Bad Kissingen

Biber nagen an Staatsbad-Bäumen

Biber sind kleine Helfer, denn sie säubern die Uferböschungen von Gehölz und Wildwuchs. Doch manchmal wagen sie sich auch an dicke Bäume.
Baumpfleger Martin Brandt kontrolliert an einer alten Fichte die Fraßspuren eines Bibers. Foto: Sigismund von Dobschütz       -  Baumpfleger Martin Brandt kontrolliert an einer alten Fichte die Fraßspuren eines Bibers. Foto: Sigismund von Dobschütz
Baumpfleger Martin Brandt kontrolliert an einer alten Fichte die Fraßspuren eines Bibers. Foto: Sigismund von Dobschütz

Es sind nicht die ersten Spuren gefräßiger Biber an ufernahen Bäumen entlang der Fränkischen Saale zwischen dem Gradierbau und dem Campingplatz. Doch vor zwei Wochen entdeckte Fachagrarwirt Martin Brandt, Spezialist für Baumpflege bei der Staatsbad GmbH, ungewöhnliche Fraßspuren an einer alten Fichte nahe dem Preußensteg.

Solche Fraßspuren sind zur jetzigen Zeit ungewöhnlich: Denn Biber ernähren sich im Sommerhalbjahr vorzugsweise von frischen Grünpflanzen in Uferböschungen. Erst wenn diese Futterquelle zu Beginn der Wintermonate versiegt, suchen sich die Nager etwa ab November schmackhafte Baumrinde als Ersatz. "Am liebsten mag er Weiden, aber auch andere Weichhölzer wie diese Fichte", muss Baumpfleger Brandt seinen Fund hinnehmen. Im Notfall würden Biber sogar vor Harthölzern wie Eiche nicht zurückschrecken.

Ist diese jahreszeitliche Abweichung von der Norm nun Zeichen einer möglichen Überbevölkerung von Bibern im Staatsbad-Areal zwischen Nord- und Südbrücke? "Es gibt bei Bibern keine Übersättigung eines Reviers", weist Brandt diese von Laien geäußerte Behauptung entschieden zurück. "In einem Biber-Revier lebt ein Elternpaar mit etwa zwei Jungtieren, die sich nach einem oder zwei Jahren ihr eigenes Revier suchen." Sollte ein Jungtier nicht freiwillig gehen, wird es von den Eltern "verbissen", um Platz für neuen Nachwuchs zu schaffen. "Im statistischen Durchschnitt leben immer nur 3,3 Biber in einem Revier."

Vor 20 Jahren gab es innerhalb der Staatsbad-Grenzen vermutlich gar keine Biber. Zwar habe es früher schon mal vereinzelt Hinweise auf Biber wie Fraßspuren und Biberrutschen gegeben, erinnert sich Doris Hupfer, Fachreferentin der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Eine erste Kartierung im Jahr 2013 wies anhand solcher Spuren auf den Bestand eines einzigen Reviers zwischen Nord- und Südbrücke hin. Eine erneute Kartierung fünf Jahre später lässt inzwischen die Vermutung zu, dass es aktuell zwei Reviere, also zwei Biberfamilien, im Staatsbad-Areal gibt: Die eine dürfte sich auf Höhe des Gradierbaus angesiedelt haben, die andere im Bereich des Campingplatzes an der Südbrücke. In dem recht hohen Gewässer der Saale bauen die Biber keine Dämme, sondern graben ihren Bau, für Beobachter nicht erkennbar, unter die dicht bewachsene Böschung, weshalb Fachleute wie Doris Hupfer, Spezialistin für alle Biber-Vorkommen im Landkreis, nur Vermutungen abgeben, nicht aber den tatsächlichen Bestand bestätigen können. Doch zwei Biberreviere auf dieser Flusslänge bedeuten nach Feststellung der Naturschützer noch keine von Laien vermutete Revier-Übersättigung.

"Wir sehen heute nur mehr Fraßspuren", vermutet Staatsbad-Baumpfleger Martin Brandt. Früher war der Nager menschenscheu und entlang der Saale hauptsächlich auf der den Menschen abgewandten westlichen Uferseite zu den Saale-Auen hin aktiv. "Inzwischen hat sich der Biber wohl an die Menschen gewöhnt und ist mutiger geworden." Deshalb seien solche Fraßspuren für Spaziergänger am Ostufer auffälliger.

Der früher in unseren Breiten fast ausgestorbene, dann unter Naturschutz gestellte Biber ist kein Schädling , sondern sogar ein Helfer, versichert Brandt. Er säubert die Uferböschungen von Gehölz und Wildwuchs und auch in einem etwa zehn bis 15 Meter breiten Uferstreifen sorgt er für die Verjüngung von Pflanzen und Buschwerk. "Haselnusssträucher müssen wir regelmäßig auf Stock setzen", beschreibt Brandt diesen Verjüngungsprozess. Hier hilft der Biber der Kurgärtnerei auf natürliche Weise, indem er die älteren Zweige abnagt. Brandt: "Wir wollen mit dem Biber leben."

Mit ihrer Verletzung muss die alte Fichte am Preußensteg jetzt selbst klarkommen. Brandt: "Manche Bäume verharzen solche Schäden, wenn die Rinde sich nicht mehr selbst erneuern kann." Sollte dies bei der Fichte nicht mehr möglich sein, wird der Baum wohl in ein paar Jahren sterben müssen. Was kann die Kurgärtnerei tun? Brandt: "Es ist eine Gratwanderung: Was können wir leisten, ohne die Parkanlage zu verschandeln. Wir können nicht jeden Baum mit einer Drahthose bibersicher machen."

Deshalb beschränken sich die Gärtner lieber auf den Schutz von besonderen, wertvollen Bäume wie - nur wenige Meter von der Fichte entfernt - den frisch gepflanzten, noch zierlichen Trieb der gewaltigen, schon 250 Jahre alten Schwarzpappel, die am Hotel Bayerischer Hof steht. Brandt: "Dieser alte Baum hat sein Lebensende erreicht, ist innen schon hohl." Der junge Ableger am Preußensteg wird den alten Baum irgendwann ersetzen müssen. Für beide gilt: "Sie sind als reine Schwarzpappeln in ganz Bayern einmalig." Deshalb hat Brandt dieses Bäumchen mit einer im Erdboden verankerten Drahthose aus 1,5 Millimeter starkem Drahtgeflecht vor dem Biber geschützt.

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