Reiterswiesen

"Dorothea" steht jetzt im Waldpark auf dem Deegenberg

Die Figur ist eine Hommage an Professor Deegs Mutter - ohne sie, sagt er, würde es die Deegenbergklinik nicht geben.
Bildhauer Klaus Metz (rechts) mit Auftraggeber Peter Deeg (Mitte) und Autor Nils Aschenbeck an seiner Bronzeskulptur der heiligen Dorothea Foto: Sigismund von Dobschütz       -  Bildhauer Klaus Metz (rechts) mit Auftraggeber Peter Deeg (Mitte) und Autor Nils Aschenbeck an seiner Bronzeskulptur der heiligen Dorothea Foto: Sigismund von Dobschütz
Bildhauer Klaus Metz (rechts) mit Auftraggeber Peter Deeg (Mitte) und Autor Nils Aschenbeck an seiner Bronzeskulptur der heiligen Dorothea Foto: Sigismund von Dobschütz

Seine Liebe zur Kunst und die Liebe zu seiner 1992 verstorbenen Mutter Dorothea vereinen sich in der von Bildhauer Klaus Metz (Langenleiten) geschaffenen lebensgroßen Skulptur der heiligen Dorothea, die Professor Peter Deeg (78) vor wenigen Monaten im Waldpark auf dem Deegenberg aufstellen ließ. Jetzt erschien dazu das 80-seitige, reichlich bebilderte Buch "Skulpturen im Waldpark der Deegenbergklinik " (9,95 Euro) mit Texten von Peter Deeg , Nils Aschenbeck, Klaus Metz und Karl Lubomirski, das ab sofort im örtlichen Buchhandel erhältlich ist.

Achtzehn Monate brauchte Bildhauer Klaus Metz (52) von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung der 1,75 Meter hohen und 3,5 Zentner schweren Heiligen-Skulptur. Zunächst war ein Bildstock geplant. "Doch ich wollte ein lebendiges Abbild schaffen", verwarf Metz diesen Gedanken. Wie genau jene Jungfrau Dorothea aussah, die um das Jahr 305 in Caesarea (Zentralanatolien) den Märtyrertod starb, ist nicht überliefert. Deshalb schuf sich Metz, dessen wohl bekanntestes Kunstwerk und heutiges Wahrzeichen Schmalkaldens die zur Landesgartenschau 2015 geschaffenen überlebensgroßen Bronzefiguren Martin Luthers , Philipp Melanchthons und Elisabeth von Thüringen sind, durch entsprechende Lektüre über die Heilige ein eigenes, "ein inneres Bild einer sehr schönen Frau". Mit seiner Darstellung will der Bildhauer "über das Kirchliche hinaus" eine beruhigende Wirkung auf den Betrachter erreichen.

Wertschätzung für die Mutter

War Dorothea Deeg (1910-1992) eine Heilige ? "Nein, eine Heilige im kirchlichen Sinn war sie gewiss nicht", widerspricht ihr Sohn. "Sie war ein Mensch mit Stärken und Schwächen, aber in ihrem Wesen humanistisch geprägt." Mit Aufstellung der Bronzestatue will er seine Wertschätzung und Dankbarkeit ihr gegenüber zeigen: "Ohne sie würde es die Deegenbergklinik nicht geben." Sie habe viel erdulden und erleiden müssen, aber trotzdem nie aufgegeben. Sie habe sich vielem ergeben müssen, aber nie nachgegeben. "Meine Mutter hat es immer verstanden, Konflikte zu lösen und Menschen für sich einzunehmen."

Bemühen um Harmonie

Dies bestätigt der mit ihr befreundete Tiroler Lyriker Karl Lubomirski (80) im Buch mit den ersten Zeilen seiner längeren Widmung: "Sie war da. Und ob der andere verfemt, gemieden, verleumdet, geächtet, verurteilt, gefangen, arm oder begütert. Sie war da." Dieses Bemühen um Ausgleich und Harmonie, sich auch bei unterschiedlicher Meinung "immer als Mensch begegnen" zu können, habe er von seiner Mutter gelernt und im Umgang mit Patienten und Mitarbeitern gut nutzen und umsetzen können, ist Klinikchef Peter Deeg seiner Mutter dankbar.

Liebhaber konservativer Kunst

Von der Mutter geerbt hat Peter Deeg auch seine Liebe zur Kunst, wobei er ähnlich wie sie das Konservativ-Gegenständliche dem Modern-Abstrakten vorzieht. So ist nicht nur das Privathaus bestückt mit Kunst unterschiedlicher Art, sondern auch im Waldpark der Deegenbergklinik stößt man auf längst verwitterte Skulpturen. Sein erstes Sammlerstück, eine Frauenbüste des Bildhauers Ferdinand Tietz (1708-1777), dessen Hauptwerke in den Gärten von Schloss Seehof und Schloss Veitshöchheim stehen, erwarb der Mediziner schon vor 50 Jahren als Student. Seitdem kam eines zum anderen. "Kunst und Medizin sind Geschwister. Sie brauchen einander. .... Die Kunst führt beide, den Arzt und den Patienten, in eine Welt der Sinne und Sinnhaftigkeit", schreibt Peter Deeg auch in dem von ihm jetzt herausgegebenen Buch .

Wunsch: eine Skulpturen-Allee

Doch es ist nicht nur der medizinische Ansatz, der Deeg als Kunstsammler antreibt. Es ist vor allem das Gefühl einer kulturellen Verbundenheit und einer sich daraus ergebenden Verpflichtung zum weiteren Ausbau einer von der Mutter schon begonnenen Kunst- und Kulturlandschaft auf dem Deegenberg. Irgendwann will er aus seiner losen Sammlung auf dem Deegenberg gern eine Skulpturenallee mit weitem Ausblick in die Naturlandschaft schaffen, deren Endpunkt ein noch zu fertigendes Kunstwerk sein sollte. "Momentan ist es nur eine Idee, noch fehlt mir ein Konzept."

"Im besten Sinne altmodisch"

Nils Aschenbeck, der bereits 2016 die Biografie " Peter Deeg - Verstrickt im 20. Jahrhundert" über den Vater veröffentlichte, führt in seinem kulturhistorischen Textbeitrag "Theo-Metrik. Das Land, seine Schönheit" das Gefühl einer kulturellen Verpflichtung bei Mutter und Sohn Deeg auf den Burgherrn und Minnesänger Otto von Botenlauben und dessen Gemahlin Beatrix zurück, die mit ihrem Frauenrother Epitaph und der Madonna von Lauter in der Region bereits vor 800 Jahren "einen kulturellen Fußabdruck hinterließen". In heutiger Zeit, in der Kunst und Kultur bedroht und alles eher funktional ausgerichtet sei, seien Peter Deeg und vormals seine Mutter Dorothea nach Aschenbecks Meinung "in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihrem Interesse an Gestaltung und Schönheit eine Ausnahmeerscheinung" und "im besten Sinne altmodisch".

Informationen zum Buch : Peter Deeg (Hrsg.): "Skulpturen im Waldpark der Deegenbergklinik ", Boreas-Verlag, gebunden, 82 Seiten, Preis: 9,95 Euro, ISBN 978-948123-03-1

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