Bad Kissingen

Django Asül im Kurtheater von Bad Kissingen

Am Stehtisch und mit einem Weißbier in der Hand watschte Django Asül verbal Politiker ab - stellenweise in einer Geschwindigkeit, dass das Publikum kaum hinterher kam.
Django Asül im Kissinger Kurtheater. Klaus Werner
Django Asül im Kissinger Kurtheater. Klaus Werner

"Es war die Kettensäge, nicht das Florett ..." - frei nach Shakespeare nahm der Kabarettist Django Asül die weltpolitischen und bundesdeutschen Kuriositäten des Jahres 2019 aufs Korn. Vor ausverkauftem Parkett im Staatlichen Kurtheater hetzte er im Minutentakt durch die apokalyptischen Niederungen des politischen Establishments und ließ dabei in satirischer Übertreibung die Köpfe rollen.

Den rund 300 Gästen im Kurtheater gefiel der "Rückblick 2019" - so der Titel des zweistündigen Programms, das von dem niederbayrischen Kabarettisten mit heißer Nadel gestrickt worden war und das er aufgrund seiner aktuellen Bezüge nur für eine Übergangszeit auf der Bühne präsentieren wird. Als rein symbolische Stütze hielt er ein dickes Manuskript in den Händen. Dem war aber auch der kabarettistisch-zynische Stil geschuldet: Stichwort um Stichwort wurde mit knappen, teils kuriosen Überleitungen aufgerufen, mal oberflächlich in Bild-Zeitungs-Manier abgearbeitet, mal geschickt konterkariert, um am Ende den oder die politisch Verantwortliche/n mit einer Pointe publikumswirksam abzuwatschen. Das Ganze ging dabei in einer solchen Geschwindigkeit, dass das Publikum mit seiner Reaktion hinterher hinkte und nur selten zum spontanen Applaus ansetzen konnte, wenn es den nächsten Gag nicht verpassen wollte.

Wie immer genügte Django Asül , der seit einem knappen Vierteljahrhundert auf den Kabarettbühnen gastiert, ein Stehtisch und darauf ein Weißbier, das für ihn der Zeitmesser für eine Programmhälfte ist: Ist das Glas geleert, geht es in die Pause, damit das Glas frisch gefüllt werden kann. Den ersten Applaus gibt es somit auch für den Mitarbeiter, der mit einem frisch eingeschenkten Weißbier die jeweilige Programmhälfte eröffnet.

Für den Niederbayer mit türkischen Wurzeln war 2019 ein Jahr mit einer unglaublichen Wertschöpfungskette, die dem Kabarettisten ein Füllhorn an Themen bereitstellte. So verband er die Pisa-Studie, bei der unter anderem herauskam, dass Schüler Schwierigkeiten haben, einen Text zu erfassen, mit dem Niedergang der SPD . Ein guter Stichwortgeber waren auch die USA und natürlich Präsident Trump. Der Syrien-Konflikt wurde zur "Win-Win-Win-Win-Situation" erklärt, denn "USA ist raus, Türkei ist drin, Assad ist zufrieden und Putin hat die Kontrolle".

Innenpolitisch lieferte Andreas Scheuer das Stichwort für das "Maut-Desaster", wobei die Verträge mit den Betreibern alles offenlegen - "bis auf die Geheimabsprachen". Scheuers Ritterschlag für die E-Roller, die für Gehwege zugelassen sind, wurde zum zynischen Problemlöser für Verkehr und Umwelt deformiert: "Erst gehypt, dann überall leer rumliegend, durch alte Diesel-Transporter eingesammelt und mit tschechischem Atomstrom geladen." Die Minuszinsen "als Diätriegel der Finanzbranche" werden von Banken als "Abwehrmaßnahme zum Schutz vor Neukunden" eingesetzt und sind für Django Asül Ausdruck einer missratenen EZB-Strategie, die der kleine Mann ausbaden muss. Auch hier personalisiert er seine bissigen Anmerkungen, wenn er EZB-Chefin Christine Lagarde eine Untersuchung aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin um die Ohren schlägt und daraus folgert, dass krimineller Tatendrang ein Auswahlkriterium für EU-Posten sei. Sein ironischer Ratschlag für den kleinen Mann: "Die Geldentwertung und die Minuszinsen durch noch mehr Sparen ausgleichen."

Im Galopp ging es durch das bayrische Mathe-Abitur, dass im Sommer für Schlagzeilen und 73 000 Protest-Unterschriften bei 37 000 Abiturienten sorgte, wie Django Asül behauptete. Gestreift wurde "Fridays-for-Future" mit Prophetin Greta Thunberg als "Retterin des Weltklimas", deren CO2-neutrale Segelpartie auf dem Katamaran mit "Carbon wächst ja bekanntlich im Bayrischen Wald" kommentiert wurde. Karikiert wurde Söders politische Häutung zum "grün sein ohne die Grünen". Humorisiert wurde die Vorliebe von "AKK" für Fettnäpfchen oder das Rezzo-Video zur "Zerstörung der CDU ", das mit Philipp Amthor einen Widersacher auf den Plan rief, der als 27-Jähriger erfolgreich einen 67-jährigen Politiker mimt. Die "gescheiterte Ehe" der GroKo waren ebenso Anmerkungen wert wie die Habecks Fauxpas mit der Pendlerpauschale oder Altmaiers Weltraumgesetz, mit dem er sich der Milchstraße widmet, statt sich um einen funktionierenden Personennahverkehr zu kümmern - personalisiert: "Altmeier ist die deutsche Antwort auf Homer Simson."

Trotz des pessimistischen Rückblicks gab es zum Ende einen versöhnlichen Django Asül für die begeisterten Zuschauer: "Bewahren Sie sich ihren Zweckoptimismus - Sie werden ihn noch brauchen."

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