Münnerstadt

Die Wannig ist ein Biberparadies

Kleinwenkheim hat sich zum Biberhotspot im Stadtgebiet entwickelt. Das verändert den Lauf der Wannig.
Bürgermeister Helmut Blank und Andreas Schlembach begutachten den Biberdamm, der binnen einer Woche  kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Großwenkheim entstanden ist.Heike Beudert       -  Bürgermeister Helmut Blank und Andreas Schlembach begutachten den Biberdamm, der binnen einer Woche  kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Großwenkheim entstanden ist.Heike Beudert
Bürgermeister Helmut Blank und Andreas Schlembach begutachten den Biberdamm, der binnen einer Woche kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Großwenkheim entstanden ist.Heike Beudert
Binsen und Sauerampfer wachsen neuerdings auf einer Wiese am Ufer der Wannig bei Kleinwenkheim. Dafür sorgt das Bibervorkommen in dem kleinen Bachlauf. Für den Landwirt Andreas Schlembach ist das kein gutes Zeichen. Die neuen feuchtigkeitsliebenden Gewächse eignen sich nicht als Viehfutter. Dafür aber nutzt der Landwirt die Wiesen entlang der Wannig.
An der Wannig scheinen Biber besonders gute Lebensbedingungen zu finden. Dafür sprechen die acht Dämme im Bereich von Kleinwenkheim, die sich auf einer Wegstrecke von wenigen hundert Metern wie Perlen auf einer Kette reihen - größere und kleinere sind darunter. Sie verändern das Bild der Landschaft. Eine seiner Wiesen konnte Andreas Schlembach in diesem Jahr nicht mehr komplett mähen. Sie ist einfach zu feucht geworden. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite zeigt Schlembach auf ein Getreidefeld. Obwohl Mitte September, steht die Feldfrucht noch immer auf dem Acker. Ein Kollege Schlembachs kann nicht ernten, weil der Acker zu nass geworden ist. Ja, sagt Schlembach, er bekomme Entschädigung für den Ertragsausfall. "Aber die Tiere fressen keine Fünf-Euro-Scheine", ergänzt er. Denn wenn er seine Wiesen nicht bewirtschaften kann, fehlt ihm für den Winter das Grünfutter. In diesem Jahr ist ein Zukauf zwar kein Problem, in trockenen Jahren aber gibt es Engpässe. Andreas Schlembach klagt über Wertminderung für seine Wiesen und über den zusätzlichen Arbeitsaufwand. Die Kontrolle der Dämme kostet immer mehr Zeit. Fünf bis sechs Stunden in der Woche verbringt Andreas Schlembach damit. Die Zeit fehlt ihm auf dem Hof.
Schwieriger wird die Situation aber auch für die Stadt Münnerstadt. Die Stadt ist für den Gewässerunterhalt an der Wannig zuständig. Immer öfters müssen die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit Bagger und Gerätschaften anrücken, um für einen Abfluss der Wannig zu sorgen. Dieses Mal hat es nur eine Woche gedauert, bis einer der Biberdämme bei Kleinwenkheim fast wieder auf ursprüngliche Größe angewachsen war.
Anders als die Landwirte gibt es für den städtischen Aufwand kein Geld aus dem Biberentschädigungsfond. Die Stadt bleibt auf ihren Kosten sitzen. Wie hoch die sind, ist bislang noch nicht ermittelt worden. Die Verwaltung habe aber den Auftrag, die Aufwendungen zusammenzutragen, erklärt Bürgermeister Helmut Blank auf Anfrage. Neben den Arbeitskosten beklagt auch die Stadt eine Wertminderung eigener landwirtschaftlicher Flächen, die sie an Bauern verpachtet hat(te) und die Biberland geworden sind wie am Bibersee in Großwenkheim.
Im Bereich von Kleinwenkheim hat Helmut Blank noch eine andere Sorge. Was ist, wenn ein aufgestauter Damm plötzlich bricht? Nah an der Wannig liegen Parkplätze und Produktionshallen der Firma Vorndran. Blank weiß nicht, ob sie in einem solchen Fall überschwemmt würden.
Helmut Blank fordert deshalb ein Konzept für den gesamten Landkreis, wie Kommunen mit der Situation umgehen sollen. Denn Münnerstadt stehe mit diesem Problem nicht alleine. Die Untere Naturschutzbehörde versuche zu helfen, wo es geht, meint der Pressebeauftragte des Landratsamtes, Steffen Höffler. Die Mitarbeiter würden im Rahmen ihrer Möglichkeiten vor Ort Biberdämme überprüfen und unternähmen selbst auch kleinere Engriffe, um den Wasserfluss freizumachen. Ein von Blank gefordertes Konzept sei allerdings nicht in Arbeit. Aktuell sei auch an eine finanzielle Entlastung der betroffenen Gemeinden nicht gedacht.
Der Bayerische Bauernverband fordert, dass der Biber mit ins Jagdrecht aufgenommen wird, erläutert Georg Scheuring, der Geschäftsführer des BBV-Kreisverbandes Bad Kissingen. "Der Biber ist keinesfalls mehr selten", betont Scheuring. Momentan sei es noch ein riesiges Problem, einen Problembiber zu entnehmen. Befürchtungen der Jägerschaft, die Landwirtschaft wolle damit die Anerkennung von Wildschäden, widersprach er. Mittlerweile sehe selbst die Untere Naturschutzbehörde die Bibersituation differenzierter, ist Scheurings Eindruck.

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