Münnerstadt

Das Schönborn-Kolleg beschäftigt sich mit dem Partnerschafts-Vorbild

In Geschichte eintauchen zu wollen, ist sehr einfach. Zumindest in Münnerstadt und vor allem jetzt wieder. Nach drei Jahren Pause fanden sich...

In Geschichte eintauchen zu wollen, ist sehr einfach. Zumindest in Münnerstadt und vor allem jetzt wieder. Nach drei Jahren Pause fanden sich zahlreiche Interessierte zum Schönborn-Kolleg in der Aula des Johann-Philipp-von- Schönborn-Gymnasiums ein, um eine Analyse über die Historie der deutsch-französischen Beziehungen zu bekommen.

Schulleiter Peter Rottmann hatte zum Thema „Partnerschaft-Vorbild, Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert“ den derzeitigen Leiter des Instituts für Hochschulkunde an der Universität Würzburg , Professor Matthias Stickler (55) eingeladen.

Warum das Thema? Was hat die Schule mit den deutsch-französischen Beziehungen zu tun? 1973, vor 50 Jahren begann das Gymnasium einen Schüleraustausch mit der Partnerschule im lothringischen Stenay. Doch um Stenay ging es in dem Vortrag nicht direkt.

Die geschichtlichen Beziehungen sind bis heute mit einem Klischee belastet, nämlich der sogenannten Erbfeindschaft zwischen den beiden großen Nationen in der Mitte Europas. Stickler gelang es überzeugend mit diesem Vorurteil aufzuräumen. „Diese Feindschaft ist ein Konstrukt gesellschaftlicher, nationalistischer Strömungen des 19. Jahrhunderts“, betonte der Referent eingangs und verwies auf das 5. Jahrhundert mit der Krönung Chlodwigs (466-511) zum 1. König eines Frankenreich , welches räumlich viel von den heutigen Nationen umfasste. Beide Länder nennen Karl den Großen als ihren Urvater.

Mit dem Aufstieg Napoleon Bonapartes (1769-1821) und seiner „Welteroberung“ begann die Zeit der Zu- und Abneigung gegenüber Frankreichs Herrschern. Das im 19. Jahrhundert mächtige Preußen pochte auf seine Eigenstaatlichkeit. Die südlichen Staaten des deutschen Reichsgebiets neigten eher den französischen Eigenheiten zu.

Bis heute spürt man Einflüsse aus dem Land westlich des Rheins, vor allem auch in Bayern. Viele französische Begriffe hatten sich in der Umgangssprache etabliert und werden in einigen Regionen immer noch verwendet. Die politische Einteilung Bayerns, der Zentralismus und eine Art Departements (heute Bezirke) sind Kopien französischer Verwaltungsstrukturen. Es waren die Fürsten und Könige im Süden des Deutschen Bundes, die gerne mit französischer Eitelkeit ein besonderes Äußeres zeigten. Ludwig II. und sein Vorgänger Max I. Josef gaben sich gerne frankophon. Die Franzosen einerseits wollten im 19. Jahrhundert die deutsche Kleinstaaterei beibehalten sehen. Das nach der napoleonischen Herrschaft immer stärker werdende Preußen sucht mit seinen Vasallen immer öfter den Wettbewerb mit den zum „Erbfeind“ stilisierten Nachbarn. Die Gesellschaften des 19. Jahrhunderts gingen den nationalistischen Weg mit ihren Regenten mit, und so blieben Kriege nicht aus.

1866 machte Frankreich im „Deutschen Krieg“ seinen Einfluss geltend und zog damit später 1870/71 „die Rache“ eines geeinten Deutschen Reiches auf sich. Symbolträchtig fand die Krönung des deutschen Kaisers Wilhelm I. im Spiegelsaal das Schlosses Versailles statt. Die „Revanche“ folgte 49 Jahre später mit dem Friedensvertrag von Versailles 1919, den die Franzosen als Siegermacht zur Schmach des Deutschen Reiches einsetzten und bei der Umsetzung unerbittlich waren. Am 8. Juli 1962 setzten die beiden Staatsmänner Charles De Gaulle und Konrad Adenauer dieser Fehlkonstruktion „Erbfeindschaft“ im Dom zu Reims ein Ende. Mit der deutsch-französischen Partnerschaft begann ein neues Kapitel in Europa.

Am 28. März um 19 Uhr befasst sich Daniel Karch, ehemaliger Doktorand Sticklers und Lehrer am Gymnasium, mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Münnerstadt und Mainfranken. mhh

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