Wildflecken

Der digitale Wandel greift in Wildflecken um sich

Wildfleckens Bibliothek bekommt eine neue Gebührenordnung. Die Schließung der Apotheke trifft die Marktgemeinde hart. Die Suche nach einem Arzt für Praxis in Oberbach dauert an. Schweigeminute für Peter Heil.
Die Bibliothek in Wildflecken ist an ihrem angestammten Platz zurück. Eine neue Gebührenordnung soll nun für mehr Attraktivität sorgen. Darüber wurde im Marktgemeinderat ausgiebig diskutiert. Foto Sebastian Schmitt
Die Bibliothek in Wildflecken ist an ihrem angestammten Platz zurück. Eine neue Gebührenordnung soll nun für mehr Attraktivität sorgen. Darüber wurde im Marktgemeinderat ausgiebig diskutiert. Foto Sebastian Schmitt

Mit einer Schweigeminute begann die jüngste Sitzung des Wildfleckener Gemeinderates. Peter Heil , der Leiter des Standesamtes und des Bürgerbüros im Rathaus in Wildflecken , war überraschend gestorben. "Es ist ein Schock, für uns alle unfassbar", sagte Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) sichtlich tief betroffen. Über 40 Jahre lang war Peter Heil im öffentlichen Dienst beschäftigt. "Sein Verlust ist für uns nicht zu ersetzen. Peter Heil war für viele Bürger der erste Ansprechpartner im Rathaus. Er war zudem der dienstälteste Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung mit vielen unterschiedlichen Sonderaufgaben." Es falle allen sehr schwer, im Rathaus wieder zur Normalität und zum Tagesgeschäft überzugehen.

DVD eine auslaufende Medienart

Die Wildfleckener Bibliothek ist mittlerweile wieder an ihrem angestammten Platz in der Sinntalschule angekommen. Zwischenzeitlich war sie aufgrund der Generalsanierung der Schule in einen deutlich kleineren Raum nahe des Wildfleckener Rathausplatzes umgezogen. In der Sitzung des Marktgemeinderates ging es um die neue Gebührensatzung und Anpassungen bei der Haus- und Benutzungsordnung. Heike Kettemer, die Leiterin der Bibliothek, berichtete dem Gremium über die aktuellen Entwicklungen rund um Bücher, Medien und digitale Leihe. "Speziell im Bereich der DVDs hat sich in den zurückliegenden Jahren viel verändert. Für die Jugendlichen ist das kein besonderes Angebot mehr. Die Jugend schaut Filme lieber per Streaming", so Kettemer. Daher bezeichnete sie die DVD als eine allmählich auslaufende Medienart für die Bibliothek. Eine spezielle Entleihgebühr für die DVDs möchte Kettemer daher grundsätzlich abschaffen, damit die Nachfrage überhaupt noch auf niedrigerem Niveau bestehen bleibt. "Es wird auch bei den Entleihungen mittlerweile gespart", sagte die Leiterin der Bibliothek.

