Hammelburg

Die Stadt Hammelburg gedenkt der deportierten jüdischen Mitbürger

Am Holocaust-Gedenktag stellte die Stadt in einer würdigen Feier ihren Beitrag zum Projekt "Denkort Deportationen" vor.
Unter anderem Bürgermeister Armin Warmuth und Pfarrer Burkhard Hose legten Steine zum Gedenken ab. Foto: Ralf Ruppert
Unter anderem Bürgermeister Armin Warmuth und Pfarrer Burkhard Hose legten Steine zum Gedenken ab. Foto: Ralf Ruppert

"Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind." Dieses Zitat des verstorbenen Bundespräsidenten Roman Herzog stellte der aus Hammelburg stammende Pfarrer und Buchautor Burkhard Hose über seine Rede zum Holocaust-Gedenktag in Hammelburg . Die Stadt, die Kirchengemeinden sowie Schüler und Lehrer des Hammelburger Gymnasiums erinnerten würdig und emotional an die Deportation jüdischer Mitbürger aus Hammelburg , Westheim und Untererthal .

Bürgermeister Armin Warmuth hatte das Datum für die Vorstellung der symbolischen Gepäckstücke ausgewählt, mit denen sich die Stadt Hammelburg am Projekt "Denkort Deportationen 1941 bis 1944" beteiligt: Je ein Koffer, ein Rucksack und eine aufgerollte Decke aus Beton und Metall werden im April in Würzburg aufgestellt. In den kommenden Wochen stehen sie nun zunächst auf dem Hammelburger Marktplatz. Als Verbindung in die ehemaligen jüdischen Gemeinden gibt es Kopien in Hammelburg , Westheim und Untererthal . Bürgermeister Warmuth bezeichnete die Gepäckstücke als "Medien des Gedenkens". "Sie waren Hammelburger wie wir", zitierte Warmuth aus der Rede seines Vorgängers Arnold Zeller in der Gedenkstätte Yad Vashem, und fügte hinzu: "Ich bin stolz, Bürgermeister einer Stadt zu sein, in der die Erinnerungskultur so würdig gepflegt wird."

"Wir wollen erinnern, um zu lernen, wie wir widerstehen", sagte Katharina Wehinger zum pädagogischen Konzept des Denkort-Projektes. Es gehe darum, die Mechanismen von Ausgrenzung und Gewalt zu verstehen: " Hass ist nicht einfach da, er wird gemacht."

Angst vor einer Wiederholung

Pfarrer Hose warnte davor, die Nazi-Verbrechen einfach als unmenschlich abzutun: "Auschwitz macht eben nicht die Unmenschlichkeit sichtbar, sondern es macht sichtbar, wozu wir Menschen aus unserem Alltag heraus fähig sind." Umso wichtiger sei es, sich nicht nur zu erinnern an die Menschen, "die in Straßen wohnten, in denen wir heute wohnen". Hose sprach von der "unglaublichen Möglichkeit der Wiederholung". Der katholische Pfarrer berichtete, dass Überlebenden der Shoa diese Angst immer wieder geäußert hätten. "Neben der Erinnerung ist deshalb Wachsamkeit von uns gefordert", betonte Hose.

Schüler des Hammelburger Gymnasiums trugen zudem vor, was sie heute wohl im Fall einer Deportation mitnehmen würden: Handy, Kuscheltier oder Bücher waren darunter, weil den Deportierten ihre Wurzeln und ihre Würde geraubt wurde. Als Zeichen der Erinnerung legten zum Schluss die Teilnehmer Steine auf die Gepäckstücke.

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