Bad Kissingen

Die Party zum Abschied musste leider ausfallen

Nach 30 Jahren geht der Mediziner Dr. Wolfram Franke in den Ruhestand.
Der Mediziner Dr. Wolfram Franke (65) vor der DRV-Klinik Rhön kurz vor seinem Wechsel in den Ruhestand       -  Der Mediziner Dr. Wolfram Franke (65) vor der DRV-Klinik Rhön kurz vor seinem Wechsel in den Ruhestand
Foto: Sigismund von Dobschütz | Der Mediziner Dr. Wolfram Franke (65) vor der DRV-Klinik Rhön kurz vor seinem Wechsel in den Ruhestand

Eigentlich wollte sich der Mediziner Dr. Wolfram Franke nach 30-jähriger Tätigkeit für die Deutsche Rentenversicherung (DRV) und nach Jahren als ärztlicher Leiter der drei Bad Kissinger DRV-Kliniken Rhön und Saale sowie der Marbachtalklinik "mit einer schönen Show im Regentenbau" von allen 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich in den Ruhestand verabschieden. Wegen der Corona-Beschränkungen kam es nur zu einem virtuellen Abschied: Brigitte Gross, für den Reha-Bereich verantwortliche DRV-Direktorin, bedankte sich am Freitag über Video bei Wolfram Franke für seine vielfachen Verdienste.

"Ein virtueller Abschied ist unbefriedigend." Enttäuschung klingt aus diesem Satz, doch als langjähriger Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (seit 1994) weiß Franke damit umzugehen. "Ich habe mich seit längerer Zeit in Gesprächen mit Menschen in gleicher Lebenslage mental auf diesen Tag vorbereitet und künftige Tätigkeiten geplant."

Planmäßig verlief auch der Werdegang des Mediziners. Als Vierjähriger kam Franke, im Mai 1955 in Berlin geboren, nach Bad Kissingen , da sein Vater als Chefarzt an die gerade eröffnete Rudolf-Wissel-Klinik (DRV Berlin) wechselte.

Nach Abitur und Bundeswehr entschied sich Franke gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Gudrun für das Studium der Tiermedizin in Hannover, wechselte aber nach dem Physikum 1977 zur Humanmedizin an die Uni Erlangen. Dort erwachte seine Liebe für die Psychologie und Psychosomatik . Franke: "Durch die Verknüpfung natur- und geisteswissenschaftlicher Aspekte kommt man dem Menschlichen besonders nahe."

Nach beruflichen Stationen in Tauberbischofsheim und Bamberg sowie ersten Erfahrungen in der Organisation einer psychosomatischen Großklinik als Oberarzt in Bad Neustadt wurde der 35-Jährige im März 1991 Leitender Arzt der noch im Bau befindlichen DRV-Klinik Rhön in seiner Heimatstadt Bad Kissingen , der ersten eigenen psychosomatischen Klinik der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), wie sich die DRV damals noch nannte. "Mancher bei der BfA fremdelte noch mit dem neuen Gebiet der Psychosomatik ", blickt der 65-Jährige auf jene Anfangszeit zurück. "Heute ist die Psychosomatik nach der Orthopädie die Nummer Zwei aller durchgeführten Reha-Verfahren in Deutschland."

Begeisterung für Arztberuf

Seine Begeisterung für den Arztberuf und der daraus folgende berufliche Erfolg zeigten sich in den Folgejahren auf vielfältige Weise: Im Jahr 1993 entwarf Franke als Co-Autor die Anforderungsprofile zur Qualitätssicherung in der medizinischen Reha, gründete 1994 den noch heute bestehenden Kissinger Qualitätszirkel für psychosomatische Reha, erarbeitete sich ärztliche Qualifikationen und Weiterbildungsbefugnisse in mehreren Fachrichtungen.

Zehn Jahre später wurde er 2003 zum ärztlichen Leiter der Kliniken Rhön und Saale (DRV Bund) ernannt, 2007 zum Sprecher der ärztlichen Direktorinnen und Direktoren der Klinikgruppe DRV-Bund und zusätzlich 2010 Leitender Arzt der Marbachtalklinik (DRV Oldenburg-Bremen).

"Mit der Frankenklinik und der Rehaklinik am Kurpark ist Bad Kissingen der einzige Standort mit fünf DRV-Kliniken", betont der heimatverbundene Kissinger, der in der Schönheit des Staatsbades mit seinen historischen Gebäuden, eingebettet in wunderschöne Naturlandschaft, ein "fantastisches Kulturerbe" sieht, dass die Nachgeborenen unbedingt bewahren und weiterentwickeln sollten. "Davon leben wir, damit leben wir, das macht Bad Kissingen so lebens- und liebenswert."

Viel vorgenommen

Nicht nur die ausgefallene Abschiedsfeier betrübt den Mediziner. Als seit 1994 tätiger Facharzt für Psychosomatik weiß er um die aktuelle Gefahr der Corona-Pandemie für Menschen mit Neigung zu psychosomatischer Erkrankung. Kontaktverbote und Ängste um Arbeitsplatz und berufliche Existenz seien eine besondere Belastung. "Halten Sie unbedingt Kontakt über Video, Telefon und soziale Netzwerke", rät der Facharzt. "Gehen sie spazieren, treiben Sie Sport. Beschäftigen Sie sich mit geistig Anregendem und sprechen Sie auch mit jemandem darüber. Machen Sie etwas Schönes und Erfreuliches."

Anregendes, Schönes und Erfreuliches hat sich der Pensionär auch für seinen Ruhestand vorgenommen. Einerseits will Franke seinem Arztberuf treu bleiben und als Lehrtherapeut und Supervisor angehende Fachärzte und Psychologen ausbilden, als Coach für Führungskräfte und als Gerichtsgutachter tätig sein. In der freien Zeit will er mehr lesen, als Musikfreund die Angebote des Kissinger Sommers und der Bayreuther Festspiele nutzen und als Mitglied des Rotary-Clubs die Kontakte zu französischen Clubs stärken. Wolfram Franke liebt Burgund und dessen Wein, weshalb er von der dortigen Weinbruderschaft sogar zum Chevalier du Tastevin ernannt wurde. "Aber Frankenwein trinke ich auch gern." Auch die italienische Region Piemont, bekannt für erlesene Küche und Weine, besucht er immer wieder gern. In jungen Jahren reiste er gern nach Übersee oder mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking über Moskau nach Berlin. Inzwischen zieht es Franke vor, mit dem Auto durch Europa zu reisen. "Ich bin ein überzeugter Europäer.

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