Vorbestellungen billiger

Auch bei den Vorbestellungen soll es eine deutliche Reduzierung der Gebühr geben. "Ich erhoffe mir dadurch, dass die Zahl der Vorbestellungen wieder steigt." Kettemer möchte die Attraktivität grundsätzlich auch über bürgerfreundliche Gebühren wieder steigern. Der Umzug in die angestammten Räume soll zusätzlich endlich wieder für Aufschwung sorgen. Diskussionen gab es im Gremium über die jährliche Nutzergebühr in Höhe von zwölf Euro. In Wildflecken wird die Nutzergebühr bei Familien mit Kindern nur einmal pro Familie erhoben. Walter Rüttiger (PWW) forderte eine moderate Erhöhung auf 15 Euro pro Familie. Seit 16 Jahren sei die Jahresgebühr nämlich nicht mehr angehoben worden. "Ich halte eine Anpassung daher für angemessen", so Rüttiger. Die Erhöhung soll allerdings nicht mehr in diesem Jahr greifen, sondern erst ab 1. Januar 2020. Sebastian Hauke (CSU/PWG) warnte davor, dass durch eine Anhebung der Jahresgebühr Leser aus Verärgerung abspringen könnten. "Wir sprechen hier über einen schwierigen Markt. Viele Medien sind mittlerweile überall verfügbar", so Hauke. Bürgermeister Gerd Kleinhenz sprach sich persönlich dafür aus, die Jahresgebühr von zwölf auf 15 Euro zu erhöhen. "Ich halte das für moderat und notwendig. Natürlich tut sozial schwächeren Familien jeder einzelne Euro weh. Aber wir müssen etwas tun und können nicht über Jahre keine Anpassungen mehr vornehmen", so Kleinhenz. Nach ausführlicher Debatte votierte die Mehrheit bei zwei Gegenstimmen für die Anhebung der Jahresgebühr. Gleichzeitig aber auch für die deutlichen Vergünstigungen bei der Entleihe von DVDs und bei den Vorbestellungen von Medien. "Wir wollten ein positives Signal setzen nach der Wiedereröffnung der Bibliothek. Ich hoffe, dass das bei den Lesern auch so ankommt. Da bin ich jetzt aber eher skeptisch", sagte Gemeinderat Hauke, der gegen die neue Gebührenordnung votierte.

Ohne Arzt auch keine Apotheke?

Weiterhin sucht die Gemeinde händeringend nach einem Nachfolger für Dr. Herwart Bachmann, der seine Arztpraxis in Oberbach aufgegeben hat. "Das hat absolute Dringlichkeit. Denn ohne diese Arztpraxis wird es sehr schwer, einen Nachfolger für die Wildfleckener Apotheke zu finden", so Kleinhenz. Die Kreuzberg-Apotheke hatte Ende August ihre Pforten endgültig geschlossen. "Das ist sehr schmerzhaft. Aber Apotheker Volker Zinn sieht sich aus gesundheitlichen Gründen zu diesem Schritt gezwungen. Es ist ihm persönlich wirklich nicht leicht gefallen. Eine Krankheitsvertretung zu finden, war in letzter Zeit immer schwieriger geworden", so Kleinhenz. "Wir mussten schon einige Zeit mit diesem Schritt rechnen."

Dem Gemeinderat lag ein Bauantrag zur Errichtung eines Pferdestalles in Oberbach vor. Das Gremium stimmte ohne Bedenken zu. Eine Erschließung für das Bauvorhaben durch die Gemeinde wird nicht erfolgen. Der Neubau eines Zweifamilienhauses mit zwei Doppelgaragen in Oberwildflecken fand ebenfalls die Zustimmung durch den Gemeinderat.

Glasfaser im Werberger Weg und im Eierhauckweg abgelehnt

Über den Einbau von Glasfaserleitungen im Werberger Weg und im Eierhauckweg in Wildflecken wurde in der Sitzung ausführlich diskutiert. Aufgrund der angespannten Haushaltslage riet Bürgermeister Kleinhenz von der Baumaßnahme ab, bei der es um rund 50.000 Euro geht. "Im Moment kann ich das nicht verantworten", so Kleinhenz. Bei drei Gegenstimmen folgte die Mehrheit des Gremiums dem Bürgermeister. Es werden also vorerst keine Glasfaserleitungen im Werberger Weg und im Eierhauckweg verlegt.

25 Notebooks für Schule

Das Förderprogramm Digitalpakt Schule kommt der neuen Sinntalschule in Wildflecken zugute. 25 Notebooks werden für die Schule besorgt. Außerdem ein neuer Ladewagen für den EDV-Unterricht. Die Gemeinde muss zehn Prozent der Gesamt-Kosten von knapp 20 000 Euro selbst übernehmen, also fast 2000 Euro. Der Restbetrag kommt aus dem Förderprogramm.

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