Bad Bocklet

Eine Schwarzwälder zum 100. Geburtstag

Konditor Kurt Loske feiert am Sonntag, 24. Januar 2021, einen eher seltenen, runden Geburtstag.
Kurt Loske freut sich auf seinen 100. Geburtstag. Den wird er am Sonntag im Pflegeheim am Saaleufer feiern. Foto: Melanie Skinner-Herzog       -  Kurt Loske freut sich auf seinen 100. Geburtstag. Den wird er am Sonntag im Pflegeheim am Saaleufer feiern. Foto: Melanie Skinner-Herzog
| Kurt Loske freut sich auf seinen 100. Geburtstag. Den wird er am Sonntag im Pflegeheim am Saaleufer feiern. Foto: Melanie Skinner-Herzog

Viele Kissinger werden sich noch an ihre harmonischen Nachmittage bei hausgemachtem Kuchen und an legendäre Tanzabende im Café Loske am Berliner Platz erinnern. Viele Bockleter kennen Kurt Loske als langjährigen Nachbarn. Am Sonntag, 24. Januar, feiert der aus Niederschlesien stammende Bäcker- und Konditormeister seinen 100. Geburtstag.

Erst vor einem Jahr hatte er sein Haus in Bad Bocklet aufgegeben und war ins nahe Pflegeheim am Saaleufer umgezogen. Auf eine große Gratulantenschar wird der Senior wegen der Corona-Einschränkungen verzichten müssen, doch nicht auf die geliebte Schwarzwälder Kirschtorte, die er sich vom Team um Pflegedienstleiterin Luisa Wehner "mit leuchtenden Augen" gewünscht hat.

Gefahrvolle Umwege

Hundert Jahre sind ein ungewöhnlich langer Lebensweg. Für Kurt Loske war es zugleich ein weiter Weg aus Schlesien über gefahrvolle Umwege nach Stuttgart, bevor er im Kissinger Landkreis eine neue Heimat fand. Am 24. Januar 1921 wurde er als jüngstes von fünf Kindern eines Metzgers in Friedrichsgrund (Glatz, Niederschlesien) geboren. Kaum hatte er seine Ausbildung zum Bäcker und Konditor abgeschlossen, musste er 1939 in den Weltkrieg ziehen, der den bald 20-Jährigen auch nach Norwegen und Finnland brachte.

Bevor er Anfang 1945 in Österreich zum Einsatz kam, heiratete er in Beuthen (Oberschlesien) seine "große Liebe ", die Christa. Bei Kriegsende floh Christa in den Westen, während Kurt nach Straßburg (Elsass) in Kriegsgefangenschaft kam. Doch über Briefe blieben sie in Kontakt.

In der Gefangenschaft, wo Loske auf einem Gutshof in der Gärtnerei eingesetzt war, "behandelte man mich gut. Ich hatte Unterkunft und feste Mahlzeiten." Nach einem Arbeitsunfall, bei dem er einen Finger verlor, wurde er 1948 als arbeitsuntauglich entlassen, wohnte seitdem mit Ehefrau Christa in Stuttgart, pendelte allerdings zwei Jahre lang in die Schweiz, wo er als Pâtissier eine Anstellung gefunden hatte. Zwei Jahre später übernahm er 1950 das Café Paulus im Stadtteil Stammheim. "Viele schlesische Flüchtlinge kauften damals bei uns ein. Wir hielten zusammen." In diesen Nachkriegsjahren wurden die Kinder Gabi und Michael geboren.

Sehnsucht nach der Familie

Zwar war die Heimat verloren, doch die Sehnsucht nach der Familie blieb. Deshalb zog es die Loskes zwei Jahrzehnte später in den Landkreis Bad Kissingen, wo in Stangenroth seine Mutter und Schwester lebten. 1970 kaufte das Ehepaar ein Haus in der Bad Bockleter Waldstraße und eröffnete in Bad Kissingen am Berliner Platz das Café Loske, wo der Konditormeister bis zur Rente arbeitete.

Kurz zuvor war 1984 seine Christa nach langer Krankheit gestorben. Es war ihr Wunsch, dass ihre beste Freundin Irmgard Limpert, von der sie bis zum Tod betreut wurde, nun auch für Ehemann Kurt sorgen möge. "So entstand eine enge Freundschaft und daraus auch eine Liebe ", erzählt der Hundertjährige im Rückblick. "So eine Frau findet man überhaupt nicht mehr."

Irmgard, selbst vor Jahren verwitwet, kümmerte sich fortan um Kurt, vor allem als es ihm gesundheitlich schlechter ging. Aber zuletzt schaffte auch sie es nicht mehr, weshalb Loske vor einem Jahr seine Wohnung aufgab und ins nahe Pflegeheim am Saaleufer wechselte. Dort wird er seitdem nicht nur von seiner Irmgard regelmäßig besucht, sondern auch von Tochter Gabi sowie seinem Neffen Jürgen Loske mit Ehefrau Carola.

Verwandte und Bekannte schildern Loske als positiven Menschen, der sein Leben annimmt, wie es im hohen Alter von 100 Jahren nun mal ist. "Er ist zufrieden und sehr zuvorkommend." Seinen Alltag im Heim versucht der Senior mit Hilfe seines Rollstuhls möglichst eigenständig zu gestalten.

Überraschungen?

Er telefoniert gern mit seinen Angehörigen, die Zeitungslektüre ist ihm eine tägliche Pflicht, zum Vergnügen gönnt er sich hin und wieder ein Bier. Sicher spendiert man ihm auch zum Hundertsten am Sonntag ein kühles Helles, damit er für mögliche Geburtstagsüberraschungen, die es trotz der Pandemie doch geben mag, gewappnet ist.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Bad Kissingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Bad Bocklet
Ehefrauen
Ehegatten
Ehepartner
Familien
Hochzeiten
Konditoren
Liebe
Pandemien
Schlesien
Senioren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (2)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!