Bad Brückenau

Dirigentenwechsel im Staatsbad

Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau: Sebastian Tewinkel kommt, Johannes Moesus geht - und bleibt noch ein wenig
Sebastian Tewinkel ist der neue Chefdirigent. Foto: Vincent Stefan       -  Sebastian Tewinkel ist der neue Chefdirigent. Foto: Vincent Stefan
Sebastian Tewinkel ist der neue Chefdirigent. Foto: Vincent Stefan

Gemunkelt wurde ja schon vor einiger Zeit. Aber jetzt, da die neuen Jahresprogramme des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau druckfrisch in den Versand gegangen sind, ist es auch amtlich: Chefdirigent Johannes Moesus gibt im Sommer 2019 sein Amt als Chefdirigent auf und ab an Sebastian Tewinkel.

Das kommt vielleicht alles ein bisschen plötzlich, aber überraschend ist es nicht. Hinter den Kulissen lief und läuft der Vorgang in absolut geordneten Bahnen. Dass Johannes Moesus sich verändern wollte - man nennt das gerne "neue Herausforderungen suchen" - war schon seit zwei Jahren bekannt. "Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagt Orchestergeschäftsführer Pavol Tkác, der sich ungerne an den ziemlich holprigen Abschied des Orchestergründers und ersten Chefdirigenten Ulf Klausenitzer 2007 erinnert. Nach fünf Jahren mit ständig wechselnden Gastdirigenten unterschieb schließlich Johannes Moesus zum 1. 1. 2012 einen Dreijahresvertrag als Chefdirigent. Er war der Wunschkandidat des Orchesters gewesen. Dass das kein Irrtum war, zeigt die Tatsache, dass der Vertrag vorzeitig um weitere drei Jahre bis 2018 verlängert wurde.

Insofern überrascht es, dass Johannes Moesus sozusagen immer noch da ist: bis Mitte 2019. "Das ist mit ihm so abgesprochen und macht auch Sinn", sagt Pavol Tkác. Denn im Sommer 2019 feiert das BKO sein 40-jähriges Bestehen, und da lag es nahe, dass der Mann, der das Orchester in den letzten sechs Jahren geprägt hat, auch das Festkonzert dirigiert - und das ist nun mal im Sommer . Und Sebastian Tewinkel beginnt dann seine Arbeit mit der neuen Spielzeit 2019/20 - auch wenn die Brückenauer eigentlich in Kalenderjahren planen.

Johannes Moesus will sich zu seinem Schritt - noch - nicht äußern. "Ich bin ja noch da", sagt er. Und da hat er Recht. Es sind ja alleine in Bad Brückenau noch das Dreikönigskonzert (5. Januar), das Frühlingskonzert (6. April) und das Sommer- und Festkonzert (20. Juli) mit der Klarinettistin Sabine Meyer. Außerdem stehen bis zum Sommer noch Gastspiele des Orchesters in Würzburg, Northeim, Wiesbaden, Hückelhoven, Kleve sowie beim Kissinger Sommer und bei den Rosetti-Festtagen im Ries auf dem Terminplan. Für ein Projektorchester wie das BKO und seinen Dirigenten ist so etwas Vollbeschäftigung.

Eine Ausschreibung hat es für den freiwerdenden Chefdirigentenposten nicht gegeben. "Wir haben uns in den letzten Jahren die Gastdirigenten immer genau angeschaut und mit dem Orchester besprochen, ob das jemand für uns sein könnte", sagt Pavol Tkác. Denn das Orchester hat seine speziellen Anforderungen. Sebastian Tewinkel war vor zwei Jahren schon einmal zu Gast. Da sei man sich sehr schnell einig gewesen. Und er musste auch nicht lange gebeten werden.

Sebastian Tewinkel ist ja nun auch kein Unbekannter. Der 47-Jährige aus Unna in studierte zunächst Schulmusik in Hannover und Dirigieren bei Thomas Ungar in Stuttgarter. Seine Karriere nahm schnell Fahrt auf. Er leitete schon bald das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks , die Bamberger Symphoniker , die Münchner Philharmoniker , die Radio-Philharmonie Hannover, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und viele andere. Im Ausland dirigierte er das Orquestra Metropolitana Lissabon, das St. Petersburg Academic Symphony Orchestra und das Iceland Symphony Orchestra. In letzter Zeit wurde er wiederholt zum Christchurch Symphony Orchestra, zum Hamamatsu Philharmonic Orchestra sowie zum Orquestra Ciudad de Granada eingeladen.

Von 2002 bis 2013 war Sebastian Tewinkel Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim und von 2009 bis 2015 der Kammerphilharmonie Graubünden in Chur. Seit dem Wintersemester 2010/11 ist er außerdem Professor für Orchesterleitung an der Musikhochschule Trossingen. Seit 2018 ist Chefdirigent des Landesjugendorchesters Nordrhein-Westfalen. Seit 2015/16 ist er GMD und Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie.

Für die Besucher der Konzerte wird sich durch den Wechsel relativ wenig ändern. Das Orchester wird noch dasselbe sein, und es wird weiterhin im König-Ludwig-I.-Saal seine Jahreszeitenkonzerte und andere Veranstaltung geben. Der Unterschied zwischen den beiden Dirigenten liegt in der Programmgestaltung. Johannes Moesus hat seine Konzerte immer mit Themen versehen: "Vielschreiber", "Brüder", "Verbündete" oder "Entdecker". Nach diesen Themen suchte er die Werke aus, natürlich mit einem gewissen Schwergewicht auf Vorklassik und Klassik. Aber er brachte nicht nur weniger bekannte Namen aus dieser Zeit, sondern auch Werke aus dem Barock und der Moderne, bis hin zu Uraufführungen.

Sebastian Tewinkel hat einen anderen Ansatz: Er spezialisiert die Konzerte auf bestimmte musikalische Formen: Bei ihm heißen die Themen "Suite", " Divertimento " oder "Concerto grosso". Sie zeigen, dass derartige Formen nie an bestimmte Epochen gebunden waren. Das Thema seines Antrittskonzerts, des Herbstkonzerts am 21. September, ist das bekannteste: "Sinfonie in G" mit Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart - natürlich alle in G-dur oder g-moll.

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