LKR Bad Kissingen

Bäder warten auf ihre Wiedereröffnung

Seit 17. März müssen Thermal-, Schwimm- und Freibäder im Landkreis geschlossen bleiben. Das bereitet Defizite. Die lange Schließzeit könnte zum noch größeren Problem werden.
In der KissSalis-Therme ruht der Bade- und Saunabetrieb. Stattdessen schleifen Arbeiter die Beckenköpfe der Innenbecken ab. Foto: Natascha Kiesel       -  In der KissSalis-Therme ruht der Bade- und Saunabetrieb. Stattdessen schleifen Arbeiter die Beckenköpfe der Innenbecken ab. Foto: Natascha Kiesel
In der KissSalis-Therme ruht der Bade- und Saunabetrieb. Stattdessen schleifen Arbeiter die Beckenköpfe der Innenbecken ab. Foto: Natascha Kiesel

Die Becken leer und verwaist, stattdessen wuseln Arbeiter an den Anlagen; der Lärm von Flex- und Reinigungsgeräten zerschneidet die Luft: Die KissSalis-Therme in Bad Kissingen präsentiert sich derzeit ungewohnt. Revision und Instandhaltung statt Bade- und Saunabetrieb. Die Corona-Krise trifft die Thermal-, Schwimm- und Freibäder im Landkreis hart.

"Die Bäder", sagt KissSalis-Betriebsleiter Richard Pucher, "sind nicht stärker gefährdet als andere Bereiche." Überall werde auf Keimfreiheit geachtet; der Luftaustausch sei groß. Aber es hilft nichts: Noch darf weder seine Therme , noch ein anderer Badebetrieb in Deutschland aufmachen. Zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen zu nahe kommen und das Corona-Virus weitergeben.

Bis 3. Mai bleibe die Therme inklusive Gastronomie definitiv zu, sagt Pucher, Danach gebe es neue Informationen. "Ich gehe nicht davon aus, dass danach wieder auf ist."

Also bleiben - abgesehen von der derzeitigen Erweiterung der Saunalandschaft - nur "abschnittsweise Revisionen". Dafür bleibt nun mehr Zeit als sonst. Normalerweise läuft der Betrieb das ganze Jahr über durch; nur am 24. und 25. Dezember bleibt KissSalis geschlossen. Und im Sommer ist es dort etwas ruhiger.

Die Therme nuten Menschen aus der nahen und weiteren Umgebung, Touristen und Kurgäste. Wobei erstere laut Pucher "den größten Teil" ausmachen. Dann folge der "gesundheitstouristische Gast" und zu einem geringen Teil Rehabilitanden. Die würden ihre Anschlussheilbehandlung meist in den Kissinger Kliniken antreten; sie besucht die KissSalis höchstens während freier Stunden.

Zu betriebswirtschaftlichen Zahlen kann der Betriebsleiter nichts sagen. Dafür verweist er auf die Bad Kissinger Stadtwerke, den Eigentümer der Therme . Als deren Partner und Betreiber fungiert Kannewischer Collection, mit fünf weiteren Thermen-Standorten in Deutschland. Leider blieb eine entsprechende Anfrage an die Stadtwerke unbeantwortet.

Wie die KissSalis bleibt auch eine weitere Therme im Landkreis, die Sinnflut in Bad Brückenau, seit 17. März dicht. Betrieben wird das Thermalbad von den örtlichen Stadtwerken. Deren Geschäftsführer Michael Garhammer sieht die Schließung natürlich nicht gern. Derzeit herrsche in der Sinnflut "ruhender Betrieb". Das bedeute nicht, dass im Bad gar nichts geschehe. Sowohl Wasser- als auch Raumtemperatur seien aber abgesenkt.

Doch selbst im Energiesparmodus seien die Verluste höher als im laufenden Betrieb, so Garhammer. Dieser bringe zwar größere Kosten mit sich. Doch aktuell fehlen die Einnahmen aus Eintritt und Bewirtung, die das Defizit beträchtlich drücken würden. Der Stadtwerke-Chef spricht von "einer Million Euro", die die alte und sanierungsbedürftige Anlage im Normalbetrieb pro Jahr einfahren würde. In Zeiten von Corona rechnet Garhammer mit noch mehr Defizit, das die Stadtwerke abfangen müssten. Das hänge von der Länge der Schließung ab (Die Stadt gibt allerdings auch Zuschüsse).

