Staatsbad Brückenau

Bad Brückenau: Kammerorchester will die Krise irgendwie überstehen

Seit Beginn der Corona-Krise hat das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau mit Absagen, Verlegungen und Fragezeichen zu kämpfen. Geschäftsführer Pavol Tkac spricht über Situation und Alternativen des BKO und seiner Musiker.
Da war die Welt noch in Ordnung, beim 30-jährigen Bestehen des Freundeskreises für das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau im Jahr 2018, in der Mitte Pavol Tkac im historischem Gewand von König Ludwig I. Zwei Jahre später gibt es viel Ungewissheit, aber  auch Ideen beim BKO. Foto: Kerstin Junker       -  Da war die Welt noch in Ordnung, beim 30-jährigen Bestehen des Freundeskreises für das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau im Jahr 2018, in der Mitte Pavol Tkac im historischem Gewand von König Ludwig I. Zwei Jahre später gibt es viel Ungewissheit, aber  auch Ideen beim BKO. Foto: Kerstin Junker
Da war die Welt noch in Ordnung, beim 30-jährigen Bestehen des Freundeskreises für das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau im Jahr 2018, in der Mitte Pavol Tkac im historischem Gewand von König Ludwig I. Zwei Jahre später gibt es viel Ungewissheit, aber auch Ideen beim BKO. Foto: Kerstin Junker

"Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst." Wie sehr sich Friedrich Schiller doch irren konnte. Denn zurzeit ist auch die Kunst bitterer Ernst. Das bekommt auch mit voller Wucht das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau (BKO) zu spüren. Geschäftsführer Pavol Tkac gab Auskunft über die Situation in Zeiten der großen Ungewissheiten.

Herr Tkac, wer heute auf die Homepage des BKO schaut, findet keinen Eintrag mehr über das "Frühlingskonzert", das am 25. April mit dem Trompeter Simon Höfele angekündigt war. Ist das abgesagt worden?

Pavol Tkac: Das stimmt, aber nicht ganz. Das Konzert wird nicht endgültig abgesagt, sondern verschoben. Wir nutzen die günstige Gelegenheit, dass wir mit dem Solisten, dem Trompeter Simon Höfele, im Dezember eine kleine Tournee geplant haben mit Konzerten in Aalen (3.12.), Germering (4.12.) und Langen bei Frankfurt (6.12.). So hat sich der 5.12. als eine sehr günstige Terminlücke erwiesen, die wir mit einem Konzert in Bad Brückenau füllen können.

BKO und Corona - das ist ein Thema, das vermutlich vor und hinter den Kulissen weit über diese eine Verschiebung hinausgeht.

Ja, es hat uns gleich zu Beginn dieser großen Krise erwischt. Wir hätten am 11. März zu einer dreitägigen Probenphase nach Nordrhein-Westfalen anreisen sollen, in den Kreis Steinfurt - das ist gar nicht so weit weg vom Kreis Heinsberg, einem der Epizentren der Corona-Krise. Der Tag davor war so ein intensiver Tag, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Ich war von 9 Uhr bis nachts um 0.30 Uhr im Büro, ständig in Kontakt mit den beiden Veranstaltern, die mit uns Konzerte in Steinfurt und Emden machen wollten. Es kam dann am Nachmittag von der Bayerischen Staatsregierung das offizielle Verbot von Veranstaltungen bis zum 19.4., wobei das zunächst alle staatlichen Opernhäuser , Theater, Orchester betraf. Wir haben das nur zur Kenntnis bekommen, um zu überlegen, ob wir ähnliche Maßnahmen einleiten. Abends um 19.30 Uhr hat einer der Veranstalter gesagt: Ja, das Konzert wird stattfinden, und um 22.30 Uhr hat er abgesagt. Um Mitternacht habe ich alle Musiker noch über verschiedene Kanäle zu erreichen versucht: Bitte am nächsten Morgen nicht in die Züge oder Autos steigen! Bleibt zuhause!

Wie ging das weiter?

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass es möglich war, mit beiden Veranstaltern die Konzerte auf den Pfingstsonntag und Pfingstmontag zu verschieben. Aber dann siegte die Skepsis wegen der zeitlichen Nähe. Denn bei den Gastspielen wurde uns bisher alles bis Mitte Juni abgesagt.

Das ist natürlich für alle eine erhebliche finanzielle Einbuße. Für die Musiker auf jeden Fall. Aber ist für das BKO ein Konzert, das nicht stattfindet, ein Konzert, das nichts kostet?

