Oberbach

Ein Tier verändert die Rhön

Im oberen Sinngrund ist der Biber längst heimisch geworden. Am neuen Radweg kann man sich zwischen Oberbach und Wildflecken ein Bild vom Revier machen. Gerwin Kellermann hat jetzt eine Biberfigur aus Basalt gestiftet.
Bildhauer Gerwin Kellermann (links) und Bürgermeister Gerd Kleinhenz am neuen Biberaussichtspunkt zwischen Wildflecken und Oberbach.Sebastian Schmitt       -  Bildhauer Gerwin Kellermann (links) und Bürgermeister Gerd Kleinhenz am neuen Biberaussichtspunkt zwischen Wildflecken und Oberbach.Sebastian Schmitt
Bildhauer Gerwin Kellermann (links) und Bürgermeister Gerd Kleinhenz am neuen Biberaussichtspunkt zwischen Wildflecken und Oberbach.Sebastian Schmitt

Zwischen Oberbach und Wildflecken gibt es am neuen Rhönexpressradweg seit einigen Tagen einen befestigten Aussichtspunkt auf das Biber-Revier im oberen Sinngrund. Gerwin Kellermann aus Oberbach hat hierfür eine filigran gearbeitete Biberfigur aus Basalt zur Verfügung gestellt und sich auch um die Aufstellung gekümmert.

"Wir sind stolz darauf, dass ein heimischer Bildhauer sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt und können über die Handwerkskunst nur staunen", sagt Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). Gemeißelt hat Kellermann die Biberfigur aus einem Basaltfindling vom eigenen Grundstück.

Schautafel inklusive

Wie viele Stunden Arbeit in dem steinernen Werk stecken, vermag er nicht zu sagen. "Ich zähle die Stunden und Tage nicht, denn ich mache es ja aus Freude. Teilweise so lange, bis mir die Handgelenke schmerzen." Auch um eine Schautafel zur Erläuterung der Biber-Population im oberen Sinngrund hat sich Kellermann gekümmert.

"Der Biber gehört zur Natur dazu, aber er wird nicht von allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen geliebt", macht Kellermann klar. Schon in den 1990er Jahren zeugten abgenagte Zweige, Strünke von Büschen und dünnere Stammstücke mit eindeutigen Nagespuren von der Anwesenheit eines Bibers am Oberlauf der Sinn. Nach wenigen Jahren war das Gebiet dann dauerhaft besiedelt.

Überall Spuren

Biber fällen Sträucher und Bäume , nutzen sie als Nahrung und Baumaterial für Dämme. Die Tiere bauen nach und nach sogenannte Biberburgen. "Tagsüber sind die Biber selten zu sehen, denn sie sind ja nachtaktiv. Aber ihre Spuren sind überall zu finden", so Kellermann. Der Biber verändert seinen natürlichen Lebensraum grundlegend. Ihre Dämme halten das Wasser zurück und verhindern einen schnellen Abfluss. Auch im Bereich der neuen Biberaussichtsfläche kann man das zurückgestaute Gewässer sehr gut erkennen. Die Sinn wurde durch den Biber angestaut, tritt über ihre Ufer und überflutet die angrenzenden Flächen. So entwickelt sich ein neuer, ganz vom Wasser geprägter Landschaftstyp.

Diese Landschaft ist ständigen Veränderungen unterworfen. Ein eng vernetztes System von Wasser , Land, Grünflächen, sumpfigen Stellen, Gebüsch, Bäumen und Totholz lässt kleine Biotope entstehen. Diese bilden die Grundlage für eine hohe Artenvielfalt im Biberrevier.

"Einer der Nutznießer ist der sehr viel kleinere Bisam, der sich auch am Tag gut beobachten lässt", erklärt Kellermann. Wie viele Biber den oberen Sinngrund bevölkern, ist unklar. Bekannt ist allerdings, dass es im Moment einige Jungtiere gibt. "Diese werden eines Tages aber von den älteren Tieren vertrieben, die ihr Revier verteidigen." Biber sind ständig mit der Regulierung des fließenden Wassers beschäftigt. Dadurch kann die Wanderung von Fischen behindert oder sogar gänzlich unterbunden werden.

Konfliktpotenzial gering

Biber nehmen erstaunlich weite Wege in Kauf, um an Grünfutter oder geeignete Sträucher und Bäume zu gelangen. Sie überwinden selbst steile Abhänge und überqueren auch den neuen Radweg durch das Sinntal. Konflikte in Biberrevieren gibt es landauf, landab immer wieder. "Hier im oberen Sinngrund ist das Konfliktpotenzial sehr gering. Die Flächen des Biberreviers befinden sich vorwiegend im Besitz des Bund Naturschutz ", so Kellermann.

Viel schwieriger gestalte sich das Zusammenleben von Mensch und Biber in Revieren, die von Privatgrundstücken geprägt sind. "Der Biber hat einen gewaltigen Biss. Er hat in manchen Gegenden auch schon andere Tiere , sogar Hunde gebissen." Nicht immer werde der Biber als Bereicherung gesehen. In der Abgeschiedenheit zwischen Oberbach und Wildflecken aber hat er sich ein weitgehend ungestörtes Refugium geschaffen. "Der Blick auf das Biberrevier ist herrlich", pflichtet Bürgermeister Kleinhenz bei.

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