Einerseits wünscht sich der Geschäftsführer, "dass die Politik sich zu einer klaren Aussage durchringt", zum Beispiel , dass Thermen und Bäder bis Herbst geschlossen bleiben. "Dann würden wir den Betrieb einstellen und die Sinnflut 'einmotten'."

Andererseits hofft Garhammer, dass die Therme nicht zu lange zu bleibt. "Bei zwei bis drei Monaten passiert noch nichts. Aber wenn sich de Schließung über ein halbes Jahr hinzieht, werden die Touristen wegbleiben." Zwar baue das Bad auf 50 bis 60 Prozent Stammkunden unter den jährlich mehr als 150000 Gästen, die nach seiner Überzeugung auch wiederkommen werden. Aber viele Touristen suchten der Erfahrung nach gezielt nach einem Schwimmbad , bevor sie sich für ein Urlaubsziel entscheiden würden. "Für die Stadt Bad Brückenau und ihre Umgebung wäre es ein schwerer Malus (Rückschlag, Nachteil, d.R.), wenn die Touristen wegblieben."

Michael Garhammer könnte auch mit einer eingeschränkten Besucherzahl in der wieder geöffneten Sinnflut leben. Das berge gerade im Sommer Vorteile: Die potenziellen Badegäste würden sich nicht unkontrolliert an Flüssen und Seen begegnen.

Zurück nach Bad Kissingen. Dort sollte das Terrassenschwimmbad am 8. Mai in die Sommersaison starten. Was äußerst unwahrscheinlich erscheint. Aber auch das Hallenbad ist seit 17. März geschlossen. Beide städtischen Einrichtungen, die von den Stadtwerken als 100-prozentiger Tochter der Stadt betrieben werden, stellen Zuschussgeschäfte dar. Beim Terrassenbad lief im vergangenen Jahr ein Defizit von 677 866 Euro (inklusive Servicebetrieb) auf (2018: 536 227 Euro). Beim Hallenbad waren es 2019 Verluste von 222 188 Euro (2018: 201 441 Euro) .

Ob der derzeitige "Betrieb im Grundaufwand", mit Pflege der Anlagen und Erfüllen der hygienischen Anforderungen mehr Geld als ein normaler Betrieb kostet, kann der städtische Pressesprecher Thomas Hack nicht sage. "Das können wir erst Ende des Jahres kalkulieren." Beim Terrassenschwimmbad schwankten die Einnahmen ja immer etwas - je nach Wetter.

Aktuell prüft die Stadt laut Hack eine neue Sonderregelung, nach der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, also auch die der städtischen Bäder, in Kurzarbeit geschickt werden können. Einen Imageverlust befürchtet der Pressesprecher für beide nicht. "Das Terrassenschwimmbad ist keine primär touristische Einrichtung. Und andere Bäder haben ja auch zu."

Im Hammelburger Saaletalbad laufen - wie anderswo - "vorgezogene Revisionsarbeiten", informiert auf Nachfrage Anja Binder, Geschäftsführerin der betreibenden Stadtwerke der Weinstadt. Nach der Schließung am 17. März sei "das Schwimmbad geregelt in den Stand-by-Modus heruntergefahren" worden. "Bis 24. April wurden Revisionsmaßnahmen im Saaletalbad in Eigenleistung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgezogen und Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt." Es seien Überstunden abgebaut und Urlaub eingebracht worden.

"Aufgrund der fehlenden Umsatzerlöse durch die Schließung hat die Stadtwerke Hammelburg GmbH für ihren Bäderbereich auf das Mittel der Kurzarbeit zurückgreifen müssen", berichtet Binder weiter. Das gelte seit 26. April. Ein Team sei gebildet worden, dessen Mitarbeiter abwechselnd im Saaletalbad den sicheren Betrieb und Erhalt der Anlage gewährleisten würden. Sie bearbeiten auch das Betriebs- und Organisationshandbuch und betreuen die Auszubildenden.

Pro Monat Betriebsschließung entgehen den Stadtwerken Hammelburg rund 45 000 Euro Umsatzerlöse. "Die Zahlungen für die Schwimmbadnutzung durch die Vereine und die Schulen wurden auch eingestellt, da eine Belegung des Bades nicht möglich ist."

Das Freibad in Maßbach verursacht laut Verwaltungsleiter Frank Mauer "aktuell nahezu keine Kosten". Eigentlich würde es im Mai und bei wärmeren Temperaturen eröffnet. Eigentlich.

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