Bischofsheim an der Rhön

Bischofsheim: Ein Waldstück namens Türmchen

Manfred Markert recherierte und machte auch noch eine Entdeckung.
Die vermuteten Mauerreste des Türmchens oberhalb von Bischofsheim  Foto: Manfred Markert       -  Die vermuteten Mauerreste des Türmchens oberhalb von Bischofsheim  Foto: Manfred Markert
| Die vermuteten Mauerreste des Türmchens oberhalb von Bischofsheim Foto: Manfred Markert

Warum heißt ein kleines Waldstück oberhalb von Bischofsheim "Türmchen"? Manfred Markert ist dieser Frage in den vergangenen Monaten nachgegangen. "Mein Urgroßvater Anton Markert hat im Jahr 1909 die unterhalb liegende Wiese gekauft." Im Katasterauszug heißt der Bereich Thürmlein. In neueren Karten steht Türmchen. "Ich wurde neugierig und wollte wissen, warum das Türmchen Türmchen heißt."

Offensichtlich gab es in früherer Zeit einen Landturm an dieser Stelle. Unter " Denkmäler " auf der Internetseite der Stadt Bischofsheim ist zu lesen: "Vermutlich spätmittelalterlicher/frühneuzeitlicher Landturm. 2200 m nnw der Kirche von Bischofsheim. Flur ,Türmchen'".

Auch auf der Liste der Bodendenkmäler des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ist das "Türmchen" als "spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Warte" verzeichnet.

Die Flurabteilung trug schon in früherer Zeit den Namen "Thürmchen" beziehungsweise "Thürmlein". Auf einer historischen Karte aus dem Jahr 1890 heißt es "Thürmlein" und daneben ist skizzenhaft ein Turm eingetragen. Die Karte von 1936 und heutige Karten bezeichnen den Bereich als "Thürmchen". Eigentümer des Geländes ist die Stadt Bischofsheim.

Grundmauern sind zu sehen

Manfred Markert stöberte weiter und fand mit Hilfe des Geländerelief im Bayernatlas die Grundmauern. Er war überrascht, denn bei Recherchen im Internet stieß er auf einen Artikel, der besagt, dass dort nichts mehr zu sehen sei. "Das stimmt aber nicht, ich war auch mal oben, man kann die Grundmauern sehen. Allerdings ist alles überwachsen."

Für was wurde der Turm oberhalb Bischofsheims verwendet? Eine historische belegte und wissenschaftlich nachgewiesene Erklärung gibt es derzeit nicht. Anton Enders, der sich intensiv mit der Bischofsheimer Geschichte und dem Stadtarchiv befasst, hat keine näheren Informationen zum "Türmchen" finden können.

Warten und Türme

Er und Markert gehen davon aus, dass der Turm möglicherweise Wachturm an der alten Handelsstraße, am Ortesweg, gedient haben könnte. Der Weg führte in früherer Zeit über Bischofsheim und die Gibitzenhöhe nach Gersfeld. In unmittelbarer Nähe ist der Standort eines Türmchen verzeichnet. Die Straße nach Wüstensachsen, am Rhönhäuschen vorbei, das Grenz- und Zollstation war, wurde erst 1834 gebaut.

Auf der Internetseite "Rhönline" wird über Warten und Türme unter der Überschrift "Wie man auf Warttürmen das Warten und als Türmer das Türmen lernte" berichtet. Dort heißt es: "Gerade in der südwestlichen Rhön trifft man bisweilen auf einzeln stehende Türme , die den Anschein erwecken, als zierten sie die Hügel und Hochflächen ohne jeglichen Grund."

Doch sie seien meist Warttürme gewesen, die in erster Linie militärischen Charakter hatten. Zeitlich werden diese dem 13. bis 14. Jahrhundert zugeordnet. "Auffallend bei allen Türmen ist, dass neben der direkten Sichtverbindung der Eingang immer in Richtung einer Ortschaft zeigt und man somit einen Zusammenhang vermuten kann. Sicher dürfte sein, dass die Ortschaften, zu denen der Turm gehörte, für dem Unterhalt und die Besatzung - die Türmer - aufkommen musste."

Mit Leiter in den Eingang

Wobei der Eingang meist einige Meter über dem Erdboden lag und nur über eine Leiter erreichbar war. "Hauptsächlich dienten Warten als Signalstation, um einen herannahenden Gegner anzukündigen. Selbst die Bauern auf den umliegenden Feldern konnten somit frühzeitig die Flucht ergreifen und sich in ihren Ortschaften verschanzen und es ist auch anzunehmen, dass die Türmer nicht bis zum letzten Mann aushielten, sondern es vorzogen zu türmen, um sich den Bewohnern anzuschließen, denn oft war die verbleibende Zeit nur kurz, um sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen und eine Ortschaft verteidigungsbereit zu machen."

Neben sehr gut erhaltenen Türmen in Mellrichstadt und Ostheim ist auch das Bischofsheimer "Türmlein" erwähnt, auf das zumindest der Flurname und Hügel noch hindeutet. Anton Enders recherchierte im Archiv der Stadt Bischofsheim, doch eine historisch belegte Quelle fand er nicht. "Mit dem Namen Türmlein vermutet man einen Turm an dieser Stelle, es ist eine mündliche Überlieferung , zu belegen ist es nicht. Suchen wir weiter."

Manfred Markert freute sich über dieses Relikt vergangener Zeiten oberhalb von Bischofsheim. Auch wenn derzeit keine weiteren historischen Details belegbar sind, sei es doch ein interessanter Teil von Bischofsheim Geschichte.

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