Bad Kissingen

Barrierefreie Modellstadt

 Bad Kissingen beteiligt sich an einem Programm des Freistaates. Die Öffentlichkeit wird am 21. Oktober informiert und beteiligt.
Bad Kissingen — Die gute Nachricht zuerst: Bad Kissingen hat schon so viel für Barrierefreiheit getan, dass die Stadt von der Regierung als Modellkommune "Bayern barrierefrei 2013" ausgewählt wurde. Die nicht so gute Nachricht: Es gibt noch unzählige Schwachstellen.
Letzteres haben Architekt Thomas Wieden und weitere Mitarbeiter des Würzburger Büros Dr. Holl festgestellt. Im Auftrag der Stadt machen sie derzeit eine Bestandsaufnahme in Sachen Barrierefreiheit.
Untersucht wird der öffentliche Raum, angefangen von Straßen und Kreuzungen über Park- und Spielplätze, öffentliche Gebäude und Schulen bis hin zu Privathäusern, in denen beispielsweise Arztpraxen untergebracht sind.
"Es geht uns nicht darum, bis in die letzte Ecke der Gebäude vorzudringen", sagt Wieden, aber: "Man muss gut hineinkommen können." Und man sollte in öffentlichen Gebäuden auf barrierefreiem Wege einen Ansprechpartner finden können. Bei Privatgebäuden machen die Tester dagegen an der Türschwelle halt.

Positivbeispiel Finanzamt

Als positives Beispiel nennt Wieden in seinem Zwischenbericht das Finanzamt: "Dort wurde alles berücksichtigt, was machbar ist." Wobei es laut Wieden zahlreiche Objekte gibt, die zwar rollstuhlgerecht sind, in denen blinde Mitbürger aber keine Chance haben.
Bei der Untersuchung durchgefallen sind dagegen sämtliche Buswartestellen bis auf jene, die gerade an der Unteren Saline fertig gestellt wird. Auch der Berliner Platz ist laut Wieden alles andere als behindertengerecht.

Leitlinien in den Anlagen fehlen

In den Kuranlagen sieht der Architekt ebenfalls Handlungsbedarf, auch wenn dort die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. "Leitlinien für Blinde fehlen, wassergebundene Wege sind für Rollstuhlfahrer nur schwer zu befahren, Bänke häufig zu niedrig."
Nach der Bestandsaufnahme wird das Büro Dr. Holl in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Verbänden und dem Behindertenbeauftragten der Stadt, Bernhard Schlereth, ein Konzept entwickeln. Auch die Öffentlichkeit wird mit einbezogen. "Die Handlungsempfehlungen werden bis Ende des Jahres vorliegen", sagt Wieden.
Behindertenbeauftragter Bernhard Schlereth ist begeistert, dass Bad Kissingen als Modellstadt ausgewählt wurde. Er erinnert an die die vielen älteren und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkten Menschen, die hier wohnen oder zu Gast sind. Außerdem könne Bad Kissingen das Prädikat barrierefreie Modellstadt auch als Aushängeschild nutzen.

Problem Öffentlicher Nahverkehr

Schlereth war von Anfang an mit einbezogen, auch bei der Vorstellung des Projektes in München. Prioritäten sieht er vor allem im öffentlichen Nahverkehr. "An den Bushaltestellen und am Berliner Platz muss etwas geschehen", sagt er. Auch der Bahnhof hätte es nötig. Die Bahnsteige seien zu niedrig, behindertengerechte Toiletten fehlten.
Dass die Stadt für den Untersuchungsbericht nur rund 650 Euro ausgeben muss, den Rest von 25 000 Euro übernimmt der Staat, betont Stadtplaner Wolfgang Russ. Und auch künftig wird sich das Programm für Bad Kissingen auszahlen. Die Regierung wird ein Förderprogramm für Maßnahmen zur Barrierefreiheit auf die Beine stellen. "Dann werden die Modellkommunen als erstes bedient", sagt Russ.

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