Langenleiten

Ein Rechen für die Finanzmittel

Die bayerische Staatsministerin Kerstin Schreyer war zu Besuch in der Rhön. Die Einwohner der Gemeinde sprachen mit ihr über die Probleme auf dem Land.
Der Sandberger Pius Bühner stellte seinen Heimatort   Ministerin Kerstin Schreyer vor.  Einen Rechen hatte er für sie gefertigt, damit sie die nötigen  Finanzmitteil in München für die Walddörfer einholen kann. Foto: Marion Eckert       -  Der Sandberger Pius Bühner stellte seinen Heimatort   Ministerin Kerstin Schreyer vor.  Einen Rechen hatte er für sie gefertigt, damit sie die nötigen  Finanzmitteil in München für die Walddörfer einholen kann. Foto: Marion Eckert
Der Sandberger Pius Bühner stellte seinen Heimatort Ministerin Kerstin Schreyer vor. Einen Rechen hatte er für sie gefertigt, damit sie die nötigen Finanzmitteil in München für die Walddörfer einholen kann. Foto: Marion Eckert

Es war ein kurzweiliger Abend rund um die Fragestellung, wie die Lebensbedingungen in einem strukturschwachen Gebiet wie die Rhön verbessert werden können. Im neuen "Haus für Alle", das ein Beispiel für Zusammenhalt und Ehrenamt in Langenleiten gilt, konnten Konrad Tripp, der Vorsitzende der  CSA Rhön Grabfeld (Christliche Arbeitnehmer Union) und Bürgermeisterin Sonja Reubelt Kerstin Schreyer (Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales) begrüßen. Entgegen üblicher Veranstaltungen in Zeiten von Wahlen, wurde der Abend in Langenleiten auch von Bürgern und nicht alleine von Politikerreden geprägt.

Die Bürgermeisterin wie auch der CSA Vorsitzende freuten sich über das große Interesse der Bevölkerung. Sonja Reubelt wertete den Besuch der Staatsministerin in ihrer Gemeinde als Zeichen der Wertschätzung und besonderen Anerkennung für die schon unternommenen Schritte im Rahmen der Seniorenarbeit . So stand auch Sabine Nasner, die seit Oktober in der Gemeinde Sandberg als "Fachkraft für die Walddörfer Senioren" tätig ist, auf der Bühne und sprach über ihre Aufgaben und das von Bürgermeisterin Reubelt erstellte Quartierskonzept, das für vier Jahre mit 80 000 Euro gefördert werde. Die Anschaffung eines Bürgerbusses, Pflegeentlastungsnachmittage, Tagespflege oder größere Mobilität - es seien schon viele Ideen angestoßen worden, um die vorhandene Infrastruktur weiterzuführen und Neues aufzubauen. "Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht für Sonja Reubelt dabei stets der Gedanke den Menschen das alt werden in ihrer Heimat und als Mitglied der Gesellschaft zu ermöglichen", sagt Nasner. Was diese Heimat ausmacht, das stellten fünf Bürger in kurzen Statements vor. Dabei ist es Sabine Nassner und Bürgermeisterin Reubelt gelungen, Menschen mit ganz unterschiedliche Hintergründen zu gewinnen. Stets ging es darum, dass die Orte keine Wohnorte sondern ein Zuhause sind. 

Theresa Kneuer ( Kilianshof ) sprach über die neue Wildtierstation, das Aufwachsen ihres Sohnes in einer naturnahen Lage und den Versuch Umweltbildung aber auch Seniorenarbeit zu verbinden. Brigitte Schmidt ( Langenleiten ) hat das Thema ärztliche Versorgung, Erreichbarkeit von Fachärzten und den Mangel an geeigneten Pflegeplätzen aufgezeigt. Mit zwei Pflegefällen im Haus sei sie immer wieder auf die Hilfe von Freundinnen und Nachbarn angewiesen. "Die Verbesserung der Lebensumstände von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen muss als politische Aufgabe verstanden werden." Entgegen der beiden Damen ist Pius Bühners Familie bereits in zehnter Generation in Sandberg ansässig. Doch erst selbst war von 50 Berufsjahren 25 als Wochenendpendler auswärts tätig. Für die Zukunft wünscht er angemessene Senioreneinrichtung in den ländlichen Räumen und seinen Heimat. "Wir brauchen keine Luxusförderung für Skilifte im Bayerischen Alpenraum. Wir brauchen Senioreneinrichtungen. Und wir brauchen eine bessere Unterstützung des Ehrenamtes", gab er der Ministerin mit auf den Weg.

Johannes Markert sprach über die Vorzüge von Schmalwasser und zeigte am Beispiel des Club`74 die aktive Jugendarbeit auf. Für Waldberg sprach Siegfried Söder und das großartige ehrenamtliche Engagement, wenn in den Sommermonaten zwölf Wallfahrten mit gut 2800 Personen in Waldberg zu verköstigen sind. Alleine für die Würzburg-Wallfahrer werden an zwei Tagen 80 Blechkuchen benötigt. Um die Wallfahrer bei Regen oder auch großer Hitze unterbringen zu können, wird für den Innenhof des Dorfzentrums eine Überdachung benötigt. Auf den Tischen lagen rote und grüne Karten, die zur nachfolgenden Abfrage durch Sabine Nasner benötigt wurden. "Können Sie sich einen Umzug im Alter vorstellen?", "Möchten Sie ihren Lebensabend in einem Altersheim verbringen?" waren zwei Fragen, die deutlich beantwortet wurden. Rote Karten wohin man schaute, beim Gedanken im Altersheim leben zu müssen. Damit war für Bürgermeisterin Reubelt die Vorlage gegeben, ihrerseits über die geplanten Vorhaben, angefangen vom Bürgerbus bis hin zu Beratungsangeboten für altersgerechte Sanierungen, zu sprechen.

Die Sozialministerin griff all die angesprochenen Punkte in ihrem Vortrag auf. Von passgenauen Konzepten für eine Gemeinde, so wie es Sandberg vormacht, über die Förderung von Ehrenamtlichen bis hin zu einer würdevollen Pflege und der Frage "Was ist die Arbeit am Menschen wert?" In einer Podiumsdiskussion wurden die Brennpunkte Mobilität, ärztliche Versorgung, Anerkennung von Ehrenamt noch einmal deutlich. Sonja Reubelt zog ein positives Fazit zum Besuch der Sozialministerin: "Wir nehmen mit, dass München sich für Sandberg interessiert, damit es hier lebenswert bleibt."

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