Hammelburg

Eine halbe Milliarde Euro für die Standorte Hammelburg und Wildflecken

Die Investitionen an den Bundeswehr-Standorten im Landkreis Bad Kissingen sind auch eine große Herausforderung für das Staatliche Bauamt.
In der erweiterten Lehr-Werkstatt auf dem Lagerberg haben die aktuell 120 Auszubildenden beste Bedingungen. Foto: Ralf Ruppert       -  In der erweiterten Lehr-Werkstatt auf dem Lagerberg haben die aktuell 120 Auszubildenden beste Bedingungen. Foto: Ralf Ruppert
| In der erweiterten Lehr-Werkstatt auf dem Lagerberg haben die aktuell 120 Auszubildenden beste Bedingungen. Foto: Ralf Ruppert

Noch nie schien die Zukunft der beiden Bundeswehr-Standorte so sicher wie im Moment: Mehrere hundert Millionen Euro investiert der Bund in den kommenden zehn Jahren in Hammelburg und Wildflecken. Für Hammelburg sind laut Bundeswehrdienstleistungszentrum mindestens 180 Millionen Euro bereits an Haushaltsmitteln genehmigt, für Wildflecken sind es 83 Millionen Euro . Und die tatsächlichen Investitionen dürften noch höher ausfallen: Das Staatliche Bauamt Schweinfurt plant alleine für Hammelburg Projekte mit einem Volumen von 283 Millionen Euro . Und Wildflecken erhält bis 2030 einen von drei Knotenpunkten der neuen digitalen Infrastruktur der Bundeswehr : Für das neue Rechenzentrum fließen nach Wildflecken voraussichtlich mindestens 300 Millionen Euro.

"Der Standort hat Zukunft", kommentiert denn auch Gerald Langer vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt die Investitionen. Die Investitionen stellen seine Behörde aber auch vor Probleme: "Wir können uns personell gar nicht so schnell verstärken", verweist er auf die Situation in den Bauämtern, und: "Es scheitert nicht an den Mitteln, sondern an den Kapazitäten."

Lehr-Werkstatt in Betrieb

Matthias Hümmler, Leiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums, erklärt, dass sogar im Grundgesetz geregelt sei, dass die Bundesländer als Dienstleister die Gebäude des Bundes errichten. "Gelder wären genügend da", betont auch Oberst Stefan Josef Leonhard, der als Standortältester für die Saaleck-Kaserne Hammelburg zuständig ist. Trotzdem: "Es wird jedes Jahr etwas fertig, und wir beginnen mit neuen großen Maßnahmen." In Hammelburg wurde zum Beispiel die 2,3 Millionen Euro teure Erweiterung der Lehr-Werkstatt vor zwei Wochen in Betrieb genommen, die neue Zweifach-Turnhalle ist so gut wie fertig, und Unterkünfte werden laufend saniert.

In der Rhön-Kaserne Wildflecken steht ein neues Wirtschaftsgebäude. Übende Truppen können es für die Verpflegung der Soldaten nutzen. Rund 5,7 Millionen Euro kostete der Bau. Außen ist das Gebäude fertig, in nen dauern die Arbeiten an. Kommandant Christoph Peschel rechnet damit, dass im Mai der "erste Stresstest" anläuft. Ab Juni stehe das Gebäude offiziell bereit. Mehr über die Investitionen in den Standorten finden Sie auf den.

Seit die bayerische Armee vor 125 Jahren das Lager Hammelburg eröffnete, hat sich viel getan: Auf mehr als 600 schätzt der Hammelburger Standortälteste Stefan Josef Leonhard die Zahl der militärisch genutzten Gebäude auf dem Lagerberg. "Viele sind nicht mehr zeitgemäß", sagt Oberst Leonhard. Deshalb plant der Bund Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro , davon sind rund 180 Millionen Euro bereits genehmigt.

Auch Vorgaben ändern sich ständig: "Für die übende Truppe und in der Grundausbildung waren früher Acht-Mann-Stuben üblich", nennt Leonhard als Beispiel. Neuer Standard sind vier Betten in einem Zimmer. Für alle, die fest am Standort untergebracht sind, soll es in Zukunft sogar Ein-Zimmer-Apartments mit neuen Möbeln und Internet-Anschluss geben. Deshalb werden in den kommenden Jahren voraussichtlich alleine für Unterkünfte auf dem Lagerberg 130 Millionen Euro investiert.

In der General-Heusinger-Kaserne modernisiert der Bund aktuell bereits Zimmer: In diesem Teil des Lagerbergs quartieren sich Einheiten ein, die den Truppenübungsplatz nutzen. "Meistens bleiben sie zwei bis drei Wochen", berichtet Objekt-Managerin Hiltrud Höfler. Aktuell müssen sich die belgischen und deutschen Soldaten in einem der drei Blocks noch sieben Betten in einem Raum teilen. Beim Blick aus dem Fenster sehen sie, wie die Zukunft aussieht: Für drei Millionen Euro wird einer der Blocks aus den 1970er Jahren umgebaut.

