Bad Kissingen

Eine nützliche Artenvielfalt

Im Landkreis kommen insgesamt etwa 1800 verschiedene Pflanzenarten vor. Etliche davon sind geschützt, stehen auf der Roten Liste.
Walter Hartmann hat den Garten am Sinnberg für den Bund Naturschutz  mit aufgebaut. Etwa 400 Pflanzen gedeihen hier. Ein großer Anteil  davon sind geschützte Arten, die extra ausgesät wurden, um sie zu erhalten. Der Garten ist öffentlich und besteht schon seit 30 Jahren.K. Kupka-Hahn
Walter Hartmann hat den Garten am Sinnberg für den Bund Naturschutz mit aufgebaut. Etwa 400 Pflanzen gedeihen hier. Ein großer Anteil davon sind geschützte Arten, die extra ausgesät wurden, um sie zu erhalten. Der Garten ist öffentlich und besteht schon seit 30 Jahren.K. Kupka-Hahn
Die meisten Menschen teilen Pflanzen in zwei Kategorien ein: in nützlich und in nicht nützlich. Für Walter Hartmann gibt es diesen Unterschied jedoch nicht. "Jede Pflanze ist für irgendetwas gut", sagt der 79-Jährige und nennt die Brennnessel als Beispiel. "Für viele ist sie ein Unkraut, das nicht in den Garten gehört. Aber das Tagpfauenauge, ein Schmetterling, braucht die Brennnessel als Futterpflanze", erklärt er. Hartmann weiß das so genau, da Pflanzen sein Fachgebiet sind .
Seit etwa vier Jahrzehnten beschäftigt sich der gelernte Starkstromelektriker mit ihnen. Dabei wollte er ursprünglich nur ein wenig in seiner Freizeit fotografieren. "Doch die Käfer sind mir immer davongerannt", erzählt er. Deshalb fing Hartmann an, Pflanzen abzulichten. Mit der Zeit wurden es immer mehr, parallel dazu wuchs sein Interesse. Verstärkt wurde dieses durch seinen damaligen Nachbarn, einen Apotheker. Dieser gründete 1974 den Arbeitskreis Botanik für die Bund Naturschutz Kreisgruppe Bad Kissingen. Hartmann trat dieser sofort bei. Seit 1986 ist er deren Leiter.
Jedes Jahr erfassen etwa 15 Mitglieder des Arbeitskreises, wie viele Pflanzen es im Landkreis gibt. Dazu wurde die 1137 Quadratkilometer große Landkreisfläche in Teilquadranten eingeteilt. "Jeder ist etwa 1,3 Quadratkilometer groß", sagt der Hobbybotaniker, und fügt hinzu: "Von der Fichte bis zum Gänseblümchen wird alles gezählt." Durchschnittlich wachsen pro Teilquadrant etwa 400 Pflanzensippen. 724, und somit die meisten, wurden in einem Abschnitt zwischen Ebenhausen und Ramsthal ermittelt. Anhand dieser Zählung erstellt der Arbeitskreis Botanik den Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen im Landkreis Bad Kissingen. "Früher haben wir diesen als Buch veröffentlicht. Doch mittlerweile ändern sich die Daten und Namen von Jahr zu Jahr", sagt Hartmann.
"Unser Landkreis ist sehr artenreich, aber viele Pflanzen werden verschwinden", fasst der Hobbybotaniker seine jahrelangen Beobachtungen zusammen. Denn die Zahl der alten, heimischen Pflanzen geht zurück, während sich Neulinge, sogenannte Neophyten, immer mehr ausbreiten. "Arnikawiesen beispielsweise gab es früher im gesamten Landkreis, sogar im Saaletal", erklärt er. Heute hingegen findet man die Heilpflanze nur noch vereinzelt - in der Rhön, nördlich von Bad Brückenau, sowie etwas südlicher davon.


Die Rhönwiesen sind einmalig

Doch warum verändert sich die Pflanzenwelt im Landkreis? Laut Hartmann gibt es viele Faktoren, wie etwa die Landwirtschaft, den Verkehr und den Klimawandel - allesamt ausgelöst vom Menschen. "Die meisten Neophyten machen uns jedoch keine Probleme", gibt er Entwarnung. Sie werden beispielsweise übers Vogelfutter eingeschleppt oder über Autoreifen. "Manche Samen setzen sich dort fest", weiß der Fachmann und nennt als Beispiel Salzpflanzen. Diese kommen normalerweise in maritimen Regionen vor. "Mittlerweile gedeihen sie an unseren Straßenrändern. Als besonders wichtig schätzt der Botaniker den Naturschutz im Biosphärenreservat Rhön ein. "Die Rhönwiesen sind einmalig und werden dort erhalten." Denn sie werden nicht gedüngt.
Dünger, so ist Hartmanns Überzeugung, schadet der Artenvielfalt. Doch die Landwirtschaft will er deshalb nicht verdammen. "Es findet bereits ein Umdenken statt, und das muss gefördert werden", lobt der Naturschützer. Stefan Fella, Stellvertreter und Bereichsleiter Landwirtschaft im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), bestätigt das. "Viele Landwirte stellen ihre konventionellen Arbeitsweisen auf ökologische um", sagt er. Auch, weil es vom Freistaat Ausgleichszahlungen für naturnahe Bewirtschaftung gibt. "Die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld sind da Spitzenreiter in Bayern", fügt Fella hinzu. Für Walter Hartmann würde es schon reichen, wenn so mancher englischer Rasen aus den Gärten verschwindet und einer wilden Blumenwiese Platz macht. Schließlich ist jede Pflanze für etwas gut, auch der Löwenzahn.

Schlagworte

  • Bad Kissingen
  • Artenvielfalt
  • Biosphärenreservat Rhön
  • Botanik
  • Walter Hartmann
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!