Bad Brückenau

Der Kammerchor kann auch Jazz

Der Kammerchor begab sich mit Chorleiter Markus Wollmann auf ungewöhnliches Terrain. Trotz aller Zweifel vor dem Auftritt meisterten die Sängerinnen und Sänger die Missa Brevis bravourös.
Markus Wollmann verlangte viel von seinem Chor und derlieferte perfekt ab.  Foto: Bianca Volkert
Markus Wollmann verlangte viel von seinem Chor und derlieferte perfekt ab. Foto: Bianca Volkert

"Neue Zeit - neue Herausforderungen- neue Musik" mit diesen Worten begrüßte Pfarrer Hans Thurn die Konzertbesucher am Kirchweihsonntag. Überraschend viele Zuhörer, darunter erfreulich viele junge Leute, waren gekommen, um den ungewöhnlichen Klängen in der Stadtpfarrkirche Bad Brückenau zu lauschen. Der Konzertabend wurde dann auch mit Pauken und Trompeten eröffnet. Ein Jazzensemble mit Reiner Pflaum an der Orgel, Manuela Möller und Andreas Kleinhenz mit Trompeten und Markus Greifensteiner am Schlagzeug/Pauke, spielten zu Beginn die Intrada Festiva ( Hans Andre Stamm *1958) mit mächtigen Orgelakkorden und Trompeten. Die drei Strophen von "Großer Gott wir loben dich" (Johannes Matthias Michel *1962), wurden an der Orgel in verschiedenen Sätzen musiziert und dabei immer prächtiger und hymnischer. Mit tänzerischer Leichtigkeit und beschwingt, präsentierten sich die Kompositionen Run Ragged und just in time (Rosalie Bonighton *1946). Der Abschluss des ersten Konzertteils, füllte den Kirchenraum mit der "Pezzo Festivo" ( Hans Andre Stamm *1958). Sanfte Trompetenklänge, von der Orgel getragen, steigerten sich im Verlauf zu kräftigen Fanfarenklängen mit Paukenschlägen. Könnte dies der Vorgeschmack für künftige Orgelmusik gewesen sein?

Nachdem sich die Zuhörer mit den ungewohnten Klängen in der Kirche vertraut gemacht hatten, betraten die Sänger und Sängerinnen des Kammerchores den Altarraum. Die Aufregung und Anspannung war noch spürbar, denn zu Beginn der Proben wurde sehr schnell klar, dass dieses ungewohnte Genre aus der Welt des Jazz nicht nur für den Chorleiter , Kantor Markus Wollmann aus Bad Brückenau , eine besondere Herausforderung darstellte.

Zweifel vor dem Auftritt

Die ersten Proben gestalteten sich aufgrund der ungewöhnlichen und anspruchsvollen Rhythmen, so schwierig, dass die meisten Chormitglieder an der Durchführung des Konzertes zweifelten. Mit viel Geduld und gutem Zureden motivierte Kantor Wollmann in seiner äußerst ruhigen und besonnenen Art den Chor. Die Vertonung von Missa Brevis durch Will Todd (*1970) zeugt von dessen beeindruckender melodischer Kunstfertigkeit und umfasst viele Jazzstile. Musikalisch begleitet wurde die Missa vom Jazzensemble, welches noch mit Martina Weber am Altsaxophon und Armin Haas am Kontrabass verstärkt wurde.

Der Chor eröffnete mit dem swingenden Jazz-Walz Kyrie die Missa. Im Gloria konnte man gut den Latin Groove erkennen. Dies war auch der anspruchsvollste chorische Beitrag der Messe. Bei der Generalprobe, kurz vor dem Konzert, musste mehrmals abgebrochen werden. Beim Konzert allerdings war der Chor konzentriert und dank dem Dirigat von Mutmacher und Kantor Wollmann, konnten die Zuhörer dem Ausdrucksstarken vorgetragenen Gloria lauschen. Gefolgt von der sanften Jazz Ballade Sanctus und dem Benedictus im 7/8- Takt erklang zum Abschluss der Messe ein fließendes und ausdrucksstarkes Agnus Dei. Wie ergreifend der Schlussteil war, konnte war an den Gesichtern des Publikums zu erkennen. Dass diese inspirierende Vertonung der Messe sich bestens für den liturgischem Gebrauch eignet, zeigte der Kammerchor mit der bravurösen und mutigen Aufführung. Der Applaus der Zuhörer wollte nicht enden. Als Zugabe erklang nochmals das Agnus Dei und das Sanctus.

Die Besucher honorierten das Konzert, bei freien Eintritt, mit großzügigen Spenden zu Gunsten der Kirchenmusik. Ohne diese Spenden würde es keine Kirchen-Konzerte mehr geben.

Die Musiker und der Kammerchor unter der Leitung von Kantor Markus Wollmann, demonstrierten überzeugend, die von Pfarrer Hans Thurn angesprochenen Veränderungen in der Kirche. "Eine neue Zeit mit neuen Herausforderungen und neuer Musik".

Proben für das nächste Konzert

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Schon beginnt der Kammerchor mit den Proben für das Weihnachtsoratorium op. 5, von Heinrich Fidelis Müller. Am 22. Dezember um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche, können sich die Zuhörer auf das Weihnachtsfest einstimmen.

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