Bad Kissingen

Die Chef-Camper hören auf

Das Ehepaar Voll betreibt seit 10 Jahren den Zeltplatz. Jetzt endet ihr Pachtvertrag. Weniger Gästen und fehlende Investitionen haben Probleme gemacht.
Verabschieden sich nach zehn Jahren als Pächter des Campingparks Bad Kissingen: Judith und Joachim Voll.  Foto: Benedikt Borst
Verabschieden sich nach zehn Jahren als Pächter des Campingparks Bad Kissingen: Judith und Joachim Voll. Foto: Benedikt Borst
Eine Girlande mit blauen und grünen Blüten schmückt den Eingang zur Rezeption des Campingparks. Ganz oben, in der Mitte, befindet sich ein Schild mit einer großen, dunkelblauen Zehn. "Das haben uns Stammgäste geschenkt", sagt Judith Voll. Sie und ihr Mann Joachim betreiben die Anlage in der Euerdorfer Straße bereits im zehnten Jahr. Wie es nächstes Jahr weiter geht? Ungewiss. Sicher ist nur: "Wir haben uns nicht mehr als Pächter beworben", bestätigt Joachim.

Die zehnte Saison wird voraussichtlich zur Letzten für das Paar. Der Pachtvertrag läuft regulär zum Jahresende aus. Die Stadt hat das zwei Hektar große Areal Ende vor acht Wochen neu ausgeschrieben, zum Verkauf oder wahlweise zur Pacht. "Damit wollen wir die bestmöglichen Chancen auf eine Weiterentwicklung des Campingsparks ausloten", sagt Mario Selzer von der Öffentlichkeitsarbeit des Rathauses.


Einbruch bei Übernachtungen

Die Volls hätten sich ebenfalls auf die Ausschreibung hin bewerben können, haben ihr Interesse allerdings verloren. Sie sagen, vor allem weil die Anlage wirtschaftlich zu kämpfen hat. Der Campingplatz schreibt zwar keine roten Zahlen, aber "2017 ist das schlechteste in den vergangenen fünf Jahren", klagt Judith Voll. Zuletzt seien die Übernachtungszahlen bei den sogenannten Einnächtlern regelrecht eingebrochen, also bei Gästen auf der Durchreise, die spät am Abend ankommen und früh morgens wieder abreisen. Die Campingplatzbetreiber berichten zudem, dass aber auch immer mehr Stammgäste Bad Kissingen den Rücken kehren würden.


Vergleiche mit Niederbayern

Für die Probleme hat das Ehepaar im Wesentlichen zwei Gründe ausgemacht. Der Campingpark sei in die Jahre gekommen. Auch wenn nötige Reparaturen regelmäßig ausgeführt werden und die Anlage insgesamt einen gepflegten Eindruck macht, "vieles ist nach 30 Jahren einfach nicht mehr Standard", sagt sie. Die Ansprüche der Gäste an den Sanitärbereich und die Ausstattung an den Stellplätzen, beispielsweise in Bezug auf Internet-, Strom- und Wasseranschluss, seien gewachsen.

Das Paar bemängelt, dass die Stadt in der Vergangenheit zu wenig investiert hat. Deshalb sei der Campingpark auch in der für die Branche wichtigen ADAC-Bewertung von vier auf drei Sterne herabgestuft worden. "Wir werden aufgrund unserer Preise und der Kurtaxe aber mit den Plätzen im niederbayerischen Bäderdreieck (Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach, Anm. d. Red.) verglichen. Den Komfort der Plätze dort können wir nicht bieten", erklärt Joachim Voll.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird aus Sicht der Betreiber durch die Kurtaxe (3,50 Euro pro Tag je Erwachsener) zusätzlich belastet. Sowohl Einnächtler, als auch jüngere Gäste würden die Leistungen, die daraus resultieren, jedoch oft nicht in Anspruch nehmen. Viele wollen die zusätzliche Gebühr nicht zahlen und weichen deshalb auf andere Zeltplätze aus. "Wir haben zwei bis drei Jahre die Kurtaxe teilweise übernommen, aber das rechnet sich für uns nicht", berichtet Joachim Voll.


Beratung im Finanzausschuss

"Wir haben interessante Bewerbungen erhalten", schildert Mario Selzer die Reaktionen auf die Ausschreibung. Die Unterlagen werden derzeit im Rathaus ausgewertet und nach der Sommerpause im Finanzausschuss beraten. "Es ist das klare Bestreben der Stadt, einen neuen Betreiber oder Besitzer zu finden, so dass der Campingpark im nächsten Jahr unter neuer Leitung weitergeführt wird", sagt er weiter.

Er betont, dass die Stadt "jährlich einen fünfstelligen Betrag" in den Campingpark investiert hat, um den Bedürfnissen der Gäste nachzukommen und die technischen Voraussetzungen auf dem neuesten Stand zu halten. Zudem stehe eine größere Investition an. Die ebenfalls in die Jahre gekommene Wirtschaftsküche soll ertüchtigt werden. "Die Planung wird gemeinsam mit dem Amt für Lebensmittelkontrolle abgestimmt", sagt Selzer.

Die Volls sehen das skeptisch. Für den Campingpark lohne sich ein Vollküche nicht, Personal und Laufkundschaft würden fehlen. Eine kleine Bistroküche sei ausreichend, größere Investitionen würden an anderer Stelle eher gebraucht.

Objekt Der Campingplatz ist 21 700 Quadratmeter groß und ausgestattet mit einem Wirtschaftsgebäude inklusive Rezeption, Verkaufsladen, Gastraum, Wirtschaftsküche, Büro, WC und Lagerräumen. Dazu kommt ein Sanitärgebäude für die Camper mit Entsorgungsstation. Das Areal verfügt über 100 Stellplätze für Caravans und Wohnmobile.

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