Münnerstadt

Ein Fingerzeig aus dem Himmel?

Vor 25 Jahren schlug ein Blitz in das Obere Tor ein, wodurch der marode Zustand des einmaligen Stadtturms in den Fokus rückte. Es sollten zwar noch ein paar Jahre vergehen, aber der Blitzeinschlag bildete den Grundstein für die Sanierung.
Das Obere Tor ist ein Wahrzeichen Münnerstadts.  Foto: Thomas Malz       -  Das Obere Tor ist ein Wahrzeichen Münnerstadts.  Foto: Thomas Malz
Das Obere Tor ist ein Wahrzeichen Münnerstadts. Foto: Thomas Malz

Ein kleines Foto, darunter ein paar Zeilen: In der Zeitung vom 28. März 1995 wurde von einem möglichen Blitzschlag in das Obere Tor am Tag zuvor berichtet, worauf die Stadtverwaltung aus Sicherheitsgründen die komplette Einfahrt sperren ließ. Aus gutem Grund, wie sich später herausstellen sollte. Tatsächlich war ein Blitz eingeschlagen, das Dach lag nicht mehr auf, Ziegel waren herabgefallen und Teile aus der Decke des Durchgangs herabgestürzt.

Die Stadtverwaltung ging davon aus, dass dringend etwas getan werden muss, was zwei Tage später in der Zeitung zu lesen war. Offensichtlich war der Turm viel mehr in Bewegung geraten, als zuvor vermutet.

Bemühungen um eine Sanierung des Turms sind aber viel älter, reichen in die 1950er Jahre zurück. Risse, die offensichtlich durch Bomben entstanden sind, die in der Nähe des Turms eingeschlagen waren, weiteten sich durch Erschütterungen, den der übermäßige Verkehr mit sich brachte. 1958 wurde der Turm gesichert.

1981 verursachte ein Blitzschlag schwere Schäden, die ausgebessert wurden. Zwei Jahre später krachte es wieder. Untersuchungen zeigten auf, dass das Obere Tor an Altersschwäche litt. Der Altstadtbeirat forderte in seinem Ausblick auf das Jahr 1984, dass die Sanierung des Oberen Tores vorrangig behandelt werden müsste.

Aber statt einer Sanierung gab es andere Pläne. So sollte der Turm im Jahr 1985 für den Fremdenverkehr geöffnet werden. Ein Jahr später dann entstand die Idee, das Obere Tor durch die Fachhochschule Würzburg/Schweinfurt zu nutzen.

Anfang 1990 beschloss der Stadtrat dann, knapp 900 000 Mark für die Sanierung des Turms in den Haushalt einzustellen, losgehen sollte es im Herbst. Doch daraus wurde nichts. 1994 hieß es dann, dass die Schäden gar nicht so groß seien wie zunächst befürchtet. Man wollte das Obere Tor weiter beobachten, was auch weitaus kostengünstiger als eine Sanierung war. Allerdings hatte die Stadt damals auch andere kostenintensive Aufgaben zu bewältigen.

Und dann kam vor 25 Jahren jener Blitzeinschlag, der alles verändern sollte. Der Durchgang blieb zunächst geschlossen, die Straße wurde schnell wieder freigegeben. Zunächst war geplant, lediglich die Blitzschäden zu beheben. Bei einem Ortstermin im September stellte ein Gremium aus Fachleuten fest, dass es zwar Schäden gebe, Einsturzgefahr allerdings nicht bestehe. Das größte Problem war der Durchgang.

Und so ließ die Stadt nach mehr als einjähriger Sperrung des Durchgangs ein Provisorium errichten, ein Fußgängerunterweg aus Holz, der die Menschen vor herabfallenden Teilen schützen sollte.

Nichts hält bekanntlich länger als ein Provisorium, und so sollte die Holzkonstruktion die Münnerstädter und deren Gäste die nächsten sieben Jahre begleiten.

"Erschreckender" Zustand

1996 fielen ein paar Steine herab, ein Jahr später wurde der Zustand des Stadttors nach eingehenden Untersuchungen von Fachleuten als "erschreckend" bezeichnet.1998 begannen dann Arbeiten zur Sicherung des Tores durch den Einbau von Stahlträgern. Dann herrschte wieder Ruhe.

Während Menschen dem alten Wahrzeichen fernbleiben mussten, zogen Tauben und anderes Getier in des Turm ein. Ihre Ruhe wurde erst im Jahr 2002 gestört. Da gab es wieder einmal eine Besichtigung der Schäden. Und dann ging es plötzlich schnell. 2003 wurde die statische Sicherung in Angriff genommen. Im August entschied der Stadtrat, den Turm umfassender zu sanieren, weil das Gerüst ohnehin schon stand. Für diese Entscheidung gab es Beifall der Gäste im Rathaus. Inzwischen hatte der Altstadtverein ein Spendenkonto für die Sanierung eingerichtet.

Ein Meilenstein war die Gründung des Vereins "Freunde des Oberen Tores" im November 2003. Wolfram Graeber wurde Vorsitzender, Bärbel Will seine Stellvertreterin. Elisabeth Gopp führte die Kasse, und Hedwig Schreiner wurde Schriftführerin. Erklärtes Ziel des Vereins: die Begehbarkeit des Oberen Tores.

Von da an war die Spendenbereitschaft , aber auch das ehrenamtliche Engagement bei den Münnerstädtern riesengroß. Auch wenn es den einen oder anderen Rückschlag gab, von nun an war es eine Erfolgsgeschichte. 2004 wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Ergebnis: ein sanierter Stadtturm ohne Zugang. Nun kämpfte der Verein um einen Zugang, was sich als nicht so leicht erwies. Dank unzähliger Spenden wurde zu Weihnachten 2006 eine Metalltreppe installiert. Von nun an war der 37 Meter hohe Turm bei besonderen Anlässen begehbar. Es folgte die Innensanierung und die Sicherung der Türmerstube. Die möchte Wolfram Graeber wieder mit Mobiliar versehen.

In letzter Zeit ist es zwar wieder etwas ruhiger geworden um das Obere Tor, aber dank einer mutigen Entscheidung des Stadtrats, eines großen Engagements der Münnerstädter und großzüger Förderung durch die Denkmalbehörden ist das uralte Tor saniert und begehbar geworden. Möglicherweise würde es noch heute einen gefährlichen Dornröschenschlaf halten, wenn der Blitz vor 25 Jahren nicht eingeschlagen hätte.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Münnerstadt
  • Denkmäler
  • Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt
  • Gefahren
  • Kommunalverwaltungen
  • Sanierung und Renovierung
  • Sanierungsarbeiten
  • Spendenbereitschaft
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Stadttore
  • Städte
  • Türme
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!