Bad Kissingen

Daniel Behle: "Wichtig, zu entscheiden, was zu einem passt"

Daniel Behle gilt als der kommende deutsche Tenor. Ein Gespräch über seine Pläne und über den Kissinger Sommer.
Er gilt bei vielen Musikfreunden als der kommende deutsche Tenor. Noch mehr vertreten allerdings die Ansicht, dass er bereits angekommen ist: der Hamburger Daniel Behle. Er hielt sich jetzt einige Zeit in Bad Kissingen auf, weil er in Haydns "Schöpfung" und Beethovens 9. Sinfonie die Tenorpartien übernommen hatte. In einem Gespräch äußerte er sich über seine Karriere, seine Projekte und Pläne und über den Kissinger Sommer.

Erinnern sie sich an Ihren ersten Auftritt beim Kissinger Sommer?
Daniel Behle: Oje, das muss 2007 oder 2008 gewesen sein. Ich kenne ja Kari Kahl-Wolfsjäger schon sehr lange. Damals bin ich eingesprungen bei einem Quartettabend mit Mojca Erdmann und anderen. Das war, glaube ich, ein Abend mit Mozartarien. Seitdem fragt mich die Intendantin regelmäßig, ob ich bei ihr singen will, und da hat sich ja schon einiges ergeben.

Wie ist Ihre Karriere nach dem ersten Kissinger Auftritt weitergegangen?
Wenn das 2007 war, dann war ich da noch an der Volksoper in Wien. Ich habe ja nach dem Studium mit der Singerei in Oldenburg angefangen, dann zwei Jahre Volksoper und dann bin ich für drei Jahre zu Bernd Loebe an die Frankfurter Oper gegangen. Ich war bis Sommer 2010 im Frankfurter Ensemble, habe dann noch ein Jahr verlängert. Aber ich hatte immer freischaffend tätig sein wollen. Aber Loebe hat mir meinen ersten Titus (Mozart) und den ersten Leukippos (Strauss) gegeben. Und das sind ganz wichtige Partien gewesen, die mir Türen geöffnet haben unter anderem auch zu dem Matteo (Strauss, Arabella) in Salzburg einfach dadurch, dass die Leute mich auch mal mit etwas anderem als Mozart gehört haben und mir sozusagen mehr zugetraut haben.

Ist die Arbeit als Freischaffender nicht riskant?
Die Sicherheit muss man sich selber schaffen. Das musst du schaffen, dass du möglichst weit im Voraus deine Engagements hast. Das sind ja auch alles Verträge, die du dann erfüllen musst, die dir aber auch eine Sicherheit geben. Zum Glück ist es in Deutschland noch so, dass Verträge die zwei, drei Jahre im Voraus abgeschlossen werden, dann auch eingehalten werden. Das heißt, ich kann mit meiner Familie planen. Das ist so ein Jonglieren, aber das macht mir auch Spaß. Das gibt mir die Freiheit zu entscheiden, was ich tue. Bei einem Festengagement hast du vielleicht Aufgaben, die dir nicht so liegen. Ich kann ja wirklich momentan die Rosinen aus dem Kuchen picken.

Sie singen im Moment viel Strauss ...
Es ist ja auch Strauss-Jahr.

... und Gluck natürlich.
Es ist auch Gluck-Jahr.

Sehen Sie da Ihre Schwerpunkte?
Also, einen Schwerpunkt würde ich jetzt nicht gern setzen. Ich hatte jetzt einen großen Erfolg in Salzburg mit Strauss. Das heißt, da kommen dann Anfragen für Strauss, aber eben auch Anfragen für Wagner jetzt in Frankfurt 2015 mit meinem ersten Erik (Fliegender Holländer) und mit einem Vorsingen für David (Meistersinger), wo noch nichts entschieden ist. Aber ich würde jetzt nicht mit dem Tristan anfangen. Das würde ich gar nicht durchhalten, und zweitens will das auch keiner hören, denn der Riesenbauch in der Stimme, der kommt halt erst im Alter. Vielleicht wächst der aber auch nie bei mir. Ich versuche meinen Kalender so breit und so aufgefächert wie möglich zu gestalten. Ich hatte jetzt eine Tournee mit Strauss-Liedern, mache aber auch die "Winterreise" in der Trio-Bearbeitung, die ich angefertigt habe.

