Aschach bei Bad Kissingen

Die Brücke ist eingehoben

Die Brücke über die Saale zwischen Aschach und Bad Bocklet gilt als gefährliches Nadelöhr für Fußgänger und Radfahrer. Ein Steg, der jetzt eingeschwenkt wurde, soll das ändern.
Muskelkraft gegen tonnenschwere Stahlkonstruktion: Arbeiter der Firma RST-Stahlbau aus Niederlauer bringen die neue Brücke über die Saale zwischen Aschach und Bad Bocklet in ihre endgültige Position.  Steffen Standke
Muskelkraft gegen tonnenschwere Stahlkonstruktion: Arbeiter der Firma RST-Stahlbau aus Niederlauer bringen die neue Brücke über die Saale zwischen Aschach und Bad Bocklet in ihre endgültige Position. Steffen Standke

Ein Ruckeln nur, ein leises Kratzen auf dem Asphalt - dann hebt sie ab, die 15 Tonnen schwere Stahlkonstruktion, gehalten von den starken Armen zweier Lastkräne. Es ist nur das "Anschlagen", das leichte Heben über den Boden, das "Gucken, wie sie hängt", wie Projektleiter Oliver Ziegler von der Firma Würzburger Kranverleih und Bergungsdienst es nennt. Doch wenige Minuten später wird der neue Steg für Fußgänger und Radfahrer über die Saale bei Bad Bocklet fest und sicher in seiner endgültigen Position liegen. Neben der alten Brücke, die einen gravierenden Makel aufweist.

Schon seit dem frühen Morgen war die Kreisstraße, die vom Kreisel bei Aschach hinunter in den Kurort führt, für den Verkehr gesperrt. Autos wären auch gar nicht durchgekommen, ruhten doch zwei große stählerne Elemente mitten auf der Saale-Überführung. Mitarbeiter der Firma RST-Stahlbau aus Niederlauer hatten die insgesamt 27,5 Meter lange Konstruktion erdacht, gebaut und mit Kunstharz beschichtet; jetzt schweißten einige sie zusammen und bereiteten sie fürs Einheben vor.

Der neue Steg war nötig geworden, weil die bestehende Brücke ein Nadelöhr darstellt. Fußgänger und Radfahrer müssen sich auf den schmalen Betonstreifen zwischen Straße und Geländer durchquetschen - oder gleich auf die Straße ausweichen. Kein Zustand für einen Fernradweg, der hier entlangführt, meint Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall . Aber auch für Fußgänger , speziell Kinder, sei die Engstelle gefährlich. Davon nutzten die Verbindung viele.

"Es war uns ein Anliegen, diese Stelle verkehrssicherer zu gestalten", sagt Landrat Thomas Bold ( CSU ). Fußgänger und Radfahrer sollten abseits des PKW-Verkehrs die Saale an dieser Stelle sicher überqueren können. 515 000 Euro lässt der Landkreis sich den Steg kosten. Ein Großteil davon wird staatlich gefördert.

Als der Landrat am frühen Montagnachmittag an der Baustelle eintrifft, ist die eingangs beschriebene Hebeprobe gerade vorüber. Arbeiter von RST-Stahlbau mischen gerade sogenannten Vergussmörtel und schütten ihn in rechteckige Aussparungen auf den Widerlagern aus Beton beiderseits der Flussufer. Dorthinein sollen später die Füße des stählernen Stegs passen. Der Mörtel kann erst jetzt geschüttet werden, darf er doch nicht vor dem Einheben aushärten.

Nur noch wenige Augenblicke, dann hebt sich die Konstruktion langsam über die Köpfe der inzwischen rund 30 Zuschauer. Eduard Hild und Matthias Volpert, die beiden Kranfahrer, schieben die 15 Tonnen Stahl mit Hilfe ihrer Ausleger in etwa zwei Metern Höhe sicher über das Geländer der Straßenbrücke hinweg, lassen sie sich behutsam Richtung Endlage senken. Unglaublich, aber wahr: Vier Arbeiter ziehen, schieben und ruckeln den schweren Steg mit bloßen Armen (und einem Schürhaken) in die richtige Position: "Bist Du drin?", "Bin drin."

Fast perfekt scheinen die Brückenkanten jetzt schon mit den Widerlagern abzuschließen. Was ein Irrtum ist. Denn noch ruht der Steg neben Lagern aus Hartgummi zusätzlich auf Hilfskeilen. Erst in ein paar Tagen, wenn der Vergussmörtel ausgehärtet ist, wird die Brücke hydraulisch nach dem Prinzip eines Wagenhebers angehoben und die Keile entfernt. Dann wird am Steg noch mal nachgemessen und -justiert.

Den gesamten Vorgang hat Projektleiter Oliver Ziegler mit großer Ruhe beobachtet. Seine Firma bekommt öfters spezielle Aufträge, wie zum Beispiel den Aufbau von Windanlagen. "Eine Stahlbrücke, die eingehoben werden muss, ist aber eher selten. Ganz einfach, weil die meisten Brücken aus Beton sind." Dass Straßenbrücke und Steg getrennt sind, hat zum einen statische Gründe. Zum anderen aber ersparte diese Bauweise eine monatelange Sperrung der Kreisstraße.

Auch wenn der Steg ausgerichtet und die Sperrung aufgehoben ist: Es wird noch bis Jahresende dauern, bis Fußgänger und Radfahrer ihn nutzen dürfen. An den Seiten werden noch Netze aus Edelstahl angebracht, genauso wie Abdeckbleche an den Übergängen von Widerlager zu Steg. Die Straßenbrücke wird mit Leitplanken versehen; sie sollen nur noch Autofahrer nutzen.

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