Gauaschach

Ein Dorf im Ausnahmezustand

Wenn die Gauaschacher zur Prunksitzung rufen, ist Sitzfleisch gefragt. Aber die Halle ist an beiden Abenden ausverkauft.
Fesch anzusehen und in der Lieblingsfarbe der Frauen: Das Gauaschacher Männerballett. Bianca Volkert
Fesch anzusehen und in der Lieblingsfarbe der Frauen: Das Gauaschacher Männerballett. Bianca Volkert

Der Faschingsverein erfreut sich großer Beliebtheit im Ort. Bei 650 Einwohnern sind 70 aktive Tänzer mit den Trainerinnen und Betreuer für die Gauaschacher Carnevals Abteilung (GCA) unermüdlich im Einsatz. Prunksitzung ist die wichtigste Veranstaltung des Vereins und bedeutet den Auftakt zur heißen Endphase des Faschings. Der Sitzungspräsident Frank Oswald führte gewohnt souverän durch das fünfstündige abwechslungsreiche Programm, das pünktlich um 19.11 Uhr begann.

Die Purzelgarde eröffnete das bunte Treiben ohne jede Scheu vor großen Publikum. Die Trainerinnen Helene Karl und Katharina Rapsch sind selber noch nicht volljährig. Um die Aufsichtspflicht zu gewährleisten, stehen zu jedem Training die Elternteile zur Seite.

Pelzig's gehören seit 2002 fest zum Programm. Fast in der Originalbesetzung betraten Daniel Ziegler, Markus Göbel und Gerhard Scheuer (löste 2018 Franz Göbel ab) auch heuer die Bühne. Göbel roch politischen Angstschweiß und Hartmut bekam Ratschläge wie er seine körperlichen Schwerpunkte, besonders um den Hüftbereich, gleichmäßiger verteilen könne. Auf den Rat von Dr. Göbel, mehr Obst und Kräuter zu sich zu nehmen, meinte dieser: "Mach ich doch! Im Jägermeister sind 56 Kräuter und auf meiner Lieblingsflasche steht Obst(ler)."

Den "Wilde Westen" brachte die sechs- bis neunjährigen Minis, zwölf Cowgirls und ein Cowboy, in den Saal. Julia Weissenberger und Cynthia Teubert trainieren seit vielen Jahren die "Minis" und unterstützen den Verein bei den Faschingsveranstaltungen im Küchenbereich.

Alfons (Löser) ein Original aus Obersfeld, von Beruf Holzknecht, erzählte im Dialekt aus seinem schweren Leben. Noch traumatisiert von seiner Kommunion - da musste er so viel Senf essen bis die Gläser für alle Gäste reichten -, erzählte er Anekdoten aus seinem Arbeitsleben bis hin zu den hessischen Urlaubern mit Sprachbarrieren.

Die jungen Damen der Prinzengarde (16 bis 18 Jahre) glänzten nicht nur wegen den schönen schillernden Uniformen. Die beiden Trainerinnen Stefanie Weber und Lisa Schultheis unterstützen den Verein auch in anderen Bereichen tatkräftig. Der Höhepunkt des Abends zeichnete sich ab als Finn, ein Bauer aus Obersfeld, aus seinem Leben erzählte. In Reimform und mit Gesang meisterte der siebenjährige Finn Reichert seine Bütt komplett auswendig! Musikalisch wurde er von seiner Mutter auf dem Akkordeon begleitet. Die beiden rissen das Publikum mit.

Professionell tanzte die Juniorgarde der GCA in türkisfarbenen Uniformen. Die 14- bis 16-Jährigen werden von Eva Ziegler und Franziska Schmitt trainiert. Die beiden Trainerinnen meistern seit zwei Jahren neben Schule und Ausbildung ihre Aufgabe mit Bravour. Sophie Schmidt aus Obersfeld und Melissa Wirth aus Aura stehen ihnen zur Seite.

Ronja Reichert, das zehnjährige Tanzmariechen, spiegelte die Vielseitigkeit ihrer Trainerin Emily. Atemberaubend, schmissig und gelenkig wirbelte Ronja über die Bühne. Obwohl Emily seit zwei Jahren wegen ihres Studiums in Würzburg wohnt, lässt sie es sich nicht nehmen zusätzlich das Tanzmariechen zu trainieren und selbst als aktive Tänzerin in Prinzengarde und Showtanzgruppe zu fungieren.

Bürgermeister Armin Warmuth sagte in seiner Ansprache: "An Fasching kann man vieles machen, Hauptsache man kann drüber lachen". Und schon füllte sich die Bühne für den Aschicher Volkstanz "Die Robbe" mit Akteuren, Publikum und Bürgermeister Warmuth als Stargast-Robber.

Die Kirber-Burschen, Gerhard Scheurer und sein neunjähriger Sohn Max, machten sich bei der Fahrt zur Versorgungsstation am Gessbarch (deutsch: Geißberg) so allerlei Gedanken über das vergangene Dorfgeschehen. Es fehlt halt überall und bei Geld hört die Moral auf.

Ende einer närrischen Karriere

Die Politik, Deutschland und die Welt nahm Hauptmann Küppers, alias Rolf Herzel aus Rottendorf, zwischen Kimme und Korn. Scharf schoss er auf die sich einschleichende allgemeine Oberflächlichkeit und Doppelmoral. Der 55-jährige Tierarzt steht seit 44 Jahren auf der Bühne. Mit "99 Jahre sind genug" gab er zur Überraschung aller sein Bühnenende bekannt.

Die Showtanzgruppe aus Gauaschach zeigte mit "Die Waschisch aus Aschi vom Wischmop zum Dancefloor" eine Höchstleistung auf der Bühne, die viel Kondition abverlangte. Barbara Rosenberger aus Altbessingen leitet die Showtanzgruppe seit zwei Jahren. Das Gauaschacher Männerballett unter dem Kommando von Melanie Schmähling und Lisa Schultheiß, zeigte sportlich-weiblich bis divers, was elf Freunde so alles können.

Die Showtanzgruppe der Hammelburger Karnevalsgesellschaft (HaKaGe) setzte sich mystisch, kämpferisch, kriegerisch und versöhnlich für die Liebe in der Welt ein. Vanessa Horteux, verantwortlich für die Choreografie kann stolz auf ihre Truppe sein. Der Gastverein Faschingsclub Selbsthilfe Ebenhausen e.V. präsentierte sich in großer Abordnung mit Tanzgarde, Prinzessin Carina I.

Der Dank nach den beiden unterhaltsamen Abenden galt auch den vielen helfenden Händen in der Küche und hinter der Theke, meistens Fußballer aus dem eigenen Verein und den Hausmeistern. Gauaschach ist ein gutes Beispiel, was mit viel Engagement und Zusammenhalt in der Bevölkerung auf die Beine gestellt werden kann.

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