beim Lachen in die Höhe geht, gibt es noch keinen, der an einem Herzinfarkt in Folge von herzhaftem Lachen gestorben ist. Allerdings soll es Todesfälle unter Folter gegeben haben.

Lachen als Folter?

Ja. Zunächst. Man band den Menschen fest, schmierte ihm Salz an die Fußsohlen und ließ das von der rauen Zunge einer Ziege ablecken. Zunächst war es eine fürchterliche Tortur, das Kitzeln und die damit zusammenhängende ständige Muskelanspannung beim Lachen auszuhalten. Später allerdings treten dann die Schmerzen in den Vordergrund: Wenn die Füße wundgeleckt waren und die Folterknechte weiter Salz in die offenen Stellen rieben. Aber wie gesagt: Am normalen Lachen ist noch keiner wegen des Blutdruckanstiegs gestorben.

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