Bad Kissingen

Ein Landkreis sagt Nein zur Stromtrasse

Die Bürger des Landkreises protestieren mit ihrer Unterschrift gegen die geplante Stromtrasse "SuedLink". Mit ihrem Widerstand wollen sie die Mega-Masten von ihrer Heimat fernhalten.
Bad Kissingen — Mit so großem Interesse hat Ludwig Neeb nicht gerechnet. "In meinen zwölf Jahren als Bürgermeister erlebe ich das in dieser Form zum ersten Mal", sagt er. 250 bis 300 Einwohner der Marktgemeinde Elfershausen seien bisher gekommen, um mit ihrer Unterschrift ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen einen Plan, für den sie in ihrer Heimat keinen Platz sehen.

Die Trasse "SuedLink" soll Strom aus dem Norden in den Süden bringen. Die Masten wollen die Netzbetreiber entlang der Autobahn A 7 und somit in direkter Nachbarschaft zu einigen Dörfern des Landkreises aufstellen lassen. Viele Bürger fürchten negative Folgen für sich und schlechte Einflüsse auf ihre Heimat, die Natur, die Landschaft und die Wirtschaft. Immer mehr sprechen sich gegen das Projekt aus. "Es ist schon außergewöhnlich, dass so viele kommen und sich in die Liste eintragen", meint Ludwig Neeb. "Die Leute hier haben schon die Autobahn nebenan. Sie wollen nicht noch die Stromtrasse parallel dazu."

Frage nach dem "Ob" noch offen

Wie Ludwig Neeb haben 25 weitere Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Landkreis sowie der Landrat eine Resolution gegen die Trasse "SuedLink" unterzeichnet. Jochen Vogel, Bürgermeister von Motten, hat nicht lange überlegt. Die Bevölkerung soll es ihm nun gleichtun. Unterschriftenlisten gegen den Plan liegen in Gasthöfen, beim Bäcker, Metzger und im Rathaus aus. "Die Leute haben die Sorge, dass die Trasse kommt. Die Listen werden gut angenommen." Vogel befürchtet, dass besonders Speicherz und das Biosphärenreservat betroffen sein könnten, wenn die Stromtrasse eingerichtet wird. "Wenn jetzt plötzlich die Trasse durch die Kernzone rauschen darf, dann verstehe ich Vieles nicht mehr." Geht es nach ihm, müsse erst noch einmal über das "Ob" gesprochen werden.

Gut gefüllte Listen

Der Schondraer Bürgermeister Bernold Martin sieht das ähnlich. Für ihn ist die Diskussion um die geplanten Mega-Masten längst nicht beendet. Auch in seiner Gemeinde liegen die Listen an vielen öffentlichen Stellen aus. "Die sind jetzt schon sehr gut gefüllt. Wir mussten schon kopieren und neue auslegen", sagt Bernold Martin. Am meisten seien die Singenrainer besorgt, deren Wohnhäuser direkt im Korridor für die Trasse liegen. "Die Leute fühlen sich berührt." Deshalb füllen sie die Felder mit Namen, Anschrift und Unterschrift aus.

Leute sind betroffen und berührt

Anton Kiefer, Mitarbeiter der Stadt Bad Brückenau hofft auf ein "gutes Ergebnis", also "verdammt viele Unterschriften". "Wenn wir uns dem vierstelligen Bereich nähern oder ihn übertreffen, wäre das gut", sagt Anton Kiefer. "Die Resonanz ist da." In der Stadt werden die Listen in vielen Geschäften und im Rathaus schon rege ausgefüllt. "Die Trasse ist bei der Bevölkerung ein Thema."
Jetzt auch noch die Stromautobahn ertragen? Für Oberthulbas Bürgermeister Gotthard Schlereth verträgt diese Frage ein kleines Nein. "Die Stromtrasse würde uns massiv betreffen", sagt er. Holzrechte, Wald und Jagd würden durch das Vorhaben beeinträchtigt, meint er. Viele Bürger der Marktgemeinde wollen sich nicht kampflos die Trasse "vor die Nase setzen lassen". Deshalb unterschreiben sie in den Listen.
Im Mai wollen sich die Bürgermeister samt ihren ausgefüllten Listen treffen. Diese wollen sie Ministerpräsident Horst Seehofer präsentieren. Sie bauen auf seine Unterstützung.



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