Sie werden eigentlich nicht mit dem Belcanto in Verbindung gebracht. Woran liegt das?
Da gibt es Bessere. Als ich fest angestellt war, habe ich viel Belcanto gesungen, natürlich den "Liebestrank" und viel Rossini, aber halt mit meinem lyrischen Timbre, und da wollen viele eine kleine, etwas dünnere Stimme hören. Das ist nicht so mein Ding. Ich werde jetzt 40. Wenn man älter wird und die Stimme wird schwerer, wird es auch schwieriger, den richtigen Stimmsitz herzustellen, wenn man so durch die Genres hüpft, wie ich das tue. Wenn man barock singt, und vor allem, wenn man sich die Kadenzen selber schreibt, kann man immer noch entscheiden, ob das für einen passt. Man muss wirklich ganz ehrlich zu sich selber sein.

Wer ist momentan Ihr großer Belcanto-Favorit?
Ich bin ein großer Fan von Juan Diego Flórez als Belcantosänger. Aber er wird jetzt auch schon älter und muss sein Repertoire erweitern. Da muss man einfach schauen, was die Stimme hergibt. Es ist wichtig zu entscheiden, was zu einem passt, und dann auch nicht immer auf das Geld zu schauen. Das regt mich bei Künstlern auf, die das tun. Das fühlt man ganz deutlich, wenn die Agentur sagt: "Das musst du jetzt machen, da kriegst du ganz viel Geld dafür." Dann stimmt die Qualität nicht. Man sollte den Leuten nicht einreden, dass alles, was geschieht, auch gut ist. Das verwässert den Geschmack. Da bin ich ganz heikel.

Was hat Sie motiviert, ein Gluck-Album zu machen?

Die Gelegenheit und das Angebot von Decca. Du kannst als relativ Unbekannter mit Mozart nicht punkten, weil es da schon zu viel gibt. Da muss ich etwas finden, das eine Käuferschicht anspricht, die noch CDs kauft, damit ich zeigen kann, was ich zwischen bekannten Komponisten wie Rossini und Mozart noch kann und wo es einmal hingehen könnte. Und schließlich geht es um das Lyrische bei Gluck. Das prädestiniert mich vielleicht für das französische Fach. Ich kann mit so einem Album und der Musik, die Gluck geschrieben hat, wahnsinnig viel von mir selber zeigen, kann sehr unterschiedlich färben. Also, ich habe mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Und ich habe ein Label an meine Seite bekommen, das mich getragen hat. Ich hatte natürlich das Problem, dass es viele Noten nicht mehr gab, und andere mussten erst restauriert werden. Es gibt bei Gluck noch viel zu entdecken.

Gibt es etwas, das sie gerne machen würden und das es noch nicht gibt?
Was ich gerne machen würde, und da hat es auch schon erste Gespräche gegeben, ist ein Album mit Schubert-Arien, Es gibt von ihm so viele Opernfragmente, die nie fertig geworden sind, wo grandiose Tenorarien drin sind, und ich hätte sogar schon ein Ensemble dafür. Aber da muss sich das Gluck-Album erst mal gut verkaufen.

Sagt Ihnen der Begriff Kissinger LiederWerkstatt etwas?
Ja, natürlich!Da war ich ja schon. Das war damals allerdings am Anfang in Bad Reichenhall und noch nicht in Bad Kissingen, wohin die Veranstaltung nach zwei Jahren umgezogen ist. Da habe ich damals Manfred Trojahn kennen gelernt, der mir für meine erste CD vier Lieder gewidmet hat. Das ist einer, der wirklich toll für Stimmen schreibt. Und er scheut sich auch nicht davor, Melodien zu schreiben. Das ist ja heutzutage nicht so üblich.

Würden Sie auch mal wieder zur LiederWerkstatt kommen?
Na klar. Es hat mich nur noch niemand wieder gefragt.

Wie beurteilen Sie den Kissinger Sommer allgemein?
Der Kissinger Sommer ist ein tolles Festival. Tolle Sänger, tolle Location. Es ist einfach schön, hier zu sein. Er ist eines dieser wichtigen Festivals, wo es für uns Künstler wunderschön ist, hier zu sein, weil das Umfeld stimmt, Erholung in der Freizeit bietet und ein schönes Ambiente bei den Aufführungen. Man muss ja auch sagen, dass der Regentenbau eine unglaublich gute Akustik hat, und solche Konzertsäle sind selten. Da muss man wirklich lange suchen. Das muss man zu schätzen wissen, dafür reisen Leute, die Fans sind, auch gerne an, weil sie hier die Musik in einer schönen Form, in einem schönen Umfeld genießen können. Und deshalb kann man das Festival gar nicht hoch genug hängen.
Das Gespräch führte Thomas
Ahnert
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