Thundorf

Dorf Weisensee verschwand - was steckt hinter der Sage?

Nach einer Sage waren die Bewohner des unterfränkischen Dorfes Weisensee wohl nicht sehr gläubig: Deshalb ist der Ort verschwunden.
Das Bild zeigt die Gemarkung Weisensee. Foto: Philipp Bauernschubert       -  Das Bild zeigt die Gemarkung Weisensee. Foto: Philipp Bauernschubert
Das Bild zeigt die Gemarkung Weisensee. Foto: Philipp Bauernschubert

Zwischen Thundorf und Theinfeld, unweit vom Dürrnberg, liegt die Flurgemarkung "Weisensee". Dort gab es vor 400 bis 500 Jahren an einem kleinen See einen Ort gleichen Namens. Es geht die Sage, dass dieses Dorf auf eine denkwürdige Weise untergegangen sei.

Es war am Morgen des Ostersonntags. In der Sakristei der Dorfkirche stand der greise Pfarrer mit kummervollem Gesicht, denn seine Pfarrkinder bereiteten ihm schwere Sorgen. Überall feierte man die Auferstehung des Herrn, nur im Gotteshaus von Weisensee ließ sich keine Menschenseele blicken, obwohl er doch noch tags zuvor von Haus zu Haus gegangen war und die ihm Anvertrauten auf den Knien angebettelt hatte, sie möchten doch wenigstens am Ostersonntag zum Gottesdienst kommen.

Sage aus Unterfranken: Was passierte mit Weisensee?

Nicht einmal der Küster war gekommen, um die Glocken zu läuten. Statt in die Kirche zu gehen, machten sich die Haßbergbauern lieber auf den Weg in die Dorfwirtschaft. Traurig stand der Pfarrer an der Wand gelehnt, als plötzlich die Glocken zu läuten begannen. Er blickte erstaunt auf und sah auf der Schwelle der Sakristei einen Jüngling in weißem Gewand stehen. Dieser ergriff das Messbuch und schritt voran zum Altar . Mit gewaltigen Klängen ließ die Orgel das Lied "Großer Gott wir loben dich" feierlich erschallen.

Als der Pfarrer nach der Messe seine Gewänder abgelegt hatte, nahm ihn der Jüngling bei der Hand, und ihr Weg führte sie von der Kirche weg durch das Dorf. Aus der Dorfkneipe hörten sie schon von Weitem die johlenden und grölenden Stimmen der Bauern : "Was brauchen wir einen Herrgott?", lachten sie höhnisch. Und weiter spotteten sie: "Ist der vielleicht schon einmal zu uns herab in unsere Einöde gestiegen und hat uns geholfen, den harten, steinigen Boden zu bearbeiten? Wo bleibt er denn, wenn das Wild unsere Äcker verwüstet ? Hätte der Allmächtige da oben doch einmal seine Allmacht gezeigt, als die Herren im Frühjahr zur Jagd bliesen und die Wildhatz über die Saatfelder flog! Ha, wir brauchen keinen Gott , schon gar keinen, der sowieso nur zu den Herrenleuten hält." Die beiden gingen weiter. Sie sahen durch die Fenster, wie die jungen Frauen sich amüsieren. Statt zur Messe zu gehen, machten sie sich lieber hübsch für den Nachmittagstanz unter der Dorflinde. Und je mehr der Pfarrer gescholten hatte, umso toller haben sie es getrieben. Nein auch die Frauen von Weisensee brauchten keinen Herrgott.

Die Häuser des Dorfes lagen inzwischen hinter dem Pfarrer und seinem Begleiter. Sie stiegen den Dürrnberg hinauf. Der alte Pfarrer wunderte sich, dass ihm das Gehen so leicht fiel, wo ihm doch sonst immer der Atem ausging. Schon waren sie oben. Doch als der Pfarrer sich nach seinem geheimnisvollen Führer umschaute, war dieser verschwunden. Allein und einsam stand er da.

Da näherte sich auf einmal von den Rhönbergen eine schwarze Wolke. Die wuchs zu einer riesigen Größe. Blitze zuckten, und der Donner klang wie das Dröhnen schwerer Schmiedehämmer. Und ganz plötzlich lag es wie lodernde Flammen über dem Dorf Weisensee. Der Erdboden bebte. Es rasselte und ratterte, es zischte und heulte und dann war plötzlich Stille. Die Sonne schien wieder, und nur ein paar Wolkenfetzen jagten noch am blauen Himmel. Der Pfarrer aber sah dort, wo sein stattliches Kirchdorf stand, nur noch glucksenden Sumpf und Moor. Aus der Tiefe drang summendes Glockengeläute an sein Ohr. Er stand da und lauschte. Da kam auf einmal vom Himmel herab ein flammendes, grelles Licht. Es umflutete ihn mit verzehrender Glut und nahm seine Seele mit; dorthin, wo das strahlende Angesicht Gottes leuchtet.

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