Bad Kissingen

Deutlich mehr Frauen als Männer leben in Bad Kissingen

Die Stadt wuchs im vergangenen Jahr um 207 Einwohner. Der prominenteste Zuzug 2018 war die neue Kurdirektorin Sylvie Thormann mit ihrer Familie.
Kurdirektorin Sylvie Thormann zog 2018 in die Stadt. Foto: Ralf Ruppert       -  Kurdirektorin Sylvie Thormann zog 2018 in die Stadt. Foto: Ralf Ruppert
Kurdirektorin Sylvie Thormann zog 2018 in die Stadt. Foto: Ralf Ruppert

An Bad Kissingen schätzt Sylvie Thormann vor allem die kurzen Wege: "Ob Einkaufen, Sport oder Weg zur Arbeit: Wir können alles ohne Auto erledigen", berichtet die Kurdirektorin, die im Sommer mit Mann und Tochter aus Bad Driburg nach Bad Kissingen umzog. "Es war von Anfang an klar, dass wir in die Innenstadt ziehen. Das gehört einfach dazu", erzählt sie.

Bad Kissingen und sein Umland seien "sehr vielfältig", fasst die Neubürgerin die Eindrücke des ersten halben Jahres zusammen, und: "Man kann sich gar nicht entscheiden." Sport-Angebote in den Vereinen, Konzerte oder Ski-Fahren auf dem Kreuzberg: Für junge Familien gebe es viel zu entdecken. Ihre siebenjährige Tochter gehe regelmäßig zum Schwimmen. Gemeinsam wandere die Familie gerne oder fahre Rad. Und zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren sei sie in Bad Kissingen wieder mal Eislaufen gewesen.

"Bad Kissingen ist insgesamt eine attraktive Wohnstadt", sagt auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Deshalb ziehe es so viele Menschen in die Stadt: 424 mehr Zu- als Wegzüge gab es 2018. Allerdings standen 169 Geburten 386 Sterbefälle gegenüber gegenüber, deshalb wuchs Bad Kissingen unterm Strich nur um 207 Einwohner.

Laut Blankenburg gibt es zwei Trends: Den Zuzug aus Großstädten und den aus umliegenden kleineren Gemeinden. "Mittelgroße Städte wie Bad Kissingen sind für Viele eine sehr interessante Option", sagt der OB. Bad Kissingen biete viele Einrichtungen sowie Kultur- und Freizeitangebote aus größeren Städten, andererseits aber auch die Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit einer Kleinstadt.

Analyse des Wohnungsmarktes

Zuzüge bringen aber auch Aufgaben mit sich: Braucht Bad Kissingen etwa mehr Wohnungen für Singles und Senioren? "Eine umfangreiche Wohnungsmarktanalyse wird derzeit erstellt", sagt Blankenburg und hofft auf fundierte Erkenntnisse für weitere Entscheidungen. Gerade für Alleinstehende gebe es aber bereits einen Trend: "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass tatsächlich Bedarf vorhanden ist in diesem Bereich, insbesondere auch für Wohnraum im niedrigen Preissegment." Auch die Entscheidung über neue Baugebiete will der OB von der Wohnungsmarktanalyse abhängig machen.

Eine weitere Folge des demographischen Wandels: "Die erfreuliche Situation, dass es mehr Kinder in Bad Kissingen gibt, hat natürlich auch zur Folge, dass wir uns im Bereich der Kindertagesstätten und Schulen entsprechend aufstellen müssen." Die Stadt sei "auf einem guten Weg in engem Austausch mit den Kindertagesstätten, die ja alle von freigemeinnützigen Trägern betrieben werden".

Blankenburg sieht bei der Bevölkerungsentwicklung keine Konkurrenz zu den Gemeinden im Umland: "Eine Differenzierung ergibt sich schon alleine durch Preisunterschiede beim Kauf von Bauland. Das ist in Bad Kissingen natürlich teurer als in den Dörfern des Umlandes", sagt der Bad Kissinger Oberbürgermeister. Letztlich sei es immer eine Entscheidung der Einzelpersonen und Familien, wo sie sich ihr künftiges Lebensumfeld vorstellen können. "Und da hat unsere Stadt sicherlich nicht die schlechtesten Karten."

