Bad Brückenau

Corona legt VG Bad Brückenau so gut wie lahm

Seit Tagen ist die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau wegen Corona dicht. Die meisten Bürgermeister und Mitarbeiter bleiben bis 3. April - mehr oder weniger isoliert - zu Hause. Ein gewisser Service besteht aber doch.
Bis 3. April geschlossen: Wegen eines Corona-Falles ist die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau an der Sinnaustraße verlassen und telefonisch schwer erreichbar. Foto: Steffen Standke       -  Bis 3. April geschlossen: Wegen eines Corona-Falles ist die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau an der Sinnaustraße verlassen und telefonisch schwer erreichbar. Foto: Steffen Standke
Bis 3. April geschlossen: Wegen eines Corona-Falles ist die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau an der Sinnaustraße verlassen und telefonisch schwer erreichbar. Foto: Steffen Standke

Wer ab vergangenen Montagmittag versuchte, die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau zumindest telefonisch zu erreichen, wählte sich die Finger wund. Niemand hob ab. Was nicht verwundert, ist die VG doch seitdem geschlossen und komplett verweist. Der Grund: ein bestätigter Corona-Fall. Und obwohl sowohl Mitarbeiter als auch die vier Bürgermeister mehr oder weniger in häuslicher Quarantäne sitzen, ist für Notfälle gesorgt.

Plötzlich ging alles ganz schnell: am Donnerstag vergangener Woche zeigten sich bei einem Mitarbeiter der VG Corona-typische Symptome; am Freitag wurde ein Test gezogen. Am Sonntag lag dem Gesundheitsamt in Bad Kissingen das positive Ergebnis vor; die Behörde informierte die VG-Verantwortlichen umgehend. Diesen Ablauf bestätigen sowohl VG-Vorsitzender Dieter Muth als auch der stellvertretende Geschäftsleiter Karlheinz Schmitt. Laut Muth ist der Betroffene "in keiner lebensbedrohlichen Situation".

Am Montagvormittag öffnete die VG erst gar nicht. Zuvor waren laut Schmitt persönliche Termine nach Voranmeldung zumindest nach Absprache möglich. Nachdem eine Art Notbetrieb organisiert war, wurde das Haus geräumt. Die VG bleibt auch nächste Woche geschlossen.

"Insgesamt betrifft das 14 Mitarbeiter", sagt Schmitt. Wie streng die Quarantäne für den Einzelnen ausfalle, hängt davon ab, wie eng der Kontakt zum Infizierten war. "Bei drei Mitarbeitern wurde ein Corona-Test gemacht. Die Ergebnisse kenne ich noch nicht."

Neben Dieter Muth erledigt auch Schondras ehrenamtlicher Bürgermeister Bernold Martin seine Amtsgeschäfte von daheim aus. "Ich soll soweit wie möglich daheim bleiben und Kontakt nach draußen vermeiden". Martin betreibt zusätzlich ein kleines Unternehmen für kommunale Dienstleistungen. Dazu gehört Winterdienst, den er - vertraglich festgezurrt - bis zum 1. Mai ableistet. Ab Juni/Juli mäht er dann an Straßen und Wegen Gras.

Da der Winter keiner war, fallen diese Arbeiten gerade nicht an. Weswegen sich Martin die Frage nicht stellen muss, ob er rausfährt oder nicht. Käme der Winter zurück, würde ein Fahrer einspringen, den der Schondraer in seinem Betrieb beschäftigt.

Roland Römmelt , Bürgermeister von Riedenberg, verlässt Haus und Hof coronabedingt bis Ende nächster Woche nicht. Was bedeutet, dass er seine andere Arbeit als Haustechniker bei der Bundeswehr so lange nicht ausüben kann. "Das ist ein bisschen problematisch. Wir haben uns mit einem Kollegen in der Arbeit immer abgewechselt. Jetzt bleibt alles an ihm hängen." Wie die anderen Bürgermeister hofft Römmelt, dass es in der VG ab 6. April weitergeht.

Gerodas Ortsoberhaupt Alexander Schneider durchlebt gerade eine "Quarantäne light". Weil er nach eigenen Angaben nur eine Viertelstunde in der VG Kontakt mit dem betroffenen Mitarbeiter hatte, muss er nicht dauerhaft daheim bleiben. "Aber ich soll natürlich den unmittelbaren Kontakt nach draußen meiden und auf eventuelle Krankheits-Symptome achten."

Unterdessen kommt von der Stadt Bad Brückenau auf dem kurzen Dienstweg ein Hilfsangebot. "Bisher haben wir noch keinen Bescheid, dass wir Amtshilfe übernehmen sollen", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks . Aber natürlich stehe die Überlegung im Raum, dass die Bad Brückenauer Verwaltung Teile der Aufgaben der VG zeitweise übernehmen könnte. Ein Hilferuf von einem der vier Bürgermeister habe es noch nicht gegeben.

Im Bad Brückenauer Rathaus jedenfalls arbeiten die Beschäftigten weiter, wenn auch ohne Publikumsverkehr. "Es ist allen frei gestellt, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen", ergänzt Meyerdierks.

Karlheinz Schmitt sieht keinen unmittelbaren Hilfsbedarf. Das wichtigste sei am Montag geregelt worden. Und das sei vor allem der "Notdienst für das Standesamtswesen". Zwar fallen laut Schmitt "dafür zwei von drei Beamten aus". Doch der dritte habe zuletzt Urlaub gehabt, sei von Corona nicht betroffen. Er kümmert sich in Absprache mit dem Landratsamt vor allem um die notwendige Beurkundung von Sterbefällen. Ein anderer Kollege, der vergangene Woche wegen Erkältung außen vor blieb, wird am Montag direkt in der VG schauen, ob in der Post etwas Wichtiges dabei ist.

Auch wurde die für den 25. März angesetzte Sitzung des Wahlausschusses verschoben. Dabei sollten laut Karlheinz Schmitt die offiziellen Ergebnisse der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl festgestellt werden. Aus den heimgeschickten Mitarbeitern hätten sich Wahlleiter, Stellvertreter und Protokollanten rekrutiert. Spannend wäre es unter Umständen in Geroda geworden, wo das Los über die Besetzung eines noch offenen Platzes im Gemeinderat entscheiden muss.

VG-Vorsitzender Dieter Muth findet, dass seine Verwaltung in Sachen Wahl Glück gehabt hat. In keiner der vier Mitgliedsgemeinden steht am Sonntag eine Stichwahl an. "Das hätte noch mal richtig viel Arbeit für die Verwaltung bedeutet."

Brigitte Meyerdierks verweist mit Nachdruck auf das Bürgertelefon des Landkreises (Tel. 0971/ 71650) zur Bewältigung der Corona-Krise. "Man wird dort zuverlässig zurückgerufen." Aus der letzten Dienstbesprechung aller Bürgermeister des Landkreises nahm Meyerdierks einen positiven Aspekt mit: "Wir haben mehr als 3000 Reha-Betten im Landkreis, dazu die Bildungsstätten Volkersberg, Heiligenhof und die Musikakademie." Im Notfall sei die Region gut aufgestellt.

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