Oberthulba

Ein Leben am Teich

Lebensmittel sollen heute möglichst regional und nachhaltig produziert sein. Wie das aussehen kann, zeigt Christoph Hein aus Reichenbach mit seiner Fischzucht.
Christoph Hein aus Reichenbach an einem seiner Teiche. Foto: Johannes Schlereth
Christoph Hein aus Reichenbach an einem seiner Teiche. Foto: Johannes Schlereth

Christoph Hein aus Reichenbach ist ein vielbeschäftigter Mann. Neben seinem Studium hat er noch einen Vollzeitjob: Er ist Teichwirt. Der 24-Jährige züchtet verschiedene Arten von Forellen und Saiblingen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die ihn im höchsten Maße fordert und trotzdem seine Leidenschaft ist.

Fische begleiten ihn bereits seit langem. Den Jugendfischereischein machte er schon mit zehn Jahren. "Sobald sich die Gelegenheit dann geboten hat - habe ich den richtigen Fischereischein gemacht", sagt Christoph Hein . Zu dem Zeitpunkt war er etwa 14 Jahre alt. Mittlerweile hat der Reichenbacher sein Hobby zu einem Gewerbe gemacht. "Mir hat sich dann die Möglichkeit geboten, Teiche zu pachten. Da habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen." Das war vor knapp drei Jahren. Seitdem züchtet er in mehreren Teichen im Landkreis Bad Kissingen heimische Speisefische wie Saiblinge und Forellen.

Immer etwas zu tun

Mit Massentierhaltung hat seine Arbeit wenig zu tun: "Ich füttere keine Medikamente, die Besatzdichte in den Teichen ist niedrig und die Fische haben Zeit zum Wachsen." Seine Forellen und Saiblinge bleiben bis zu zweieinhalb Jahre in den Teichen. Quellwasser speist die natürlichen Teiche mit Kiesbett. Das Wissen aus seinem Masterstudium im Chemieingenieurwesen helfe ihm bei der Bewirtschaftung der Teiche sehr. "Ich muss manche Wasserparameter berechnen. Das Wissen aus dem Mathe-Abi reicht dafür nicht aus", sagt er. "Die Wasserqualität ist das A und O - es muss in den Teichen alles im Einklang sein." Denn seine Fische haben gewisse Ansprüche an das kühle Nass. Insbesondere der Seesaibling sei wählerisch. Die Parameter kontrolliert er mehrfach in der Woche. Damit allein ist es jedoch nicht getan: "Ich schaue täglich mehrmals nach meinen Tieren, außerdem kontrolliere ich die Zu- und Abläufe", zählt er auf.

Wie viele Fische der Reichenbacher im Wasser hat, kann er nicht sagen. "In dem Geschäft geht es ja nach Gewicht - und nicht nach Stückzahl." Eine genaue Masse lässt sich allerdings auch nicht nennen. "Durch die Fütterung gibt es ja einen täglichen Zuwuchs am Gewicht, und durch Bestellungen kommen wieder Fische aus den Teichen raus." Seine Schätzung zur Fischmasse in den zwölf Teichen beläuft sich auf zwei bis drei Tonnen. Das klingt zunächst nach einer großen Menge. Aber das Fischgewicht verteilt sich auf alle zwölf Teiche. "Pro Teich sind das dann um die 200 Kilogramm", sagt der 24-Jährige. Außerdem sind die Fische alle unterschiedlich groß, die Fische haben also ausreichend Platz, um sich zu bewegen. "Man sieht das Ergebnis, die Tiere sind fit und gesund", sagt er. Von Heins Arbeit ist auch der Bezirk Unterfranken überzeug. Die Fischereifachberatung führt ihn neben zwei anderen Züchtern im Landkreis in einer Broschüre zum Fischeinkauf.

Seine jungen Fische bekommt er im Alter von zwei Monaten. "Da wiegt ein Setzling dann etwa fünf Gramm." Hein setzt dabei auf Fische der Kategorie 1. "Die Züchter der Setzlinge sind EU-zertifiziert und garantieren mir eine Seuchenfreiheit". Die Tiere bleiben bei ihm, bis sie mit einem Gewicht von rund vier Kilogramm schlachtreif sind. Hein schlachtet nur auf Bestellung. "Dadurch lässt sich garantieren, dass der Kunde frischen Fisch erhält." Das dauert maximal fünf Stunden. "Ich produziere nur so viel, wie auch benötigt wird", sagt der junge Teichwirt. Wenn Hein Fische schlachtet, läuft das tiergerecht ab. Zunächst betäubt er sie mit einem Schlag auf den Kopf. Das Tier tötet er dann mit einem Kiemenbogenrundschnitt. Dabei führt er das Messer entlang der knöchernen Kiemenbögen und durchtrennt die vom Herz kommenden Arterien. Weil dabei das Herz im Gegensatz zum veralteten Herzstich nicht verletzt wird, pumpt das Organ das Blut weiter aus dem Körper des bewusstlosen Fisches. Das Tier stirbt somit durch das Ausbluten. Bei der Betäubungsmethode und dem Kiemenbogenrundschnitt handelt es sich laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung um eine tierschutzgerechte Betäubung und Schlachtungsweise.

Allerdings gehört für Hein mehr zum Berufsbild eines Teichwirts, als nur Fische aufzuziehen und zu schlachten. "Auch der äußere Rahmen muss passend sein", meint er. Dafür baut er in Kooperation mit den Schülern vom Schönborn Gymnasium in Münnerstadt beispielsweise Nistkästen. Damit fördert er die Artenvielfalt im Teichumfeld. Außerdem gibt es Projekte mit Kindergärten. "Dadurch bekommen die Kinder einen Bezug zum Lebensmittel . Sie erfahren, dass es eben nicht einfach so im Supermarkt liegt, sondern dass dahinter ein Lebewesen steckt", erklärt der 24-Jährige.

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