Jein. Also, die Ebene Musiker ist natürlich eine Katastrophe, denn bei uns sind die meisten Mitglieder Freiberufler, und von heute auf morgen wird ihnen die Existenzgrundlage entzogen, denn es finden keine Konzerte statt. Das heißt für den, der freiberuflich unterwegs ist, der nicht als Aushilfe verpflichtet wird, nicht bei Projektorchestern Geld verdienen, keine Gottesdienste spielen kann - mit Unterrichten ist es auch schwierig momentan - für den ist es echt schwer. Für das Kammerorchester ist das Hauptproblem die kurzfristige Liquidität. Wir können zurzeit keine eigenen Einnahmen generieren, und die Fixkosten haben wir nach wie vor. Wir müssen Mieten zahlen, wir müssen für die Geschäftsstelle Gehälter zahlen, wir haben im Zusammenhang mit den Absagen einige Auslagen, die man nicht mehr rückgängig machen konnte - also Stornogebühren bei den Hotels oder Kosten für gedruckte Werbung und Programme. Und dann gibt es Verträge, nach denen bei Ausfällen 50 Prozent des Mietentgeltes fällig werden. Wir versuchen, mit unseren vorhandenen Mitteln so zu haushalten, dass wir möglichst lange durchhalten, und dass wir die Krise irgendwie überstehen. Es ist nicht absehbar, wann wir wieder spielen können.

Gerade der Juni wäre für das BKO doch eigentlich ein lukrativer Monat gewesen?

Der Juni ist bei uns eigentlich ein sehr intensiver Monat. Wir hätten da nach dem abgesagten Konzert am 14. Juni in Nettetal auch den Auftritt bei den Rosetti-Festtagen im Ries am 20. Juni und vor allem die große Geschichte in der Frauenkirche in Dresden am 26. Juni, wo unser Freundeskreis hinfahren wollte - es liegen schon über 90 Anmeldungen vor. Das ist jetzt alles noch mit großem Fragezeichen versehen.

Können Sie Unterstützung vom Freundeskreis des BKO erwarten?

Da gibt es eine gute Möglichkeit. Wir haben die Mitglieder vor kurzem über die Verschiebung des Frühlingskonzerts informiert. Da ein Ersatztermin bereits feststeht, behalten die Karten ihre Gültigkeit. Wenn jemand weiß, dass er zu dem neu angesetzten Termin nicht kommen kann oder will, dann sind wir verpflichtet, die Eintrittsgelder zu erstatten. Aber wir würden uns wegen der kurzfristigen Liquidität sehr freuen, wenn die Leute darauf verzichten und den Betrag als Spende deklarieren. Wir würden dann auch eine Spendenbescheinigung ausstellen.

Wenn Sie rechtzeitig von dem Verzicht erfahren, können Sie die Plätze ja auch ein zweites Mal verkaufen. Wie ist das mit dem Solisten Simon Höfele? Im Moment wäre eine Absage ein Vertragsbruch, weil es für den 28. April noch kein offizielles Veranstaltungsverbot gibt. Müssen Sie ihm ein Ausfallhonorar bezahlen?

Wir haben mit seiner Agentur sehr offen gesprochen. Letztendlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Ohne behördliches Verbot könnte man eine Absage als Vertragsbruch werten, aber auch die Agentur und der Solist wissen, dass alle das Beste draus machen wollen. Konkret: Das Projekt Ende April umfasste drei Konzerte. Vom Frühlingskonzert haben wir die Verlegung noch in diesem Jahr erreicht. Ein Konzert in Tauberbischofsheim war glücklicherweise von den Veranstaltern noch nicht fertig geplant, und es sieht danach aus, dass wir das Konzert in den März 2021 verschieben können und sogar mit einem bereits fixierten Gastspiel in Ansbach kombinieren können. Das einzige, was nicht ging, war unser Gastspiel bei den Rathaustagen in Regensburg. Aber da war uns allen die zeitliche Nähe zu riskant angesichts der Entwicklung. Der Juni 2021 ist bereits fest verplant. So haben wir den Vertrag mit den Regensburgern einvernehmlich aufgelöst, mit dem Versprechen, dass wir 2022 wieder dran sind. Ein Ausfallhonorar für den Solisten wird nicht fällig.

Besteht die Gefahr, dass die öffentlichen Zuschussgeber sagen: Wenn kein Konzertbetrieb, dann auch weniger Zuschüsse?

Das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. Unsere Hoffnung ist, dass das nicht so ausgelegt wird. Kürzlich gab es genau dazu eine Videokonferenz der nichtstaatlichen Orchester in Bayern. Das BKO hat in dieser Situation den Vorteil, dass es keine festangestellten Musiker hat. Deshalb gibt es auch bei uns keine Themen wie Kurzarbeit. Aber die Lage ist ernst.

Wie geht es Ihren Musikern gesundheitlich?

Wir haben glücklicherweise noch keine Nachricht, dass jemand von Corona betroffen ist. Jetzt hoffen wir, dass wir unser Sommerkonzert am 18. Juli spielen können.

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