Maria Bildhausen

Die Kunst trifft Ordensgeschichte

Sechs zeitgenössische Künstler stellen im Haus Nivard auf dem Rindhof in Maria Bildhausen aus. Die Malerei, Skulpturen und Installationen werden in unverändertem Ambiente gezeigt.
Thomas Pfarr betrachtet ein Kunstwerk von Kurt Grimm im Keller vom Haus Nivard. Alle Räume werden in ihrem Ist-Zustand belassen. Die Ausstellung 'Nivard I' mit Werken von sechs Künstlern wird am Sonntag eröffnet. Foto: Thomas Malz       -  Thomas Pfarr betrachtet ein Kunstwerk von Kurt Grimm im Keller vom Haus Nivard. Alle Räume werden in ihrem Ist-Zustand belassen. Die Ausstellung 'Nivard I' mit Werken von sechs Künstlern wird am Sonntag eröffnet. Foto: Thomas Malz
| Thomas Pfarr betrachtet ein Kunstwerk von Kurt Grimm im Keller vom Haus Nivard. Alle Räume werden in ihrem Ist-Zustand belassen. Die Ausstellung "Nivard I" mit Werken von sechs Künstlern wird am Sonntag eröffnet.

Da ist es ein Heiligenbildchen, dort ein kleines Weihwassergefäß. In fast jedem Raum gibt es Zeitzeugen der Geschichte zu entdecken. Haus Nivard war einst der Sommersitz des letzten Abtes von Maria Bildhausen , dort durfte Nivard auch nach der Säkularisation seinen Lebensabend verbringen. Seine Geschichte endete 1812, die des Hauses ging weiter. Dort wohnten die Schwestern der St.Josefskongregation, die sich um die Landwirtschaft des Klosters und die Menschen mit Behinderungen kümmerten, die dort arbeiteten. 1986 war auch damit Schluss. Nun hat Thomas Pfarr von der Galerie Pfarr im Heimatspielhaus das Haus Nivard aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. "Es ist eine Herausforderung, dieses historische Haus mit zeitgenössischer Kunst zu bespielen", sagt er. Der Galerist hat die Herausforderung angenommen.

Seit 2006 organisiert Thomas Pfarr Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern in wechselnden historischen Gebäuden. So hat er schon zweimal die alte Mühle im Kloster Maria Bildhausen bespielt. Inzwischen ist er eingebunden in die Gesamtkonzeption des Skulpturenparks auf dem Rindhof mit seinem Golfplatz. Rudolf und Marco Weigand, die Eigentümer des Areals, haben sich der zeitgenössischen Kunst verschrieben und Skulpturen von Bernar Venet und Kurt Grimm auf dem großzügigen Gelände installiert.

Das Haus Nivard, das einzige denkmalgeschützte Gebäude auf dem Rindhof, reizte Thomas Pfarr. Die Künstler Margit Aumüller, Beate Debus, Walter Graf, Kurt Grimm, Willi Grimm und Herbert Hamak waren sofort dabei. Aber: "Ohne die großzügige Unterstützung der Hausherrn Rudolf und Marco Weigand wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen", betont Thomas Pfarr.

"Nivard I" hat Thomas Pfarr die Ausstellung benannt, sie beschränkt sich aber nicht nur auf das Haus selbst. Im Außenbereich stehen neben den Plastiken von Bernar Venet und Kurt Grimm nun auch Werke von Beate Debus und Willi Grimm. Dazwischen ein alter Handwagen, der seine besten Tage schon hinter sich hat. Der gehört zum Rindhof und seiner Geschichte. Deshalb gehört er auch zur Ausstellung, und dieses Konzept setzt sich im Haus fort.

Thomas Pfarr beschreibt die besondere Situation: "Die Fassade des Hauses , das 1790 im Stil des Klassizismus errichtet wurde, ist komplett in seinem Erbauungszustand erhalten." Doch innen zeige das herrschaftliche Haus die Geschichte der letzten 70 Jahre. Unter anderem ein zweiflügeliges Portal im Obergeschoss erinnert an den Sommer- und späteren Alterssitz des letzten Abtes . Dort war später das Refektorium der Schwestern untergebracht. Die wechselnde Nutzung ist besonders im Erdgeschoss brutal zu erkennen. Die weißen Fließen erinnern an die Großküche, in der für Schwestern, Betreute und Angestellte der Landwirtschaft gekocht wurde. Das alles bleibt wie es ist. Nichts wird verändert, die Räume so mit den Kunstwerken bespielt. Das ist Handschrift von Thomas Pfarr. "Wir stellen nicht nur aus, wir gestalten Räume und stellen gegenüber in der Situation, wie sie jetzt ist."

Vom Keller über Erd- und Obergeschoss bis hin zum Boden und Spitzboden wird das Haus Nivard bespielt. Seit nunmehr zwei Wochen laufen die Vorbereitungen. Hilfe haben Thomas Pfarr und die Künstler neben den Hausherren auch von Architekt Ulrich Zühlke und nicht zuletzt von den Handwerkern vor Ort erfahren. Denn die mussten teils kräftig anpacken.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die die Vielfalt zeitgenössischer Kunst zeigt. Kunst, die im Haus Nivard noch einmal eine Sicht aus einem ganz besonderen Blickwinkel heraus erlaubt. Am Sonntag, 20. September, wird sie eröffnet. Die Veranstalter verweisen ausdrücklich auf die geltenden Hygienevorschriften wegen Corona.

Wer? Margit Aumüller (Malerei), Beate Debus (Skulpturen), Walter Graf (Skulpturen), Kurt Grimm (Skulpturen), Willi Grimm (Skulpturen), Herbert Hamak (Skulpturen). Organisator ist Thomas Pfarr von der Galerie Pfarr im Heimatspielhaus.

Wo? Die Ausstellung ist im Haus Nivard, Rindhof 1 in Münnerstadt-Maria Bildhausen zu sehen.

Wann? "Nivard I" findet vom 20. September bis 25. Oktober statt. Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Die Vernissage ist am Sonntag, 20. September, um 14 Uhr. Die Einführung übernimmt Stefan Hoffmann.

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