Statt sieben nur noch vier Betten

Vor zehn Jahren war bereits das erste der drei großen Gebäude an der Reihe. "Seitdem haben sich schon wieder viele Standards geändert", berichtet Martina Dusel, die den Umbau für das Staatliche Bauamt betreut. Zum Beispiel seien 2010 nur die Nassräume belüftet worden, jetzt werden für alle Räume Lüftungen eingebaut. Der gesamte Dachstuhl stehe deshalb voller Technik. "Das Gebäude wird immer dichter. Wenn die Soldaten mit feuchten Kleidern von der Übung kommen, muss die feuchte Luft raus", begründet Dusel die Neuerung.

In den Gebäuden wird noch mehr umgekrempelt: Die Sanitärräume sind großzügiger, der Platz zum Waschen der Stiefel ist nicht mehr vor der Tür, sondern drinnen. Und für Soldatinnen werden eigene Bereiche abgetrennt. Weil in den 28 Quadratmeter großen Zimmern keine sieben, sondern nur noch vier Betten stehen, reduziert sich die Kapazität des Gebäudes von rund 200 auf 122 Betten.

Doch es wird nicht nur saniert: Das Staatliche Bauamt überplant im Auftrag der Bundeswehr die gesamte Saaleck-Kaserne und erschließt neue Plätze für Gebäude. Im Herbst soll ein 31-Millionen-Euro-Programm zum Ausbau von Unterkünften starten. Zudem seien weitere 100 Millionen Euro für sogenannte Bestell-Bauten eingeplant: In kurzer Zeit sollen in Modulbauweise möglichst viele Ein-Zimmer-Apartments hochgezogen werden. Ob in Holz- oder Massiv-Bauweise sei noch offen, berichtet Gerald Langer vom Staatlichen Bauamt.

Laut Erwin Full, der beim Bauamt die Abteilung Bundesmaßnahmen leitet, laufen aktuell auf dem Lagerberg 19 Projekte bis zu einer Auftragssumme von zwei Millionen Euro und vier Großprojekte für mehr als zwei Millionen Euro , weitere sieben kleinere und 16 große Projekte seien aktuell in der Planungsphase. Zu den Investitionen komme der jährliche Unterhalt, der im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Euro umfasste und heuer auf 6,5 Millionen Euro steigen werde.

Rund 2000 Dauer-Unterkünfte und weitere 750 Betten für übende Truppen gebe es auf dem Lagerberg, berichtete der Standortälteste, und: "Neu ist, dass wir Funktion und Unterkunft trennen." In Zukunft gebe es also zum Beispiel keine Waffenkammer mehr in Gebäuden, in denen Soldaten schlafen.

Bereits Ersatz gab es für eine Turnhalle: Für den Dienstsport steht demnächst eine 45 auf 28 Meter große Zweifach-Turnhalle zur Verfügung. "Wir warten tagtäglich drauf", kann es Leonhard gar nicht erwarten. Das 44 auf 21 Meter große Spielfeld ist für zahlreiche Sportarten geeignet, nebenan ist ein großer Konditionsraum vorgesehen.

Neue Feuerwache begonnen

Bereits begonnen wurde der Bau einer neuen, 5,2 Millionen Euro teuren Feuerwache, weil die alte Unterkunft der Lager-Feuerwehr nicht mehr zeitgemäß sei. Ab Mitte 2022 soll auf dem Lagerberg eine große Hallen-Schießanlage entstehen. Geschätzte Kosten: 20 Millionen Euro . "Das würde auch die Lärm-Belastung für die Bevölkerung reduzieren", betont Leonhard. Derzeit entstehe eine Pilot-Anlage in Bad Reichenhall. Je nach den Erfahrungen dort, könnten die Pläne dann übernommen werden. Das sei auch im Sinne des Staatlichen Bauamtes: Einheitliche Grundrisse würden die Planung erleichtern. Allerdings müssten örtliche Gegebenheiten berücksichtigt werden: "Wir haben etwa in Wildflecken andere Vorgaben zu den Schneelasten für Dächer als hier in Hammelburg ", nennt Full als Beispiel.

Die teuerste Einzel-Maßnahme auf dem Lagerberg wird der Bau eines neuen Wirtschaftsgebäudes für 50 Millionen Euro ab 2023 werden. Ebenfalls ab 2023 soll ein neues Sanitätszentrum entstehen, in dem die aktuell über das Gelände verstreuten Sanitätsbereiche zusammengefasst werden.

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