Bad Kissingen

Der Überflutung Grenzen setzen

Alexander Ruppert setzt in seinen Werken einen Kontrapunkt zum Übermaß an Informationen im Alltag. Seine Bilder sind jetzt im Hotel Wyndham Garden zu sehen.
Bad Kissingen — Die Videosequenzen auf dem Bildschirm im Foyer des Hotels zeigen Alexander Ruppert in seinem Atelier. Bilder, Collagen, Objekte erscheinen, überlagern sich, lösen sich auf. Zeitungen sind zu sehen, gestapelt, zerknüllt, zerrissen. Wortfragmente blitzen auf, scheinbar zufällig angeordnet. Menschen ist da zu lesen, Gesellschaft und Angreifer. Kriegsangst und Kreuz. Und Verzicht. Es ist nicht zufällig. Es ist geplant, geordnet, eingegrenzt und fordert heraus. Seine Bilder schweben vorbei. Faszinierende Farbspiele überwiegend in Braun, Grau, Schwarz und Weiß. Die ersten Besucher der Vernissage bleiben gefesselt stehen und erfahren viel vom Künstler ohne ein Bild gesehen oder ein Wort mit ihm gesprochen zu haben. Alexander Ruppert hat sich einen Platz geschaffen in der Kunstszene.

Moderne Bilder in alten Rahmen

"Lieber Alex, Deine Bilder wollen Raum, fordern heraus, fordern auf, sich damit auseinanderzusetzen", charakterisiert Oberbürgermeister Kay Blankenburg die Ausstellung in seiner Begrüßung. Der Oberbürgermeister dankte Hoteldirektor Timo Tully für die Bereitschaft, seine Räume einem jungen einheimischen Künstler zur Verfügung zu stellen. Der Chef von Wyndham Garden meinte dazu, dass die modernen Bilder einen spannenden Kontrast zur Raumstruktur des Hotels bieten. Die dezenten Stuckrahmen aus dem 18. Jahrhundert unterstreichen manches Bild wirkungsvoll.
Laudator Malte Meinck zeichnet den Werdegang des 37-jährigen Kissingers nach. Mediendesign hat er studiert, Maler ist er geworden. "Was er auch macht, es wirkt hochprofessionell." Mit einer Mappe hatte er sich an der Fachakademie für Mediendesign in München beworben, im Ausnahmeverfahren studieren dürfen und mit Auszeichnung angeschlossen. Sein Talent zum Malen ist entdeckt und gefördert worden und die Collagen die er im Studium begonnen hat, sind heute sein Markenzeichen. Er hat mit Zeitungen experimentiert, sie als Hintergrund, als Füllmaterial, als Aussage genutzt, Bildern einen dreidimensionalen Effekt hinzugefügt, hat seinen eigenen unverwechselbaren Stil gefunden. In seinem Atelier am Sinnberg vermittelt er seine zeitkritischen Botschaften in Kunstworkshops. Er ist Kunstdozent am Gymnasium, seine Bilder hängen im Zimmer des Oberbürgermeisters und im Diözesanmuseum Würzburg.

Brauchen wir das?

Die Auseinandersetzung mit Kommunikation lässt ihn nicht los. Seine Leinwände beklebt er mit Zeitungen, schichtet sie übereinander lässt Wortfetzen durchscheinen und halbe Überschriften. "Wir werden überflutet von Informationen. Sie bestimmen unser Leben. Wie viel davon lassen wir zu?", fragt Alexander Ruppert in seinen Bildern. Die Antwort sind die Holzleisten, die in den Collagen Grenzen symbolisieren, die der Betrachter für sich ziehen kann.
Meinck freute sich auch, dass die Kissinger Kunstszene durch Alexander Ruppert nochmals eine Bereicherung gefunden hat.
Der Jüngste der Arbeitsgemeinschaft Kissinger Künstler hat inzwischen eine erstaunlich zahlreiche Fangemeinde. Auch viele Kollegen waren gekommen. Unter anderen stärkten Lothar Gärtner, der ihn gefördert hat, Wiltrud Kuhfuß und Eva Feichtinger ihrem jüngsten Mitglied den Rücken. Der war überwältigt, so viele Freunde begrüßen zu können und wirkte dabei fast zurückgenommen und nachdenklich, der große Andrang in den Räumen des Wyndham Garden schien ihn fast zu erschrecken.

Hinschauen!

Beim Rundgang durch die Räume erfahren die Besucher: "Die 66 Bilder in Wyndhams Garden bilden die Schaffensperiode der Jahre 2012 bis 2014". "On my Way" ist der Zyklus von Bildern, mit sozialkritischen Themen. "Wir werden überflutet mit Informationen. Zeitungen, Plakatwände, Flyer, Medien. Brauchen wir das alles? Es liegt an uns, Grenzen zu ziehen", so der Maler.
"Alles Fassade" ist eine zweite Themenreihe, die Menschen abstrahiert. Einzeln und in Gruppen. Die Fassadenbilder erfordern näheres Hinschauen erklärt Ruppert. Erst wenn wir näher treten, erkennen wir das Individuum. Ganz gezielt suchte ein Ehepaar ein Exemplar dieser Themenreihe. "Zwei haben wir schon, aber noch Platz für ein drittes Bild. Eine Trilogie wäre schön", meinten die "Neu- Kissinger" Kunstfreunde.
"Fundstücke" ist der dritte Themenkreis überschrieben. Auch hier sind Nachrichten, Notizen oder Fotos Grundlage der kleinformatigen Bilder. Sie werden übermalt, verfremdet und verstärken so die ursprüngliche Botschaft. Auch diese Miniaturen verlangen Stehenbleiben, Nähertreten, Hinschauen. Die Bilder fordern heraus. Das will Alexander Ruppert. Ja, er ist angekommen, aber der Weg nicht zu Ende. Man darf auf die nächsten Schritte gespannt sein. Die Ausstellung im Hotel Wyndham Garden ist bis 6. September geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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