"Viele waren vor vielen Jahren zur Kur hier und erfüllen sich jetzt den Traum, hier zu wohnen", berichtet Tanja Schottdorf vom Bürgerbüro über Gespräche mit Neubürgern. Vor allem viele Senioren zieht es nach Bad Kissingen, einen eindeutigen Trend kann Schottdorf aber nicht ausmachen: Es kommen Senioren gleich nach Beginn des Ruhestands und ältere, Paare und Einzelpersonen.

Vor allem am Zuzug von Senioren und dem dadurch höheren Durchschnittsalter hängt auch der deutliche Frauen-Überschuss in der Stadt: Haupt- und Nebenwohnsitze zusammen genommen gibt es 12 895 Frauen und 11 346 Männer.Besonders groß sind die Unterschiede bei Senioren: Beim Geburtsjahrgang 1929 etwa ist das Verhältnis 90 zu 42, beim Jahrgang 1936 beträgt es 190 zu 96. Trotzdem ist der älteste lebende Bad Kissinger ein Mann, Jahrgang 1913.

"Geburtsort: Bad Kissingen" gibt es fast nicht mehr

Seit der Schließung der Geburtsstation im St.-Elisabeth-Krankenhaus im Jahr 2015 ist die Eintragung von Bad Kissingen als Geburtsort eine echte Rarität geworden: Im Jahr 2017 gab es immerhin eine Geburt in der Stadt, im Jahr 2018 hat das Standesamt keine einzige Geburt beurkundet, auch nicht in den angeschlossenen Gemeinden Nüdlingen, Oerlenbach, Aura, Ramsthal, Euerdorf und Sulzthal.

Auf der anderen Seite hat das Bad Kissinger Standesamt in den insgesamt sieben Kommunen insgesamt 589 Sterbefälle beurkundet, das sind 32 Fälle oder 5,4 Prozent mehr als im Jahr 2017.

Die Zahl der Eheschließungen lag bei 195. Im Jahr 2017 waren es insgesamt 164. In den 195 Eheschließungen im Jahr 2018 sind auch vier Umwandlungen von eingetragenen Lebenspartnerschaften in die "Ehe für alle" enthalten. Ab diesem Jahr ist der östliche Eckrisalit im Luitpoldbad neu als Trausaal gewidmet, Bad Kissingen hat zudem acht weitere Trausäle: Zwei im Rathaus, den Sitzungssaal im Alten Rathaus, Grüner sowie Weißer Saal im Regentenbau, Salon Fontane im Arkadenbau, Orangerie an der Oberen Saline sowie den Treff im Turm im Zentralparkhaus.

Alterspyramide Früher nahm die Bevölkerung statistisch in jedem Lebensjahr ab, die grafische Darstellung der Einwohnerzahlen nach Jahrgängen (rechts) heißt deshalb auch heute noch Alterspyramide. Sinkende Geburtenzahlen haben aus der früheren Pyramide eher einen "Pilz" gemacht: So feiern ihren 1. Geburtstag heuer nur 165 Kinder in Bad Kissingen, der größte Jahrgang mit 200 Männern und 208 Frauen ist der Jahrgang 1960. Danach folgen die Jahrgänge 1940 und 1963 mit je 396 Einwohnern.

Nationalitäten Neben der deutschen gibt es in Bad Kissingen aktuell 100 verschiedene Nationalitäten: 1328 Bürger haben ausschließlich einen ausländischen Pass, 3569 haben mehrere Staatsbürgerschaften. Macht zusammen 4897 Bürger mit einer anderen als der deutschen Nationalität, allerdings ist bei 285 die Staatsangehörigkeit nicht geklärt. Die größte Ausländer-Gruppe sind 884 Personen mit russischem Pass, gefolgt von 604 Einwohnern, die (auch) die kasachische Staatsbürgerschaft haben, 389 Polen, 334 Syrern, 299 Rumänen, 152 Ukrainern, 146 Kroaten, 137 Afghanen, 119 Itelienern und 113 US-Amerikanern. Nur mit je einem Einwohner sind zum Beispiel Algerien, Sierra-Leone, Japan, Neuseeland oder Chile vertreten.

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