Oberthulba

Dem Soul-Gott sei Dank

Stimmwunder Ingrid Arthur in der Piano-Bühne Kleinhenz.
Ingrid Arthur in Oberthulba. Susanne Will
Ingrid Arthur in Oberthulba. Susanne Will
Dem Soul-Gott sei Dank: Die Männer durften auf ihren Wolken bleiben, "It's raining men" blieb in der Pianobühne Kleinhenz in Oberthulba ungesungen. Ingrid Arthur brauchte sie auch nicht. Das Ex-Weather Girl muss den Ohrwurm aus den 80ern nicht länger über die Bühnen führen, sie steht mit ihrer Truppe eigenständig und gewaltig da.

Damit dürfte sich Ingrid Arthur längst aus dem Dunstkreis der Weather Girls gesoult haben. Von 2004 bis 2011 trat Arthur mit Dynell Rhodes, der Tochter einer der original Weather Girls, mit den Gassenhauern der 80er auf, eben auch mit dem berühmten "It's raining men". Seit 2011 ist die Frau, die rund um den Globus mit ihrer so weiten und klaren Stimme begeistert, solo unterwegs.



Die Pianobühne - gegründet vom umtriebigen Klavierverkäufer Peter Kleinhenz, der sich auch selbst ans Piano setzte - war proppenvoll. Arthur wurde von einem hungrigen Publikum erwartet. Ein Publikum, das sich nach Gefühlen und Tränen sehnt und die dann auch erwartbar glitzerten, als die imposante Frau beispielsweise "Will you still love me tomorrow" ins Mikro weinte. Wer da noch sagt, dass Coverversionen ja Songs zweiter Klasse seien, der sei an den Auftritt der legendären Aretha Franklin 2015 vor Barack Obama erinnert: Auch sie hatte bei Carole King geklaut und ihre Version von "You make me feel" ging um die Welt - und auch Obama heulte.(hier der Link dazu: http://bit.ly/1l3g0zp )

Das Publikum sehnte sich nach Soul, nach Schmiss, nach Gefühl und einer Stimme, die einen in die Tiefen größten Herzschmerzes und auch ins höchste Glück versetzen kann - die von Ingrid Arthur. Okay, die siebenundzwanzigste soultypische Triolen-Wiederholung hätte es nicht bei jedem Song gebraucht, aber vielleicht brauchen die Unterfranken mehr, damit es sie von den Sitzen reißt.

Aber Arthur ist nicht nur Soul. Dass ihre Schlagzeugerin Tracey Duncan "Story of my live" konsequent gegen den Strich bürstete und schlussendlich bei einem waschechten Country-Song landete, war einer der Höhepunkte der Band, die Ingrid Arthur um sich vereinte. Es ist ihr "Players Club", der sie begleitet. "Ich bin nicht Beyonce, ich kann mir keine komplette Combo leisten", sagt sie später im Gespräch. Sie ruft die an, die sie am liebsten hätte - und kassiert keine Körbe. Ihre erste Wahl erweist sich als die richtige: Fuasi Abdul-Kahliq, der strenge Mann am Saxofon, dessen Höllenläufe immer sauber bleiben und der mit ein bisschen Hokuspokus das Publikum verzaubert; Connor Fitzgerald, ein Australier, jung, perfekt und äußerst lässig am Klavier; Simon Horn mit dem für den Soul lebenswichtigen Bass, der nie einen Schrittmacher brauchte; die fabelhafte Tracey Duncan, die mit ihrem Rhythmus den Players Club zusammenhielt, die auch die neuen immer wieder einfing, wenn einer mal nebenaus musizierte.
Und dann war da natürlich noch Will Jacobs, die Überraschung des Abends. Jacobs, ein Junge aus Chicago. Er sieht aus wie Robert Pattinson (für die, die nichts mit Vampirfilmen anfangen können: Das ist das Model aus der Twilight-Saga) und spielt den Blues wie einer der ganz Alten, lässt sich auch von einer gerissenen Saite im Solo nicht beeindrucken. Woher der Rotz kommt, den er in seine Stimme packt, bleibt unbeantwortet. Wie er aber in die Band kam, erzählt Ingrid Arthur und es klingt nach einem Märchen: Sie hat ihn auf der Straße aufgegabelt, in Berlin, als Straßenmusikant. Gesehen, gehört, engagiert.
Nicht nur das hat Ingrid Arthur richtig gemacht. Sich auf die Solo-Karriere zu konzentrieren, war goldrichtig. Und auf so gute Musiker zu bauen, auch. Selbst, wenn die auf Kleinhenz' Einladung hin direkt aus dem Publikum kamen: Der Querflötist Fernando Francesco gab einen Vorgeschmack auf das, was später den meisten Gästen verborgen blieb: Es wurde gejamt bis morgens um 2.

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