Bad Königshofen im Grabfeld

Ein unendlich trauriges Schicksal

Eine Ausstellung über das tragische Schicksal der Familie Fischer, die Erich Fries aus Großwenkheim aufgearbeitet hat, hätte mehr Interesse verdient.
Bürgermeister Thomas Helbling ließ sich am Sonntagmorgen im Rahmen einer Ausstellung über die Geschichte der Familie Fischer aus Königshofen die Bilddokumente erläutern (von links): Erich Fries, Bürgermeister Thomas Helbling, sowie Bianca und Edmund  Fischer-Milz.  Hanns  Friedrich
Bürgermeister Thomas Helbling ließ sich am Sonntagmorgen im Rahmen einer Ausstellung über die Geschichte der Familie Fischer aus Königshofen die Bilddokumente erläutern (von links): Erich Fries, Bürgermeister Thomas Helbling, sowie Bianca und Edmund Fischer-Milz. Hanns Friedrich
Alle drei Söhne hat Familie Fischer im Zweiten Weltkrieg verloren. Wenn man die Briefe liest, die die Söhne ihren Eltern aus den Kriegsgebieten geschrieben hatten, überkommt einen ein kalter Schauer. Sie sind teil der Ausstellung über die Geschichte der Familie, die Erich Fries aus Großwenkheim aufgearbeitet und für eine Ausstellung zusammengestellt hat.

Bürgermeister Thomas Helbling übernahm die Eröffnung im Kulturarsenal Darre. Schade nur, dass nur wenige Interessierte am Sonntag den Weg dorthin fanden. Nur an diesem Tag war die Ausstellung zu sehen. Vor allem Mitglieder der Soldatenkameradschaften hätte man erwartet und diesen hatte der Bürgermeister die Ausstellung auch "ans Herz gelegt."

Der Bürgermeister dankte im Rahmen der kleinen Eröffnung jedoch ganz besonders der Familie Fischer-Milz, die damit einen Einblick in ihre Familiengeschichte gewährt hat und die Tragik deutlich machte, die ein Krieg in eine Familie bringen kann. Bei einem Rundgang erfuhr der Bürgermeister dann mehr und blätterte auch in den beiden Bänden mit dem Titel: "Für Volk und Vaterland opfert die Witwe Theresia Fischer aus Königshofen im Grabfeld ihre drei Söhne."

Schon der Buchtitel erinnert an schwere Zeiten in Deutschland, als in den beiden Weltkriegen Millionen deutscher Soldaten auf den Schlachtfeldern oder in Kriegsgefangenschaft getötet wurden. Auf mehr als 300 Seiten rollt der Großwenkheimer Erich Fries die leidvolle Geschichte von Paul, Heinrich und Adolf Fischer auf. Erschütternde Briefe an die Mutter, die nach und nach alle drei Söhne verlor sind dort nach zu lesen. Aber auch zahlreiches Bildmaterial hat Erich Fries akribisch aufgearbeitet.

Einen kleinen Einblick in seine Arbeit gibt er mit mehr als 200 Dokumenten, die auf den Ausstellungstafeln gezeigt werden. Briefe, Kriegsorden, zahlreiche Fotos und Informationen sind hier zu bekommen. Rund eineinhalb Jahre hat Erich Fries an den Dokumentationen gearbeitet und die insgesamt vier Ordner, in denen die Familie Fischer-Milz aus Bad Königshofen alles zusammen getragen hatte, gesichtet und in zwei Büchern zusammen gefasst.

Vor drei Jahren ist die Bad Königshofener Familie auf den Großwenkheimer zugekommen, der schon mehr als 20 Bücher verfasste und Ausstellungen bestückt hat. Aufwändig bei derartigen historischen Dokumenten sind die Fotografien, erfuhr Bürgermeister Thomas Helbling von Erich Fries. "Es sind oftmals ganz kleine Bildchen, so wie man sie früher hatte, die dann vergrößert und dem Thema zugeordnet werden müssen."

Schon das Titelblatt der beiden Bücher lässt die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erahnen: "Paul Fischer, geboren am 24. 06. 1910, krank aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, am 05.04.1949 im Kriegslazarett Werneck verstorben. Heinrich Fischer, geboren am 04.03.1916, gefallen am 09.09.1941 bei Mittschenkj in Russland. Adolf Fischer, geboren am 16. 01.1920, gefallen am 23.01.1945 bei Balatonkenese in Ungarn.

Unsägliches Leid hat Theresia Fischer ertragen müssen. 226 Seiten hat der Autor in einem eigenen Band zunächst Paul Fischer gewidmet und Dokumente, Fotografien, die Paul Fischer selbst aufgenommen hat, aufgelistet. Dazu kann man Feldpostbriefe und Kriegsgefangenenkarten lesen.

Was wohl in Bad Königshofen auch nicht wussten: Adolf Andreas Fischer war künstlerisch begabt. Er wählte deshalb nicht den Beruf des Glasers, sondern das Tüncherhandwerk bei Georg Hochbrückner. Später war er als Maler- und Vergoldergehilfe in Allershausen eingestellt.

Adolf Andreas Fischer hat auch an einer Kunstausstellung mit einer Zeichnung in Königshofen im Herbst 1941 teilgenommen. Sein Antrag auf ein Studium in Berlin für bildende Künste wurde von der Reichskulturkammer 1943 abgelehnt. Der Grund: "Erst nach Entlassung aus dem Wehrdienst ist eine Aufnahme möglich." Bilder von seinem künstlerischem Wirken findetman in der Ausstellung. Unter anderem sieht man man ihn da beim Malen am Birkenpfad in Ipthausen.

Unter anderem Pferde mit wehender Mähne, eine Bergkapelle, Kirchentüren, Kirchen, Berglandschaft oder auch eine Frau mit wehenden Haaren hat er gemalt. Die Chronik wird durch Feldpostkarten und Ansichten aus Bad Königshofen vervollständigt.

Auf den letzten Bildern der Ausstellung ist ein Kindersarg zu sehen. Tragisch: Theresia Fischer hatte bereits 1914, also vier Jahre nach der Geburt ihres Sohnes Paul, eine Tochter, Elisabetha Margarethe, geboren. Sie wurde nur ein Jahr und zwei Monate alt. Im Krieg gefallen sind außerdem ihre beiden Neffen, Robert und Alfred. Sie wurde 83 Jahre alt und starb 1972.Auf dem Sterbebild ist zu lesen: "All ihr nimmermüdes, liebendes Sorgen, galt ihrer Familie."

Eine Ausstellung, die "tief unter die Haut ging", die allerdings mehr Interesse verdient hätte. "Schade, dass dieses Interesse heute nicht mehr vorhanden ist," sagte Bianca Fischer-Milz.

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